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Sport

Putin erhöht Druck auf Leichtathletikverband

Staatschef Wladimir Putin kämpft um die unter Doping-Generalverdacht stehende russische Leichtathletik. Am Freitag entscheidet der Weltverband IAAF über eine mögliche Suspendierung Russlands.

Wladimir Putin macht den Doping-Skandal in Russland zur

Chefsache.

Öffentlich reicht der mächtige Staatspräsident den Ermittlern die Hand, doch als Strippenzieher erhöht er im Hinterzimmer den Druck auf IAAF-Präsident Sebastian Coe. Einen Tag vor der Entscheidung über eine Suspendierung Russlands hat die IAAF völlig überraschend einen ihrer wichtigsten Geldgeber verloren. Die halbstaatliche russische Bank VTB wird ihren Sponsoren-Vertrag nicht verlängern. "Wir haben nicht die Absicht, ihn zu erneuern", sagte VTB-Vizepräsident Wassili Titow am Donnerstag. Die zweitgrößte Bank Russlands befindet sich zu 60,9 Prozent in Staatsbesitz - also entscheidet immer auch der Kreml mit. Aber mit dem drohenden Ausschluss Russlands aus der IAAF habe das alles natürlich nichts zu tun.

IAAF-Präsident Sebastian Coe im Porträt (Foto: EPA/WU HONG dpa Bildfunk)

Große Herausforderung für IAAF-Präsident Sebastian Coe

Doch die Warnung an Coe könnte vor der mit Spannung erwarteten Telefonkonferenz des IAAF-Councils am Freitag nicht klarer sein. Auch wenn Putin selbst im Spiel um die Macht moderate Töne anschlug. In seiner ersten offiziellen Stellungnahme zum Vorwurf des systematischen und staatlich geschützten

Doping-Betrugs

in der russischen Leichtathletik versprach der 63-Jährige Aufklärung. Das Dopingproblem existiere "nicht nur in Russland. Aber wenn unsere ausländischen Kollegen Fragen haben, ist es notwendig, dass keine offen bleiben", sagte Putin und kündigte die "offenste und professionellste Zusammenarbeit mit internationalen Anti-Doping-Behörden" an. Ein Ausschluss der russischen Leichtathleten von Olympia 2016 wäre auch für Putin, den leidenschaftlichen Sportler, eine beispiellose Blamage. "Wir müssen alles tun, um uns von diesem Problem zu befreien", sagte er.

Horror-Szenario Boykott

Einen Olympia-Boykott erwäge Russland trotzdem nicht, erklärte Sportminister Witaly Mutko. "Wir planen nicht, irgendetwas irgendwo zu boykottieren", wurde Mutko von der Tageszeitung "The Guardian" zitiert. Russlands Leichtathletik-Verband ARAF verschickte derweil einen Tag vor der Council-Entscheidung eine Stellungnahme an die IAAF, "um unsere Unschuld zu beweisen", wie Verbandsboss Wadim Selitschenok von R-Sports zitiert wurde.

IAAF-Vizepräsident Sergej Bubka bei einem Gespräch (Foto: picture-alliance/dpa/H. Punz)

Sergej Bubka weiß, wie sich ein Boykott "anfühlt"

Boykott - ein Horror-Szenario, das IAAF-Vize Sergej Bubka unbedingt verhindern will. Der Ukrainer durfte ja selbst nicht an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles teilnehmen, eine Erfahrung, die kein Sportler mehr machen dürfe. "Viele erfolgversprechende Athleten hatten nie die Chance, um olympische Medaillen zu kämpfen", sagte Bubka in einem Interview mit dem Weltverband der Sportjournalisten AIPS: "Wir haben die Verantwortung, saubere Athleten vor jeder Form des Massenausschlusses zu schützen. Wir dürfen sie nicht bestrafen."

Einfache Mehrheit reicht

Nun sind alle Augen auf Coe gerichtet: Wie entscheidet der Lord? Freitagabend gegen 19 Uhr MEZ wird der IAAF-Präsident seine 26 Kollegen im Council zur Krisensitzung per Telefonkonferenz begrüßen. Eine einfache Mehrheit im höchsten Gremium der Welt-Leichtathletik reicht, um die Frage aller Fragen zu beantworten. Sollen die russischen Leichtathleten angesichts des Doping-Skandals für die Olympischen Spiele 2016 gesperrt werden? "Es ist klar, dass ich unseren Sport wieder auf ein Niveau von Vertrauen und Glaubwürdigkeit bringen muss, das wir lange nicht mehr hatten", sagte Coe vor der Entscheidung. Nicht nur Putin wartet jetzt auf die Entscheidung.

ck/mak (sid)

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