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Aktuell Europa

Pussy-Riot-Aktivistin Tolokonnikowa hinter Gittern

Nadeschda Tolokonnikowa von der regierungskritischen russischen Band Pussy Riot ist nach einer Protestaktion in Moskau festgenommen worden. Anlass: eine Verkleidung und etwas Nähzeug an prominenter Stelle.

Nadeschda Tolokonnikowa während eines Prozesses im Juli 2013 (Foto: dpa)

Nadeschda Tolokonnikowa während eines Prozesses im Juli 2013

Bei einer Protestaktion zum russischen Nationalfeiertag ist die Kremlkritikerin Nadeschda Tolokonnikowa von der Punkband Pussy Riot vorübergehend festgenommen worden. "Ich sitze in einem Polizeiauto", sagte Tolokonnikowa im oppositionellen Radiosender Moskauer Echo, nachdem sie im Zentrum der russischen Hauptstadt für eine Verbesserung der Haftbedingungen von Frauen in dem Land demonstriert hatte. Mit ihr sei noch "eine weitere Person" festgenommen worden, sagte Tolokonnikowa, die im sozialen Netzwerk Facebook Fotos ihrer Festnahme veröffentlichte.

Sie und ihre Mitstreiterin Katrin Nenaschewa waren in Häftlingsuniformen auf den Bolotnaja-Platz im Zentrum Moskaus gegangen und hatten dort demonstrativ eine russische Flagge zusammengenäht, wie Tolokonnikowa im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Nach wenigen Minuten seien die beiden festgenommen und an Armen und Beinen von Polizisten fortgetragen worden, berichteten örtliche Medien.

Auf dem Platz war es 2012 zu Protesten gegen eine dritte Amtszeit von Präsident Wladimir Putin gekommen, die von heftigen Ausschreitung begleitet wurden. Tolokonnikowa wurde eigenen Angaben zufolge wegen einer "unerlaubten Demonstration" festgenommen. Sie sagte, mit der Aktion habe sie Aufmerksamkeit für das Schicksal weiblicher Häftlinge in Russland erregen wollen. Russland feiert am 12. Juni den Tag der Unabhängigkeitserklärung, der sich in diesem Jahr zum 25. Mal jährt.

Die Strafkolonie Nummer 14, in der Tolokonnikowa inhaftiert war (Foto: DW)

Die Strafkolonie Nummer 14, in der Tolokonnikowa inhaftiert war

Anfang 2012 war die heute 25-Jährige zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern von Pussy Riot schon einmal festgenommen worden. In einer Kirche hatten sie ein "Punk-Gebet" abgehalten, in dem sie Putin offen kritisierten. Wegen "Rowdytums" und "Aufwiegelung zu religiösem Hass" wurden die Frauen zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, kamen jedoch 2013 nach einer Begnadigung durch Putin vorzeitig frei.

Tolokonnikowa saß den Großteil ihrer Haftstrafe in einer Strafkolonie für Frauen in der Region Mordowien ab. Wegen der von ihr als "Sklaverei" beschriebenen Haftbedingungen trat sie dort mehrfach in den Hungerstreik.

stu/wl (afp, dpa)

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