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Politik

Punktabzug für die Weltmacht

McDonald’s, Hollywood-Filme und freier Markt – der American Way of Life breitet sich in der Welt aus. Aber nicht alle wollen ihn haben. Auch politisch verlieren die USA an Rückhalt, vor allem in Sachen Irak-Krieg.

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Verstimmung über Burger und Popkultur-Exporte

"Die Menschen haben das Gefühl, dass die US-Regierung Grenzen überschreitet", sagt Hartmut Keil, Professor für amerikanische Kulturgeschichte an der Universität Leipzig, im Gespräch mit DW-WORLD. "Die USA erwecken den Eindruck, dass manche Normen für sie nicht gelten – wie der Internationale Gerichtshof oder das Kyoto-Protokoll." Deshalb bescheinigten viele Länder den USA eine gewisse Arroganz der Macht. "Die Rechte des Einzelnen zum Beispiel werden beim Kampf gegen den Terror nicht mehr so genau genommen. Da werden Taliban-Kämpfer ohne Beweise festgehalten und dergleichen", erklärt Hartmut Keil. Dass die USA "ihren unglaublichen Machtzuwachs" nun auch ausnutzten und "so sehr hegemonial denken", sähen viele andere Staaten gar nicht gern.

Auch enge Freunde werden zurückhaltender

Diesen Trend bestätigt eine Umfrage des Pew Research Center in Washington zusammen mit der International Herald Tribune. Befragt wurden mehr als 38.000 Menschen in 44 Ländern. Demnach sind es nur vier Staaten, in denen das Verständnis für die USA zunimmt: Russland, Usbekistan, die Ukraine und Nigeria. Ansonsten neigt sich die Stimmung mehr und mehr gegen die USA.

Sogar bei engen Verbündeten wie Großbritannien, Kanada, Italien und Deutschland regt sich Unmut. Dort sind die Wertungen letztlich aber immer noch positiv. In der muslimischen Welt dagegen haben die USA ihr Ansehen so ziemlich verspielt. Nur zehn Prozent der Pakistanis haben laut Studie eine gute Meinung von der Supermacht. Und in Jordanien und Ägypten finden 80 Prozent die US-Politik unannehmbar.

China lässt Fragen streichen

Dass die Zustimmung bröckelt, liegt nicht nur an einem möglicherweise bevorstehenden und umstrittenen Krieg gegen den Irak; den lehnt die Mehrheit in allen Ländern ab. Viele Staaten fühlen sich von den USA in der Außenpolitik übergangen – besonders Frankreich (76 Prozent) und Großbritannien (52 Prozent). Andere Befragte stört die wirtschaftliche Macht amerikanischer Firmen oder die "Amerikanisierung" in Form von Burger-Ketten und amerikanischem Demokratie-Verständnis. "Die Amerikaner wollen Vorbild sein. Dieser Gedanke ist alt," sagt Prof. Keil. Alt, aber aktuell: 79 Prozent der Amerikaner halten es für richtig, ihre Kultur zu verbreiten. Wie die Chinesen amerikanische Ideen und Werte sehen, fand Pew allerdings nicht heraus: In der Volksrepublik wurden diese Fragen nicht genehmigt.

Image-Schaden im Nahen Osten

Erstaunlicherweise tragen fast alle Befragten den von den USA ausgerufenen Kampf gegen den Terrorimus mit – ausgenommen die Nahost-Staaten, was den USA noch ordentlich Schwierigkeiten machen könnte. Vor allem in einem möglichen Irak-Krieg, den der US-Präsident mit der Terror-Bekämpfung rechtfertigt.

Kulturwissenschaftler Keil kann die Kritik verstehen: "Niemand glaubt der Bush-Regierung, dass der Irak-Krieg sich in den Anti-Terror-Kampf einfügt, sondern dass da andere Interessen mit im Spiel sind" - zum Beispiel Öl oder Bushs Wiederwahl in zwei Jahren.

In einer Hinsicht sind die Amerikaner übrigens tatsächlich Vorbild. Außer Russland bewundert jeder ihren wissenschaftlichen Fortschritt, sogar Pakistan.

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