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Kultur

Quadratisch, logisch, gut

Dieses Zahlenrätsel ist nicht nur was für Mathegenies: Bei Sudoku, das derzeit auch in Deutschland immer mehr Freunde findet, ist vor allem Logik gefragt. Und das Suchtpotenzial ist unverkennbar.

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Es ist zur Zeit in Großbritannien das Kultspiel Nummer eins: Sudoku. Ob in der überfüllten U-Bahn über die Zeitung gebeugt oder gemütlich zu Hause im Sessel - tausende Briten bemühen sich täglich um die richtige Anordnung von Zahlen.

Sudoku ist ein Quadrat, das wiederum in neun Quadrate à neun Felder unterteilt ist. In diesen Feldern sind einige Zahlen vorgegeben. Ziel ist es, die Ziffern 1 bis 9 so unterzubringen, dass jede Zahl nur einmal je Unterquadrat, Zeile und Spalte vorkommt. Der Reiz des Spiels liegt darin, dass keine mathematische Begabung erforderlich ist. Obwohl es höllisch kompliziert sein kann, lässt sich die Lösung auch durch einfaches Probieren finden. Dazu sind nur Bleistift und Radiergummi nötig.

Rätselspaß und geflügeltes Wort

Sudoku gibt es in Büchern, Zeitungen und, in Hülle und Fülle, im Internet. In Großbritannien sind die Rätsel schon weit verbreitet: Viele Zeitungen bieten regelmäßig Sudokus an. Im Oktober soll eine britische Sudoku-Meisterschaft ausgetragen werden. Auch spanische und französische Tageszeitungen haben die Rätsel im Blatt, in den puzzle-verrückten Niederlanden gibt es schon eigene Zeitschriften. Sudoku gibt es längst als Computerspiel - und fürs Handy mittlerweile natürlich auch. In Medienberichten wurde das Trendspiel schon mal mit dem berühmten Zauberwürfel aus den 1980er Jahren verglichen. Und ein geflügeltes Wort ist Sudoku auch schon geworden. So schrieb ein Kolumnist der "Times" anlässlich einer Kabinettsumbildung von Premierminister Tony Blair: "Es ist nicht wie beim Sudoku, oder?"

Auch bei den Deutschen stößt das Spiel auf Interesse. Sudokus tauchen zum Beispiel bei der "Welt am Sonntag", der "Zeit", dem "Handelsblatt" und dem "Tagesspiegel" auf. Ob es allerdings in Deutschland so ein riesigen Run gibt wie in Großbritannien, ist fraglich. Vermutlich knobelten Briten gern, während Deutsche lieber Rätsel lösten, bei denen Bildung und Wissen gefordert ist, meint "Zeit"-Redakteur Wolfgang Lechner.

Auf der Internetseite "Handelsblatt.com" gibt es jeden Tag zwei Sudokus - ein "freundlich-leichtes für den kleinen Rätselspaß" und eins für Fortgeschrittene. Wöchentlich werden hier durchschnittlich 50.000 Seitenabrufe gezählt, Tendenz steigend. Das Interesse sei sehr groß, meint Sprecherin Bettina Schönherr. Es gebe eine wachsende Sudoku-Fangemeinde in Deutschland. Von Lesern kam schon mal die Bitte, die Rätsel noch schwieriger zu machen.

Magische Quadrate

Magische Quadrate mit Buchstaben und Zahlen

Hype oder mehr?

Das Rätsel soll auf das "Carré latin" vom Schweizer Mathematiker Leonhard Euler aus dem 18. Jahrhundert zurückgehen. Das wiederum ging zurück auf die noch älteren magischen Quadrate. Marcel Danesi, Professor für Semiotik, der Lehre von Zeichen und Symbolen, erklärt, die magischen Quadrate ließen sich bis Lo Shu zurückverfolgen, einem uralten chinesischen Puzzle. In den 1980er Jahren publizierte dann eine japanische Zeitschrift die Rätsel unter dem Namen "Sudoku". Das bedeutet etwa "Zahl, die alleine steht". Nach Europa kam das Spiel schließlich durch einen Neuseeländer. Wayne Gould hatte Sudoku in Japan entdeckt und ein Computerprogramm entwickelt, das die Rätsel generiert. Damit trat er an die britische "Times" heran, die das Spiel im November 2004 ins Blatt nahm.

Die deutschen Buchverlage haben den Trend aufgegriffen. Gleich mehrere Sudoku-Rätselbücher sind diesen Sommer auf den Markt gekommen. "Sudoku ist ein Hype. Es kommt darauf an, die Bedürfnisse der Zielgruppe möglichst schnell zu befriedigen", sagte der Programmchef Sachbuch und Wissenschaft beim Verlag S. Fischer, Peter Sillem, dem Branchenmagazin "Buchreport". "Das Interesse kann aber auch sehr schnell wieder abklingen." Professor Danesi allerdings glaubt nicht, dass die Begeisterung für Sudoku schnell abebben wird: "Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, Rätsel zu lösen."

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