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Wirtschaft

Qantas streicht alle Flüge wegen Streik

Die australische Fluglinie Qantas hat den Flugbetrieb eingestellt. Der Grund sind wiederholte Streiks des Personals. Beide Seiten streiten seit Monaten um Gehalt und Arbeitsbedingungen. Nun greift die Regierung ein.

Flights cancelled-Schild der Fluglinie Qantas (Foto: pa/dpa)

Am Boden bleiben: Qantas greift zu drastischen Mitteln

Es war ein drastischer Schritt: "Wir haben beschlossen, die internationale und inländische Flotte umgehend stillzulegen", sagte Qantas-Vorstandsvorsitzender Alan Joyce am Samstag (29.10.2011) in Sydney. Die Extremforderungen der Gewerkschaften hätten der Fluggesellschaft keine andere Wahl gelassen, begründete Joyce. Doch der Stillstand ist teuer: Pro Tag büßt Qantas nun 20 Millionen australische Dollar ein (rund 14 Millionen Euro).

Passagiere warten am Flughafen (Foto: pa/dpa)

Unvorbereitet: Fluggäste weltweit kommen nicht mehr an ihr Reiseziel

Weltweit kommen die Qantas-Bucher nicht mehr vom Fleck: 108 Flugzeuge strandeten in 22 Ländern, mehr als 1300 Passagiere sind betroffen und sitzen fest oder konnten erst gar nicht abheben. "Das ist bizarr, ungerechtfertigt und loylen Kunden gegenüber unfair", sagte ein Passagier in Melbourne. Die Airline versprach zwar Hotel- und Flugumbuchungen und finanziellen Ausgleich, doch die Empörung über die unangekündigte Stilllegung ist groß.

Selbst die australische Regierung hat sich nun in den Streit eingeklinkt. Sie rief einen Schlichtungsausschuss an, der die streitenden Parteien an einen Tisch bringen soll. Man sei enttäuscht über die Qantas-Entscheidung, sagte der australische Verkehrsminister Anthony Albanese. "Die Regierung ist sehr in Sorge um die Zukunft der Qantas, um das Personal aber auch um die Passagiere."

Zankapfel Rationalisierung

Die Australische Premierministerin Julia Gillard auf einer Pressekonferenz (Foto: pa/dpa)

Premierministerin Gillard greift ein in den eskalierten Arbeitsdisput

Seit mehreren Monaten streitet Qantas mit den Gewerkschaften der Piloten und des Bodenpersonals wie Ingenieuren und Gepäckträgern sowie Servicepersonal. Es geht um Gehälter, aber auch um die Arbeitsbedingungen. Qantas-Chef Joyce will Arbeitsplätze ins Ausland verlagern und präsentierte vor einigen Monaten seine neuen Restrukturierungs- und Einsparungspläne. Er will 1000 der 32.000 Stellen abbauen. Davon betroffen wären auch 200 Piloten. Gleichzeitig sollen zwei neue Tochterairlines gegründet werden, die das Unternehmen auf dem asiatischen Markt positionieren sollen. Neun Milliarden australische Dollar (etwa 6,8 Milliarden Euro) hat Qantas gerade ausgegeben, um seine Flotte aufzustocken.

Gleichzeitig warf der Vorstandsvorsitzende den Gewerkschaften vor, Strategien und Märkte "mit Füßen zu treten". Die Kunden würden sich abwenden. "Die Gewerkschaften halten nicht nur an allen unmöglichen Forderungen fest, sie wollen uns auch noch vorschreiben, wie wir unser Geschäft zu führen haben", sagte Joyce.

Qantas-Chef Alan Joyce (Foto: pa/dpa)

Realist oder realitätsfern? Qantas-Chef Joyce

Richard Woodward, Chef der Pilotenvereinigung, sprach von Erpressung. "Alan Joyce hält der Nation ein Messer an den Hals", so Woodward. Es sei klar gewesen, dass er Qantas ruinieren wollte, aber die Schnelligkeit überrasche doch. "Das hat keiner vorausgesehen, weil niemand dachte, dass Joyce total verrückt ist." Ab Montag sollen die Qantas-Mitarbeiter auch keinen Cent mehr ihres Gehaltes erhalten. In den vergangenen Wochen gab es wegen mehrfacher Warnstreiks viele Flugausfälle. Laut Joyce soll der Arbeitskampf die Qanats in eine Krise gestürzt haben.

Wichtiges Unternehmen

Die als "fliegendes Känguru" bekannte Fluglinie ist Australiens größte Fluggesellschaft. Sie deckt etwa 65 Prozent des heimischen Marktes ab. Die Konkurrenten Virgin Australia, Jetstar oder Tiger Airways sind wesentlich kleiner und könnten die Fluglücke nicht decken, die ohne Qantas entstünde. Die Fluggesellschaft wurde bereits 1920 gegründet und zählt zu den ältesten der Welt. Auch der Frankfurter Flughafen wird von Qantas von Sydney über Singapur aus angeflogen.

Autor: Nicole Scherschun (dpa, rtr, dapd)
Redaktion: Hajo Felten

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