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Aktuell Welt

Putin geht die türkische Führung scharf an

Die türkische Führung unterstütze Terroristen und verdiene am Ölhandel des IS, wetterte Präsident Putin. Auch den Abschuss eines russischen Kampfjets an der syrischen Grenze werde Moskau niemals vergessen.

Die verbalen Spitzen zwischen Moskau und Ankara im Streit über den Abschuss eines russischen Militärflugzeugs werden immer schärfer. Das türkische Volk sei fleißig, aber das "Regime" in Ankara sei "verräterisch", sagte Präsident Wladimir Putin vor Abgeordneten, Ministern und Gouverneuren bei seiner jährlichen Rede an die Nation in Moskau. Die türkische Führung werde den Abschuss eines russischen Kampfjets noch bedauern. "Vielleicht weiß nur Allah, warum sie das gemacht haben. Allah beschloss, die regierende Clique in der Türkei zu bestrafen, und hat sie um den Verstand gebracht", wetterte Putin. "Lasst jene in der Türkei, die unseren Piloten in den Rücken geschossen haben, dies wissen."

Neu entdeckte Feindschaft

Putin beschuldigte die Türkei außerdem, zur Finanzierung der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) beizutragen, indem sie ihr Erdöl abkaufe. "Wir werden diese Komplizenschaft der Türkei mit Terroristen niemals vergessen." Das russische Verteidigungsministerium hatte am Mittwoch angebliche Belege für eine Verwicklung der Familie Erdogans in den Ölhandel mit IS vorgelegt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reagierte prompt. Er warf Russland "Verleumdung" vor und forderte, die Vorwürfe zu beweisen. Wenn Moskau dies gelinge, werde er zurücktreten, kündigte Erdogan an und legte noch eins drauf: Die Türkei habe Beweise, dass Russland in den Ölhandel des IS verwickelt sei. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sprach von Propaganda wie zu Sowjetzeiten. "Es gab in der Ära des Kalten Krieges eine sowjetische Propagandamaschine", sagte Davutoglu. Damals sei von "Prawda-Lügen" gesprochen worden, sagte er mit Blick auf die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Heute kehre Russland zu den sowjetischen Methoden zurück, doch niemand schenke den Lügen der Propagandamaschine Beachtung, sagte Davutoglu.

Der Abschuss des russischen Kampfbombers durch türkische Jagdflugzeuge an der türkisch-syrischen Grenze am 24. November führt seit Tagen zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Politikern beider Länder. Die Türkei versichert, das Flugzeug abgeschossen zu haben, weil es in türkischen Luftraum eingedrungen sei. Russland dagegen wirft Ankara vor, den Kampfjet über syrischem Territorium gezielt vom Himmel geholt zu haben, während er Angriffe auf Rebellengruppen flog.

In den vergangenen Tagen hatte sich Erdogan darum bemüht, das Verhältnis zu Moskau zu deeskalieren. Eine formelle Entschuldigung seinerseits für den Flugzeugabschuss blieb allerdings aus.

Hochrangiges Treffen geplant

Der russische Außenminister Sergej Lawrow will noch an diesem Donnerstag mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu zusammenkommen, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Das Gespräch solle am Rande eines Treffens der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der serbischen Hauptstadt Belgrad stattfinden. Es wäre das erste hochrangige bilaterale Treffen seit dem Kampfjet-Abschuss.

qu/stu (dpa, rtr, afp)