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Aktuell Europa

Pussy Riot hinter Plexiglas

Der Prozess gegen die drei Mitglieder der russischen Frauen-Punkband "Pussy Riot" hat begonnen. Die Musikerinnen plädieren auf nicht schuldig und fordern ein Ordnungsverfahren.

Der Prozess gegen die drei Frauen im Alter von 22 bis 29 Jahren wird im Moskauer Chamowniki-Gericht geführt, im gleichen Gerichtssaal, in dem einst das Verfahren gegen den Kreml-Kritiker und Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski lief. Zu Prozess-Anfang betonten die Musikerinnen von "Pussy Riot" ihre Unschuld. Gleichzeitig bezeichneten sie den umstrittenen Auftritt in der Christi-Erlöser-Kathedrale als "ethischen Fehler".

Die Angeklagte Nadeschda Tolonnikowa beharrte am ersten öffentlichen Verhandlungstag an diesem Montag darauf, dass sie kein strafrechtlich zu verfolgendes Verbrechen begangen hätten. Die Musikerinnen, die seit rund fünf Monaten in Untersuchungshaft sitzen und den Verhandlungstag hinter einer Plexiglas-Scheibe verfolgten, fordern daher statt eines Strafverfahrens ein Ordnungsverfahren.

"Gotteslästerliches Rowdytum"

Video ansehen 01:22

"Pussy Riot" in Moskau vor Gericht

Die Vorsitzende Richterin betonte in der Anklageschrift, die Musikerinnen hätten mit ihrem skandalösen Auftritt am 21. Februar 2012 vor dem Altar der Christi-Erlöser-Kathedrale "den Gläubigen tiefe geistige Wunden zugefügt" und "die Vorstellungen von der Gerechtigkeit ins Wanken gebracht". Den drei jungen Frauen wird "gotteslästerliches Rowdytum" vorgeworfen. Ihnen droht eine Haft von bis zu sieben Jahren. Bereits in der vergangenen Woche war die Untersuchungshaft bis Anfang Januar 2013 verlängert.

Tolonnikowa sagte, der maskierte Auftritt mit wilden Tänzen und Gebeten an die Gottesmutter, sie möge "Russland von Putin befreien", sei ein rein politischer Akt gewesen. Auf keinen Fall hätten sie das Ziel gehabt, die Gefühle der Gläubigen zu verletzen. Deshalb seien sie auch außerhalb eines Gottesdienstes in die orthodoxe Hauptkirche Russlands gegangen.

Drahtzieher "Putin und der Kreml"

Nach Verlesung der Anklageschrift wurde die Liveübertragung der Verhandlung unterbrochen. Die Zeugenbefragungen und die Erörterung der Beweismittel gingen ohne laufende Kameras und Fotoaufnahmen weiter. Zuvor hatte das Gericht die Anträge der Verteidigung der drei Frauen auf die Befragung von Zeugen und eine Neuaufnahme der Ermittlungen abgelehnt. Die Verteidiger nannten den Prozess "eine Schande" und ein "Auftragsmachwerk". Die Drahtzieher seien "Putin und der Kreml".

pg/ml (epd, dpa)

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