1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Putin nennt Sanktionen töricht

Kein Zeichen des Einlenkens beim russischen Präsidenten. In einem Interview kritisiert Putin die EU, die NATO und die USA. Alle seien seinem Land feindlich gesonnen.

Russlands Staatschef Wladimir Putin vermutet hinter den Sanktionen der EU und der USA gegen sein Land wegen des Ukraine-Konflikts ein geopolitisches Kalkül. "Die Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zurückdrängen", erklärte Putin in einem Gespräch mit der "Bild"-Zeitung.

Die Strafmaßnahmen seien töricht und schadeten beiden Seiten, betonte der Kremlchef. Russland habe dadurch Probleme, sich international Geld zu beschaffen. "Beim Agieren auf den internationalen Finanzmärkten schaden die Sanktionen Russland merklich." Insgesamt seien sie aber "absurdes Theater", sagte Putin der größten deutschen Boulevard-Zeitung in seiner südrussischen Residenz in Sotschi.

Niedriger Ölpreis "schadet"

Größerer Schaden entstehe Russland derzeit durch den Verfall der Energiepreise. "Beim Export von Öl und Gas haben wir gefährliche Einnahme-Einbußen zu verzeichnen, die wir an anderer Stelle zum Teil ausgleichen können", erläuterte der Kremlchef.

Derzeit werde Russlands Wirtschaft "Schritt um Schritt" stabilisiert, ergänzte der Präsident. Das Bruttoinlandsprodukt sei im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gesunken, die Industrieproduktion um 3,3 Prozent. Die Inflation liege bei 12,7 Prozent. "Die Handelsbilanz ist aber weiter positiv", betonte Putin. "Wir exportieren zum ersten Mal seit Jahren deutlich mehr Güter mit hoher Wertschöpfung, und wir haben über 300 Milliarden Dollar an Goldreserven."

Sanktionen im Ukraine-Konflikt

Die EU und die USA hatten Sanktionen gegen Russland mit der Begründung beschlossen, die Führung in Moskau unterstütze die Separatisten im Osten der Ukraine unter anderem mit Waffen in ihrem Aufstand gegen die gewählte Regierung in Kiew. Die Strafmaßnahmen wurden jüngst verlängert.

Putin teilte mit, dass er im Februar nicht zur Münchner Sicherheitskonferenz kommen werde. Zugleich erneuerte er die Vorwürfe, die er 2007 bei einer Rede in München erhoben hatte: Die NATO habe mit der Ausdehnung nach Osten gegen Absprachen verstoßen. "Die NATO und die USA wollten den vollen Sieg über die Sowjetunion", kritisierte der Präsident in dem "Bild"-Interview. Das Argument, dass Polen und andere ehemalige Ostblockstaaten in die NATO gewollt hätten, ließ Putin nicht gelten. Das westliche Bündnis hätte sie nicht aufnehmen sollen, sagte er.

Gleichzeitig rief der Kremlchef den Westen zur Kooperation auf: "Ja, wir sollten weltweit viel enger zusammen stehen im Kampf gegen den Terror, der eine große Herausforderung ist", sagte Putin.

Kritik an deutschen Medien

Den deutschen Medien warf der Staatschef anti-russische Propaganda vor. Trotzdem sei es ihnen aber nicht gelungen, die gegenseitige Sympathie der Deutschen und Russen zu beschädigen, erklärte er. Auch wenn der Westen mit Moskau "nicht immer und in jedem Punkt" einer Meinung sei, solle das niemand zum Vorwand nehmen, Russland zu einem Feind zu erklären.

Putin, Bundeskanzlerin Merkel und Hündin Koni 2007 in Sotschi (Foto: dpa)

Putin, Bundeskanzlerin Merkel und Hündin Koni 2007 in Sotschi

Merkel und Putins Hündin

Sein Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte der Präsident "professionell und offen". Zugleich bedauerte Putin ein Vorkommnis bei einem seiner ersten Treffen mit der Kanzlerin. Er habe Merkel bei ihrer Begegnung 2007 mit seinem Hund nicht erschrecken wollen. "Ich wollte ihr eine Freude machen." Von Merkels Abneigung gegen Hunde habe er nichts gewusst. "Als ich erfuhr, dass sie Hunde nicht mag, habe ich mich natürlich entschuldigt", teilte Putin mit.

Bei dem Treffen in Sotschi hatte Putin seinerzeit seine ungestüme Labrador-Hündin Koni ins Zimmer gelassen, die auch an der Kanzlerin schnüffelte. Merkel überspielte die Situation. Auf deutscher Seite wurde damals nicht ausgeschlossen, dass der Kremlchef die Kanzlerin absichtlich in Bedrängnis bringen wollte.

wl/SC (dpa, afp,rtr)