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Fokus Osteuropa

Putsch in Moskau: Der Anfang vom Ende der Sowjetunion

Vor 15 Jahren wollten konservative Kommunisten mit einem Putsch die politischen Reformen in der Sowjetunion aufhalten. Der Versuch scheiterte vor allem am Widerstand der Bevölkerung. Ein Rückblick.

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Boris Jelzin auf einem gepanzerten Fahrzeug bei einer Rede an die Moskauer (19.8.1991)

Moskau, im August 1991. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Ein Umsturzversuch, Panzer in der Innenstadt. Tausende hatten sich vor dem Regierungssitz, dem "Weißen Haus", versammelt. Sie protestierten gegen die Machtübernahme durch ein so genanntes Notstandkomitee. Und sie machten deutlich, auf wessen Seite sie standen: "Jelzin, Jelzin!", riefen die Menschen in Sprechchören.

Hoffnungsträger Jelzin

Boris Jelzin, der erst im Juni 1991 gewählte Präsident der Sowjetrepublik Russland, war der Hoffnungsträger der Demonstranten. Auf einem Panzer stehend, erklärte er den Putschversuch für illegal und rief zum Widerstand auf. Tausende folgten seiner Aufforderung, selbst Teile der Armee liefen über. Der Putsch scheiterte. Nach drei Tagen kehrte der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, den die Putschisten auf der Krim isoliert hatten, nach Moskau zurück. Die Umstürzler, so erklärte er noch auf dem Flughafen, wollten "die Menschen mit ihren Parolen dazu bringen, einen Weg zu beschreiten, der unsere ganze Gesellschaft in die Katastrophe geführt hätte. Das ist aber misslungen, und das ist der größte Sieg der Perestroika."

Ende einer Weltmacht

Doch auch die Perestroika konnte nicht aufhalten, was dann geschah. Die Ereignisse überschlugen sich: die Kommunistische Partei wurde entmachtet, immer mehr Sowjetrepubliken erklärten sich für unabhängig. Zum Jahresende trat Michail Gorbatschow als Präsident der Sowjetunion ab. Die Sowjetunion zerfiel, von der ehemaligen Weltmacht blieb nur ein loser Staatenbund, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Ein neues Russland

Der deutsche Journalist Thomas Roth berichtete damals als Korrespondent aus Moskau für das deutsche Fernsehen. An die Ereignisse im August 1991 erinnert er sich auch heute noch lebhaft - und bilanziert: "Das war der Beginn des neuen Russlands, und von daher für uns alle, eben nicht nur für die damalige Sowjetunion, sondern für Russland und für ganz Europa eine völlig entscheidende und sehr unerwartete Wende."

Eine Wende, die geprägt war von starken Bildern: In der ganzen Welt verfolgten Menschen an den Fernsehgeräten, wie die Moskauer Barrikaden bauten, Frauen den Soldaten ins Gewissen redeten und unbewaffnete Jugendliche Panzern den Weg versperren wollten. Ein Aufbegehren der Bevölkerung, das heute so nicht denkbar wäre, meint der langjährige Russland-Korrespondent Thomas Roth: "Das kann ich mir jedenfalls heute, unter den gegebenen Verhältnissen, so nicht vorstellen. Es ist eher eine große Apathie - in der russischen Gesellschaft insbesondere. Man darf auch nicht vergessen, dass das, was wir in der Ukraine als ‚orange Revolution’ wahrgenommen haben - das war die Zeit damals in den August-Tagen 1991, das war sozusagen die ‚orange Revolution’."

Von Revolution wollten die Menschen in Russland heute nichts wissen, meint Thomas Roth. Vielmehr herrsche die Sehnsucht nach Stabilität unter der Führung eines starken Präsidenten: Wladimir Putin.

Britta Kleymann
DW-RADIO/Osteuropa, 17.8.2006, Fokus Ost-Südost

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