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Kultur

Qualitätsoffensive der Buchhändler

Der Buchhandel befindet sich im Wandel: Große Buchhandelsketten verdrängen die kleinen Buchläden, die Vielfalt des Marktes wird reduziert. Wie man trotzdem überlebt - das zeigt die Buchhandlung Klaus Bittner in Köln.

Die Kölner Buchhandlung Klaus Bittner von innen(Foto: Buchhandlung Klaus Bittner)

Kleiner Laden - großes Angebot

Klaus Bittner verschließt nicht die Augen - weder vor dem Verdrängungswettbewerb der großen Buchhandelsketten noch vor der Konkurrenz aus dem Internet. Doch obwohl sich viele seiner Kollegen auf dem Buchmarkt immer schlechter behaupten können, plagen ihn keine Existenzsorgen: "Weil ich erstens optimistisch bin, zweitens nie gejammert habe und drittens sowieso davon überzeugt bin, dass wir überleben." Und er hat allen Grund diese Zuversicht zu pflegen. Denn seine Buchhandlung im Kölner Zentrum ist eine regelrechte Institution, deren 30-jähriges Bestehen gerade gefeiert wurde. Und sie strahlt außerdem weit über die Domstadt hinaus.

Leidenschaft auf 120 Quadratmetern

Den Erfolg verdankt Bittner unter anderem seiner Leidenschaft, mit der er sich für die Vermittlung von Literatur einsetzt. Deutsche und internationale Schriftsteller waren in seiner Buchhandlung schon in den 1980er Jahren zu Gast, als Lesungen noch nicht so selbstverständlich waren wie heute, wo in Deutschland fast jede wichtige Buchveröffentlichung mit einer Lesereise des Autors verbunden ist. Aber natürlich ist Bittners Kerngeschäft das Bücherverkaufen. Und das tut er in einem Laden, der nicht größer ist als eine mittelgroße Wohnung: 120 Quadratmeter, bis unter die Decke gefüllt mit Bücherregalen.

Der Kölner Buchhändler Klaus Bittner (Foto: Buchhandlung Klaus Bittner)

Zuversichtlich - der Kölner Buchhändler Klaus Bittner

Das Erfolgsrezept des kleinen Buchladens

"Drei große Standbeine" nennt Bittner als Erfolgsrezept: "Das ist einmal die Geisteswissenschaft, zweitens die Literatur im weitesten Sinne und drittens der ganze Bereich, der sich um Theater rankt." Zu dem breit gefächerten Angebot gehören fremdsprachige Originalausgaben, Gedichtbände, die nur in Kleinverlagen erscheinen, und alle wichtigen Literaturzeitschriften. Zudem eine regelrechte Spezialabteilung für außereuropäische Literaturen. Mit diesem Angebot kann die kleine Buchhandlung sich durchaus gegen die großen Bücherkaufhäuser behaupten, die vor knapp 15 Jahren überall wie Pilze aus dem Boden schossen und eine große Anziehungskraft hatten.

Bücherkaufhäuser als Abenteuerland

In den Anfangsjahren fand auch Klaus Bittner die großen Bücherkaufhäuser anziehend: "Ich bin ja nicht betriebsblind", sagt er. "Ich habe mir diese Buchhandlungen angeschaut und fand sehr viele unglaublich spannend gemacht." Doch inzwischen haben viele der großen Buchhandelsketten an Spannung verloren. Das Bücherangebot ist fast überall gleich und schon lange nicht mehr so umfangreich. Außerdem sparen die Ketten am Fachpersonal. Für Bittner eine "Katastrophe", weil die "Pflege einer Beratungstradition" die Branche schließlich auszeichne und wichtig sei.

Die Initiative "5 plus"

Gegen den Verfall der Branche haben Klaus Bittner und vier seiner Kollegen eine Qualitätsoffensive gestartet. "5 plus" nennen sie ihre Kooperationsgemeinschaft: Das sind fünf Buchhändler aus fünf verschiedenen Städten. "Wir wollen die Tradition pflegen und aufmerksam machen, dass es Buchhändler gibt, die keine Angst haben." Sie geben ein gemeinsames Literaturmagazin heraus und kooperieren, wenn es darum geht ausländische Autoren einzuladen.

Die Kölner Buchhandlung Klaus Bittner (Foto: Buchhandlung Klaus Bittner)

Seit 30 Jahren eine Institution in Köln - die Buchhandlung Klaus Bittner

Geschenk von Louis Begley

Prominente Unterstützung bekamen sie dann auch sofort von dem amerikanischen Schriftsteller Louis Begley. Er schenkte den Buchhändlern eine Erzählung, die sie in einer Sonderausgabe herausbrachten und kam eigens zur Buchpräsentation nach Deutschland. Die Qualitätsoffensive hat ihn begeistert, sie zeugt von dem hohen Niveau, das der der deutsche Buchhandel im internationalen Vergleich immer noch besitzt. In den USA gibt es noch etwa 800 konzernunabhängige Buchhandlungen, in Deutschland an die 4000.

Weltweites Vorbild

Aufgrund seiner einzigartigen Vertriebswege, so Bittner, habe der deutsche Buchhandel immer noch Vorbildfunktion in der Welt. "Die Vorstellung, dass man nachmittags um fünf ein Buch bestellt, was man morgens um acht im Laden hat, ist für viele Länder vollkommen unvorstellbar." Und deshalb lassen sich Klaus Bittner und seine Mitstreiter von "5 plus" auch ihren Optimismus nicht nehmen. "Wir sollten uns unseres Könnens bewusst sein und das selbstbewusst vertreten."

Autorin: Christel Wester
Redaktion: Petra Lambeck

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