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Musik

Punk und Mythos: Iggy Pop ist 70

Iggy Pops Leben beschreiben: Keine gute Idee. Der Mann ist Ikone und Mythos, knallharte Realität und Poesie. Wer ihn live auf der Bühne gesehen hat, weiß, wie purer Rock'n'Roll aussieht. Auch wenn Iggy jetzt 70 ist.

James Osterberg, geboren am 21. April 1947 in Michigan in den USA, wächst zwar in einer Caravan-Siedlung in der Nähe von Detroit auf, doch seine Eltern sind Akademiker und halten große Stücke auf ihren gebildeten Sprössling. 

Doch dann verläuft Jims Leben doch anders. Er will Rockmusiker werden, steigt mit 15 als Schlagzeuger in der Band "The Iguanas" ein. Später spielt er in einer Bluesband. Er sammelt fleißig musikalische Erfahrungen und guckt sich andere Bands an. Ein Konzert von den "Doors" ist für ihn wie eine Initiation.

Jim Morrison und The Doors (picture-alliance/dpa/M. Rehm)

Jim Morrison war sein Vorbild

Jim Morrison legt betrunken einen unterirdischen Auftritt hin, das Konzert bricht ab, das Publikum ist sauer - nur Jim Osterberg nicht.

Schluss mit Lustig

1967 gründet er seine erste Band "The Psychodelic Stooges" und nennt sich von nun an Iggy Pop. Jetzt ist Schluss mit Bravsein: Er tritt mit nacktem Oberkörper auf, malträtiert eine elektrisch verstärkte Ukulele und perfektioniert Jim Morrisons provokanten Stil. Die Band klingt roh und ungehobelt, wirkt wie außer Rand und Band; das Publikum mag das. Mit dem ersten Plattenvertrag nennt sich die Band nur noch "The Stooges". John Cale ("The Velvet Underground") produziert das Debütalbum "Stooges" - damit erreichen die Jungs einen größeren Bekanntheitsgrad. Die drohende Kommerzialisierung und der Druck der Plattenfirma lässt die Band nach drei Alben 1973 schließlich auseinanderbrechen. 

Iggy Pop (picture-alliance/KEYSTONE/A. Meier)

Lieblingsrolle: der durchgeknallte Musikkünstler

Iggy Pop ist heroinabhängig und lässt sich freiwillig für kurze Zeit in die Psychiatrie einweisen. Wenn er einigermaßen klar im Kopf ist, gibt er Konzerte, spielt als Studiomusiker bei Plattenaufnahmen mit und baut sein Image als durchgeknallter Rock'n'Roller und exzellenter Life-Performer weiter auf. Mitte der 70er dreht er völlig durch, isst nichts mehr, hält sich mit chemischen Substanzen wach und beginnt damit, sich auf der Bühne selbst zu verletzen. Er rammt sich das Mikrofon in den Mund und bricht sich so Zähne heraus, er fällt beim Stagediven auf den Boden und schneidet sich mit Scherben in die Haut.

Die Rettung

1976 nimmt ihn David Bowie mit nach Berlin. Bowie bringt ihn wieder auf die Spur und produziert mit ihm seine zwei ersten Soloplatten mit den beiden größten Hits "Lust for Life" und "The Passenger". Dem Song "China Girl" verhilft David Bowie Jahre später zu einem Welthit.

Iggy hört auf, wie ein Berserker Pillen zu schlucken, zelebriert aber weiterhin sein Leben als exzentrischer Rockstar. So tut er sich in den kommenden Jahren mit den verschiedensten Musikern zusammen und produziert Platte um Platte. 2003 kommt seine alte Band "The Stooges" wieder zusammen und wird 2010 in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen. 

Iggy Pop (picture-alliance/United Archives)

Iggy Pop im Thriller "The Crow - Die Rache der Krähe" (1996)

Nebenbei schauspielert er, wirkt unter anderem in Jim Jarmusch-Filmen mit, spricht Rollen in Hörspielen und komponiert Titelsongs für Filme. 

2016 - nach dem Tod seines Freundes und Mentors David Bowie - erscheint Iggy Pops Album "Post Pop Depression". Ob er dort den Tod Bowies verarbeitet? Zumindest verneigt er sich tief vor ihm - das Album klingt mehr nach David Bowie als Bowie selber in seinem Spätwerk. In "German Days" lässt er die gemeinsame Berliner Zeit noch einmal aufleben. 

Auf der Bühne ist er bis heute die Figur, die er in den späten 1960ern erschaffen hat und gehört zu den Ikonen des Punk und New Wave.

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