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Afrika

Putschversuch in Madagaskar wohl gescheitert

Den abtrünnigen Offizieren auf der ostafrikanischen Insel haben sich offenbar keine weiteren Militäreinheiten angeschlossen. Die Regierung will jetzt mit den Putschisten verhandeln.

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Die Armee steht zu Übergangspräsident Andry Rajoelina

Ausgerechnet am Tag des Referendums über eine neue Verfassung (17.11.2010) hatten die 20 Offiziere um General Noël Rakotonandrasana den Aufstand gewagt. Die Regierung sei abgesetzt, die Institutionen des Landes aufgelöst und ein Rat für das Wohl des Volkes gegründet worden. Den Worten aber folgten keine Taten. Weder wurde der Präsidentenpalast gestürmt, noch der Übergangspräsident Andry Rajoelina festgesetzt. Offenbar hatten die Putschisten damit gerechnet, dass sich ihnen die Militärführung anschließen werde. Noch am Mittwochabend aber erklärten Armeevertreter, dass sie den Umsturzversuch nicht hinnehmen wollten.

Verhandlungen sollen Krise lösen

Madagaskar Wahlen 2010 Referendum

Das Referendum verlief weitgehend friedlich - trotz Boykottaufrufen

Jetzt haben sich die Abtrünnigen in einer Kaserne in der Nähe des Flughafens bei der Hauptstadt Antananarivo verschanzt. Die Regierung und die Militärführung kündigten an, die Krise friedlich lösen und mit den Offizieren verhandeln zu wollen. "Wenn die Verhandlungen scheitern, wird die Regierung härtere Saiten aufziehen", sagte ein Armeevertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Es werde kein pauschales Vergeben von Seiten der Regierung geben. In Antananarivo war die Lage am Donnerstag ruhig: Geschäfte waren geöffnet, auf den Hauptstraßen staute sich der Verkehr und in der Stadt waren keine zusätzlichen Sicherheitskräfte im Einsatz.

In dem Inselstaat im Indischen Ozean war am Mittwoch über einen umstrittenen Verfassungsentwurf abgestimmt worden, durch den sich Übergangspräsident Andry Rajoelina seine Zukunft im Amt sichern könnte.

Verfassungs-Referendum verlief friedlich

Trotz des Putschversuches verlief auch die Abstimmung am Mittwoch ordnungsgemäß, wie die Wahlkommission mitteilte. Demnach stimmten rund 80 Prozent der Wähler für den Verfassungsentwurf. Die Abstimmung wurde jedoch von den drei größten Oppositionsbewegungen boykottiert. Mit dem Referendum sollte die seit mehr als eineinhalb Jahren anhaltende Staatskrise beendet werden. Der Verfassungsentwurf sieht vor, das Mindestalter für einen Präsidentschaftskandidaten von 40 auf 35 Jahre zu senken. Das würde dem 36-jährigen Rajoelina eine Kandidatur bei der für Mai geplanten Wahl eines neuen Staatschefs ermöglichen. Der Ex-Bürgermeister von Antananarivo hatte im März 2009 mit Hilfe der Armee den damaligen Präsidenten Marc Ravalomanana entmachtet und sich zum Übergangspräsidenten ausrufen lassen. Dabei war er noch von dem jetzt abtrünnigen General Rakotonandrasana unterstützt worden.

Autor: Dirk Bathe (dpa/ap/REUTERS)

Redaktion: Christine Harjes