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Aktuell Europa

"Pussy Riot": Putin zeigt sich gnädig

Russlands Präsident Putin hat sich in den laufenden Strafprozess gegen die Band "Pussy Riot" eingeschaltet. Er sprach sich dafür aus, die drei angeklagten Punk-Musikerinnen nicht zu hart zu bestrafen.

Dem Protest der Künstlerinnen sei zwar nichts Gutes abzugewinnen, gleichwohl sei Milde angebracht, erklärte Putin in London. "Ich denke dennoch nicht, dass sie allzu hart dafür bestraft werden sollten", fügte er hinzu. Zugleich betonte der studierte Jurist Putin, dass es Aufgabe des Gerichts sei, ein Urteil zu fällen. "Ich hoffe, das Gericht wird zu einem richtigen, gut begründeten Urteil kommen."

Es war das erste Mal, dass der russische Präsident Stellung zu dem Verfahren bezog. Nach Gesprächen mit dem britischen Premierminister David Cameron sagte Putin, er hoffe, die drei angeklagten Frauen würden "ihre eigenen Schlüsse ziehen" und aus ihren Fehlern lernen. Ähnlich äußerte sich inzwischen die russisch-orthodoxe Kirche. Sie erklärte, über die Angelegenheit solle nicht länger gesprochen werden.

Sieben Jahre für "Rowdytum"?

Die Band, zu der noch weitere Frauen gehören, hatte im Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale mit einem "Protestgebet" gegen den damaligen Regierungschef Putin demonstriert, der vor seiner Wiederwahl zum Staatspräsidenten stand. Die Anklage wirft Maria Alechina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch "Rowdytum" aus religiösem Hass vor, wofür ihnen sieben Jahre Haft drohen. Der Prozess, der am Montag begann, wird international kritisiert und als politisch motiviert angesehen.

Der Anwalt der Künstlerinnen wertete die Äußerungen Putins als Konzession an den Westen. Er erwarte nun, dass die Staatsanwaltschaft ihre Position mildere.

Jekaterina Samuzewitsch, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa (Foto: AP)

Angeklagt: Jekaterina Samuzewitsch, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa (v.l.n.r.)

"Für einen Rechtsstaat unvertretbar"

Die Berliner Akademie der Künste forderte die umgehende Freilassung der "Pussy Riot"-Aktivistinnen. Die Akademie, der mehr als 400 internationale Künstlerinnen und Künstler angehören, sei "empört über die Unverhältnismäßigkeit der Länge der Inhaftierung und das angedrohte Strafmaß", erklärte ihr Präsident Klaus Staeck. Auch wenn "Pussy Riot" öffentlich habe provozieren wollen, seien "das Verfahren und die hohe Strafandrohung für einen Rechtsstaat unvertretbar". Die Aktion sei "eine friedliche, wenn auch scharfe Meinungsäußerung der Künstlerinnen gegen eine politische Entwicklung in ihrem Land" gewesen. Die Meinungsfreiheit gelte "auch für Ansichten, die den Staat oder Teile der Bevölkerung durch unkonventionelle Aktionen schockieren oder stören können", so Staeck.

wa/se (rtr, afp, dpa)

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