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Kultur

Pulverblut stößt auf Skepsis

Schwedische Ärzte testen zurzeit künstliches Blut, das aus Pulver hergestellt wird. Während die Wissenschaftler das neue Präparat loben, bezweifeln andere Mediziner die Praxistauglichkeit des Blutersatzes.

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Gibt es Blutkonserven bald auch in Pulverform?

"Das alles klingt wie ein wunderbares Märchen", sagt Professor Dietrich Paravicini von der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in NRW, "es gibt zwar immer wieder hoffnungsvolle Ansätze für Blutersatz, aber diese Hoffnungen sind in den vergangenen Jahren schon nach kurzer Zeit gedämpft worden." Dass sich ein Notarzt am Unfallort das benötigte Blut aus Pulver und Flüssigkeit in der gewünschten Menge zusammenrührt, kann sich der Anästhesist bislang noch nicht vorstellen.

Dabei klingt die Idee Erfolg versprechend: Während herkömmliche Blutspenden höchstens 42 Tage haltbar sind, könne das Kunstblut mit der Bezeichnung Hemospan mehrere Jahre lang aufbewahrt werden, so der kalifornische Hersteller Sangart. Außerdem könne man das Kunstblut sogar unabhängig von der Blutgruppe verabreichen. Langwierige Tests, die im Notfall mitunter wertvolle Zeit kosten, würden demnach entfallen.

Rote Blutkörperchen

Bei Hemospan handelt es sich um ein Pulver, das in einem besonderen Verfahren aus den roten Blutkörperchen von Spendern gewonnen wird. Das Präparat soll im Notfall die ausreichende Sauerstoffversorgung im Blutkreislauf sicherstellen.

Dennoch gibt es gerade hier ein großes Manko: Schon nach 48 Stunden kann das Kunstblut nämlich nur noch 50 Prozent des verfügbaren Sauerstoffs transportieren. Echtes Blut unterliegt diesen Einschränkungen nicht. Für die Langzeitversorgung eignet sich das Blutpulver daher nicht.

Bislang wurden acht Patienten mit jeweils bis zu 0,4 Liter Kunstblut versorgt. Bis zum Jahresende sollen es 30 Probanden sein. Bisher habe man bei den Patienten keine Nebenwirkungen feststellen können, berichten die am Test beteiligten Ärzte. Professor Paravicini bleibt jedoch skeptisch: "In ähnlichen Versuchen mit anderen Präparaten litten die Patienten früher oder später unter Nierenschäden. Es muss daher noch abgewartet werden, wie die Ergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt aussehen."

"Geradezu homöopathisch"

Unabhängig davon sei die verabreichte Blutmenge von 0,4 Litern "geradezu homöopathisch". Diese geringe Menge sei nicht besonders aussagekräftig und Blutverluste bis zu drei Litern ließen sich schon jetzt problemlos durch wässrige Lösungen oder Plasma ersetzen. Das gehöre längst zur täglichen Arbeit, so der Anästhesist.

Sollte sich das Kunstblut in Zukunft tatsächlich als Wundermittel erweisen, wäre dies allerdings eine große Entlastung für die Blutspendedienste. Friedrich-Ernst Düppe vom Deutschen Roten Kreuz: "Wir könnten das Blut aus der Akutversorgung herausnehmen und für andere Zwecke verwenden. Bei der Blutversorgung geht es schließlich nicht nur um Situationen, in denen unmittelbar reagiert werden muss. Wir nutzen die Blutspenden zum Beispiel auch für die Krebstherapie oder für den Plasma-Austausch bei Patienten mit Eiweißstoffmangel."

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