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Fokus Osteuropa

Putin lässt AKWs in Russland überprüfen

Die russische Regierung will ihre Pläne zum Ausbau der Kernenergie prüfen. Von einer Abkehr der bisherigen Atompolitik sei aber keine Rede, bedauern russische Umweltschützer. Greenpeace Russia fordert den Ausstieg.

Portrait von Wladimir Putin (Foto: AP)

Wladimir Putin gibt Behörden einen Monat Zeit

Als Reaktion auf die Atomkatastrophe in Japan will die russische Regierung ihre Pläne zum Ausbau der Kernenergie auf den Prüfstand stellen. Zudem soll die Sicherheit der russischen Kernkraftwerke überprüft werden. Das Energieministerium, die Nuklearbehörde und das Umweltministerium soll nun binnen eines Monats der Regierung eine Analyse des aktuellen Zustands des Atomsektors und der Pläne für die zukünftige Entwicklung vorlegen, ordnete Premier Wladimir Putin am Dienstag (15.03.2011) bei einem Regierungstreffen zur Energiesicherheit an.

Eine Frau demonstriert gegen den geplanten Bau eines AKW in Kaliningrad (Foto: RIA Novosti )

Proteste gegen ein geplantes AKW in Kaliningrad

Russland gehört zu den wichtigsten Atomenergie-Produzenten der Welt und baut auch im Ausland Kernkraftwerke. Insgesamt bestehen in Russland zehn AKWs mit 32 Reaktoren. Damit steht das Land zahlenmäßig weltweit an vierter Stelle hinter den USA, Frankreich und Japan.

Zwei russische AKWs erdbebengefährdet?

Keines der russischen Kernkraftwerke befinde sich in Erdbebengebieten und in solchen Regionen würde auch keines gebaut, versicherte der russische Premier vor dem Hintergrund der Katastrophe in Japan. Wladimir Kusnezow von der russischen Akademie der Wissenschaften sieht das aber anders. Seiner Meinung nach gibt es in Russland vier möglicherweise gefährliche Atomkraftwerke, von denen sich zwei, Balakowo und Rostow, in Erdbebengebieten befinden. Auch die Kraftwerke Kola und Nowoworonesch entsprächen nicht den internationalen Sicherheitsnormen.

Die Hälfte der 32 russischen Reaktoren gehören Kusnezow zufolge der ersten Generation an, elf seien vom Typ RBMK wie beim Unglücksreaktor von Tschernobyl in der Ukraine. Eine weitere Gefahr sei die Tatsache, dass es in Russland zu wenige Spezialisten gebe, die imstande seien, den technischen Zustand der Atomkraftwerke zu überwachen, sagte der Experte auf einer Pressekonferenz in Moskau. Er verwies darauf, dass viele Atomspezialisten auf der Suche nach guten Jobs das Land verlassen hätten. Außerdem kritisierte er die "ungezügelte Verlängerung" der Laufzeiten bei alten Reaktoren. So sei beispielsweise die Laufzeit des AKW Leningradskaja bei St. Petersburg bis zum Jahr 2025 ausgedehnt worden.

Umweltschützer fordern Politikwechsel

Russische Umweltschützer weisen darauf hin, die von Putin angeordnete Prüfung bestehender Pläne zum Ausbau der Kernenergie bedeute nicht, dass die Atomstrategie des Landes, die den Bau zahlreicher neuer Kernkraftwerke vorsehe, grundsätzlich neu überdacht werde.

Logo von Greenpeace

Greenpeace fordert Atom-Ausstieg Russlands

Iwan Blokow von Greenpeace Russia sieht dafür mehrere Gründe. Russland betrachte die Kernenergie als Element seines geopolitischen Einflusses. Beispielsweise plane Moskau den Bau neuer Atomkraftwerke in der Türkei und in Belarus. Solche Projekte seien Teil der Außenpolitik. Ferner gebe es in Russland eine mächtige Atomlobby. "Man kann sich gut vorstellen, welch starke Lobbyarbeit diejenigen leisten, die einfach ihren Job verlieren würden, wenn es keine Atomenergie mehr gäbe", sagte der Greenpeace-Vertreter der Deutschen Welle. An der Atomstrategie des Landes halten Blokow zufolge aber auch die Militärs fest. Es sei kein Geheimnis, dass vieles, was im Dienste des Militärs stehe, zunächst in der zivilen Atomenergie erprobt worden sei.

Blokow betonte, auch in einem modernen Atomkraftwerk könne es zu einer Katastrophe kommen. "Es stellt sich nicht die Frage, ob ein Unfall möglich ist, sondern es stellt sich die Frage, wann und wo er passiert und welche Folgen er haben wird." Deswegen fordere Greenpeace den Ausstieg Russlands aus der Atomenergie. Die bestehenden Kraftwerke müssten nach und nach stillgelegt werden. Neue dürften auf keinen Fall mehr gebaut werden, so der Umweltschützer.

Autoren: Jegor Winogradow, Markian Ostaptschuk (mit afp, rtr)
Redaktion: Bernd Johann

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