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Sprachbar

Punkt

Der Punkt ist ein Objekt ohne jede Ausdehnung im Raum. Aber auf die Größe kommt es ja bekanntlich nicht an. "Klein, aber oho" bringt er die Sprache nicht nur Punkt für Punkt voran, sondern auch zum Abschluss.

Es gibt den Strichpunkt, den Doppelpunkt, den Drei-Punkt-Gurt, und vor jeder Wahl hat jede Partei ein 10-Punkte-Programm. Mindestens! Der Punkt ist vielseitig einsetzbar. Er ist der Anfangs- und Endpunkt einer Linie und jede beliebige Stelle darauf. Der Punkt ist nie groß, aber das Wörtchen "Punkt" ist in seiner Bedeutungsvielfalt kaum zu überblicken. Das ist mein Standpunkt. Und nicht nur meiner. "Gebt mir einen Punkt, wo ich hintreten kann, und ich bewege die Erde", so rief bereits vor 2000 Jahren der Mathematiker Archimedes aus.

Große Wirkung, der Kleine

Kleine Ursache, große Wirkung – das passt zum Punkt. Im bebrüteten Hühnerei konnte die Wissenschaft das, was einmal Herz werden sollte, als hüpfenden Punkt erkennen. Man sprach von dieser Stelle als dem "Punkt, von dem das Leben ausgeht". Aus diesem "hüpfenden" Punkt wurde der "springende", manchmal auch schlicht "der Punkt". Egal wie: Er ist entscheidend, von größter Wichtigkeit, wenn er springt, der Punkt.

Der Punkt ist klein, aber oho – im Guten wie im Schlechten. Ein dunkler Punkt auf einer weißen Weste genügt und ein auf den ersten Blick guter Eindruck ist getrübt. Wird so ein Punkt aus der Vergangenheit ruchbar und ist dieser Punkt sehr dunkel, spricht man auch von einem Schandfleck. Der Fleck ist auch ein Punkt. Wie der Punkt hat auch er seine positive Seite. Wer das Herz auf dem rechten Fleck hat, ist ein herzensguter Mensch; und wenn zwei das voneinander meinen, dann werden sie einander womöglich heiraten, irgendwann oder vom Fleck weg, unverzüglich. Auf der Stelle.

Punktverlust

Anfang 2000: die Börsengeschäfte kommen nicht vom Fleck, gehen nicht mehr voran. Und es wird schlimmer: Der Aktienmarkt bricht ein, viele Aktien fallen um mehr als 90 Prozentpunkte. Man sprach damals vom Zerplatzen der "Dotcom –Blase". "Dotcom" steht für die Unternehmen, die vor allem durch das Internet kurzzeitig groß wurden. "Dot" ist englisch und heißt "Punkt".

Gleichfalls aus dem Englischen: der Spot. Auch er heißt "Punkt", "Fleck" und bezeichnet im Marketing einen kurzen Werbefilm. Spot bedeutet auch "die Ausleuchtung eines begrenzten Lichtpunkts", neuerdings gibt es "Hot-Spots" und – Moment.

Streusand und Tüpfelchen

Ohne Punkt und Komma reden – auch wer’s kann, sollte es sein lassen. Und wenn er dabei auch noch jammert, dann heißt es bald: "Nun mach' aber mal 'nen Punkt!" Früher hieß es dann gerne "Punktum, Streusand drauf!". Mit Streusand löschte man nach Fertigstellung eines Schriftstückes die Tinte ab. Damit galt die Sache als abgeschlossen.

Früher war alles – anders. Das lateinische "pungere" bezeichnete zunächst das Stechen einer kleineren Öffnung. Von dort leitete sich die Punktierkunst her. Sie ist, so lehrt der "Krünitz", ein 200 Jahre altes Ökonomie-Lexikon, "die Kunst, gewisse Puncte zu diesem oder jenem Behufe zu machen" und dies mit spitzer Feder oder feinem Pinsel. Da spricht der "Krünitz" auch vom "Tüpflein". Das ist ein sehr kleiner Punkt. Der Punkt über dem "i" ist auch ein sehr kleiner Punkt, ein Tüpfelchen nur – aber wichtig wie einst der Streusand. Erst das Tüpfelchen auf dem "i" bringt eine Sache zum Abschluss.

Auf den Punkt

"Du hast nur 56 von 100 Punkten erreicht." Wer z.B. nach einer schriftlichen Prüfung wenig Wertungspunkte erzielt, der wird sich Vorwürfe machen. Woran lag’s, dass er nicht "auf den Punkt" und pünktlich fit war? War es Dummheit, nicht zu wissen, wie man eine Strecke von Punkt A nach Punkt B errechnet? Oder fehlte die Konzentration?

Manchmal kommt man ja mit einer Sache nicht weiter. Man ist auf dem "toten Punkt". Diese Wendung kam im 19. Jahrhundert auf und stammt aus der Techniksprache: Auf dem "toten Punkt" befindet sich eine Dampfmaschine, wenn Kurbel und Pleuelstange eine gerade Linie bilden.

Punkt für Punkt

Schritt für Schritt kommen wir dem Ende näher, arbeiten uns Punkt für Punkt voran. Wir sollten nicht auf den Punkt herabblicken, von ihm aber kann man gut herabblicken – vorausgesetzt er ist ein Aussichtspunkt. Der Punkt ist vielseitig, er kann zu sich selbst sogar wie ein Kontrapunkt sein: Hinter einem abgekürzten Wort ist der Punkt ein Verkürzungszeichen, hinter einer Musiknote ein Verlängerungszeichen. In jedem Fall ist der Punkt ein deutliches Zeichen. Wer es setzt, ist am Ende. Punkt.

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