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Kultur

Quälende Schönheit

Für Kosmetikprodukte wie Lippenstifte und Hautcremes soll nach einem Beschluss des EU-Parlaments in Straßburg ab 2009 ein fast vollständiges Verbot von Tierversuchen gelten. Eine nicht unumstrittene Regelung.

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Die "Schöne" und das "Biest"

Nahezu jede Frau kennt den Gewissenskonflikt: Kann sie sich sicher sein, dass dieses oder jenes Kosmetikprodukt nicht an Tieren getestet wurde? Und ist zum Beispiel der Lippenstift trotzdem auf Allergien untersucht? Die Gewissensfrage könnte sich in Zukunft erledigt haben. Denn das Europäische Parlament hat – nach jahrelangem Tauziehen – eine entsprechende Richtlinie verabschiedet. Tierversuche für Kosmetika sollen in der Europäischen Union ab 2009 weitgehend verboten werden.

Bis zu dieser Frist muss nach Alternativen zu den Versuchen an Tieren gesucht werden. Einige schwer zu ersetzende Tests können jedoch bis 2013 weiterlaufen. Das Verbot bezieht sich auch auf importierte Kosmetikartikel, die an Tieren erprobt wurden. Nicht betroffen sind hingegen Kosmetika, die bereits auf dem Markt sind. Auch Tierversuche in der Medizin sind von dem Verbot nicht berührt. Bislang haben nur drei EU-Länder - Großbritannien, Österreich und den Niederlanden - Verbote für Tests an Tieren in der Kosmetikindustrie erlassen.

Allergietests ohne Tierversuche

Make-up

Auch gefährliche Stoffe, die "als krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend gelten", dürfen in Zukunft nicht mehr in Kosmetika verwendet werden. Ebenso wird eine Kennzeichnungspflicht für Duftsubstanzen eingeführt, die allergische Reaktionen hervorrufen können. Bei Produkten, die weniger als 30 Monate haltbar sind, soll zudem ein Datum, bis zu dem eine Verwendung empfohlen wird, angegeben werden. Bei einer Mindesthaltbarkeit von mehr als 30 Monaten soll angegeben werden, wie lange das Produkt nach Öffnung der Verpackung noch haltbar ist.

Leiden für Lippenstifte und Hautcremes

Tierschützer bemängelten die EU-Vorgaben als zu lasch. "Das Ergebnis ist nicht gerade zu Gunsten der Tiere ausgefallen", beklagte Corinna Gericke vom Bundesverband der Tierversuchsgegner "Menschen für Tiere". Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, kritisierte, die "erneute Fristverlängerung für das Tierversuchsverbot von weiteren sechs Jahren" bedeute "den grausamen Tod von mindestens 250.000 Versuchstieren".

So schnell können die meisten Kunden also nicht auf die Gewissensfrage beim Einkauf von Kosmetika verzichten. "Da viele Kosmetikfirmen internationalen Konzernen angehören, finden die meisten Tierversuche außerhalb der EU statt", so Gericke. Einhalt könne nur ein Vermarktungsverbot bieten. Abgeordnete des Europäischen Parlaments äußerten sich darüber besorgt, dass ein auf die EU beschränktes Verbot zu einer Verlegung der Tierversuche in andere Länder führen könnte.

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