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Krieg in Syrien

Putin befiehlt Evakuierung von Aleppo

In der syrischen Stadt wird der Rückzug der Rebellen vorbereitet. Gemeinsam mit ihren Familien sollen sie von russischen Soldaten aus Aleppo geleitet werden, heißt es aus Moskau.

Syrien Busse stehen bereit für die Evakuierung in Aleppo (Reuters/O. Sanadiki )

Busse stehen bereit für die Evakuierung in Aleppo

Die Evakuierungsaktion werde "auf Befehl von Russlands Präsident Wladimir Putin" von der russischen Stelle zur Überwachung der Waffenruhe in Zusammenarbeit mit den syrischen Behörden vorbereitetet, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Die syrischen Behörden garantierten die Sicherheit aller Rebellenkämpfer, die bereit seien, die Stadt zu verlassen. Zuvor hatte bereits ein syrischer Militärvertreter von einer neuen Einigung über einen Rückzug gesprochen.

In den vergangenen Tagen war es den syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands sowie schiitischer Milizen unter anderem aus dem Iran gelungen, den seit 2012 von den Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos fast vollständig zurückzuerobern. Dort sind aber noch immer zehntausende Menschen eingeschlossen. Eine erste Vereinbarung zum Abzug von Zivilisten und Aufständischen und eine Kampfpause, die am Dienstag verkündet worden waren, waren am Mittwoch gescheitert.

"Kann keine Rede sein"

Doch wollen auch die Rebellen heraus aus Aleppo? Und hält sich die syrische Führung an ein entsprechendes Abkommen? Der syrische Machthaber Baschar al-Assad ließ daran zuletzt Zweifel aufkommen. "Von einer Feuerpause kann keine Rede sein", sagte Assad noch gestern dem russischen Staatsfernsehen. Mit Milde könnten nur "Terroristen" rechnen, die sich ergeben oder den Kampfort verlassen würden. Die Kämpfe gingen weiter, bis "das ganze Land von Terroristen gesäubert" sei, sagte Assad. Die deutsch-syrische Organisation "Adopt a revolution" schrieb auf Facebook und Twitter: "Wenn du nur die Wahl hast getötet zu werden oder zu gehen, dann handelt es sich nicht um eine Evakuierung, sondern um Vertreibung." Auch Vertreibung sei ein Kriegsverbrechen, hieß es weiter.

Syrien Aleppo (Getty Images/AFP/G. Ourfalian)

Panzer in den Straßen der umkämpften syrischen Stadt

Zuvor hatten heftige Kämpfe und Luftangriffe viele Hoffnungen auf ein Überleben in Ost-Aleppo zunichtegemacht. Am Mittwoch wurden aus dem Stadtteil Schusswechsel und Bombeneinschläge gemeldet. Busse, die Verletzte und Zivilisten aus dem Kampfgebiet bringen sollten, wurden nicht genutzt, wie eine Reuters-Reporterin berichtete. Dabei war man zuletzt davon ausgegangen, dass die Rebellen - nach jahrelangen Kämpfen - ihren Widerstand in Aleppo aufgegeben hätten. Die Metropole soll sich nach russischen Angaben wieder vollständig unter Kontrolle des syrischen Militärs befinden. 

Die Vereinten Nationen erheben gegen die syrischen Regierungstruppen und deren Verbündete schwere Vorwürfe. Die Bombardierungen von Zivilisten seien wahrscheinlich Kriegsverbrechen, erklärte der Hochkommissar für Menschenrechte, Seid al-Hussein. Auch die Bundesregierung in Berlin fordert Syriens Alliierte Russland und Iran auf, für ein Ende des Leids zu sorgen.

Mit gepackten Taschen

Viele Menschen in Aleppo stehen nach Agenturberichten bei winterlichen Temperaturen mit ihren Habseligkeiten bereit. Sie fürchten nach monatelangem Bombardement Plünderungen und Gewalt syrischer Truppen. Zudem ist die medizinische Versorgung in der Stadt längst zusammengebrochen.

Video ansehen 08:13

"Politik des Hinnehmens ist erbärmlich"

Im Hintergrund sind die diplomatischen Drähte längst heißgelaufen. Der iranische Präsident Hassan Rohani sagte seinem syrischen Kollegen Assad zu, Syrien weiter zu unterstützen. "Iran bleibt auf Syriens Seite bis zum finalen Sturz der Terroristen", wurde Rohani nach einem Telefonat mit Assad zitiert. Die "Befreiung" Aleppos sei ein glorreicher Sieg des syrischen Widerstands gegen Terroristen und deren Anhänger gewesen. Nun sei es jedoch notwendig, sich auf humanitäre Hilfe für die Menschen in Syrien, besonders in Aleppo, zu fokussieren, erklärte Rohani. Von iranischer Seite sei der Rote Halbmond bereit, besonders mit Medikamenten und Lebensmitteln zu helfen.

Erdogan will helfen

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan telefonierte mit seinem russischen Kollegen Putin. Beide hätten dabei die Notwendigkeit unterstrichen, die vereinbarte Waffenruhe vollständig umzusetzen, meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Erdogan habe die Bereitschaft der Türkei erklärt, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um Flüchtlinge unterzubringen und mit Hilfe zu versorgen.

Frankreich Eiffelturm (Getty Images/AFP/P. Lopez)

Licht aus am Eiffelturm

Alles nur Worte? In der französischen Hauptstadt setzte man am Abend ein stilles Zeichen. Als Symbol der Solidarität mit den Menschen in Aleppo schaltete Paris die Beleuchtung des Eiffelturms ab. "Dieser symbolische Schritt zielt darauf ab, erneut ans Gewissen der internationalen Gemeinschaft zu appellieren, dass dringend gehandelt werden muss", teilte die Stadtverwaltung mit. Dunkle Zeiten - nicht nur für Aleppo.

rb/ml/kle (rtr, dpa, afp)

 

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