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Musik

Pultstars von morgen bei Kurt Masur

Man trifft sich in Bonn: Junge Dirigenten aus aller Welt sind zum Meisterkurs mit Kurt Masur gekommen. Sie erarbeiten zusammen mit dem Beethoven Orchester Werke von Ludwig van Beethoven. Wie erlebt Kurt Masur die Arbeit?

Kurt Masur Foto: Thomas Schulze/ dpa -

Kurt Masur

Quellenstudium, Workshops, öffentliche Proben, Konzerte - die zwölf Teilnehmer am Meisterkurs bei Kurt Masur haben ein intensives Arbeitspensum zu absolvieren. Das ist anstrengend, aber auch spannend - nicht nur für die jungen Dirigenten, sondern auch für den Maestro selbst. DW-WORLD.de hat mit Kurt Masur gesprochen.

DW-World.de: Herr Masur, bei dem Workshop haben Sie Studenten aus ganz verschiedenen Kulturkreisen; zeigt sich das auch in der Vorbereitung?

Kurt Masur: Natürlich, die Unterschiede liegen nicht nur in der Vorbereitung. Es sind auch Unterschiede stilistischer Art. Wer zum Beispiel aus dem Bereich der spanisch sprechenden Musikwelt kommt, hat eine ganz andere Einstellung zur Artikulation, zur Art und Weise des Spiels. Er wird vieles neu einstellen müssen, wenn er verstehen will, wie Beethovens Stil sich in der Interpretation in Europa gefestigt hat. Aber es ist eine sehr schöne Aufgabe. Heute sind Konzertreisen mit einem Orchester selbstverständlich. Dadurch kommt man auch in Gegenden, wo Beethoven ganz anders gespielt wird und auch anders verstanden wird als in Europa. Ich habe gelernt, dass die Relativität der Ergebnisse oftmals genau dem entspricht, was die Menschen in dieser Region erwarten; Dirigenten müssen versuchen, sich nicht in einer Burg zu verschanzen, wo sie sagen können, ich weiß das besser als alle anderen, sondern sie müssen einfach spüren lernen, wie ein Publikum etwas versteht oder nicht versteht.

Sie haben sehr viele Erfahrungen in Ihrem Dirigentenleben gemacht, die Sie jetzt weitergeben. Was ist für Sie das Wichtigste, was Sie jungen Dirigenten vermitteln wollen?

Die Verantwortung, die sie haben. Bei Beethoven ist der Erfolg der Musik fast nie in Gefahr, aber es gibt andere Komponisten, bei denen man das, was man bei Beethoven gelernt hat, anwenden kann. Beethoven ist die beste Schule, die man haben kann, weil er eigentlich alles fordert: Artikulation, dynamische Feinheiten, die überraschenden sforzati usw. Beethoven ist der Ursprung der sinfonischen Musik überhaupt, und wenn wir Schostakowitsch betrachten oder Prokofjew und die Musik der heutigen Zeit, da ist eine Schulung an Beethoven gefragt, immer noch.

Wie erleben Sie denn die jungen Dirigenten, die Persönlichkeiten, wie weit sind die denn schon ausgebildet?

Die meisten, die wir ausgewählt haben, sind schon sehr gut ausgebildet. Es haben sich über 100 Bewerber gemeldet, die gerne teilnehmen wollten, und wir konnten daraus 12 auswählen. Das ist dann natürlich eine sehr starke Auswahl, das sind ja auch meist schon Dirigenten, die ein Orchester haben, schon viel Praxis haben und dann einfach weiter wollen, und damit hat man schon quasi eine Elite von jungen Begabungen in der Hand, mit denen man auch in den paar Tagen bereits neue Wege zeigen kann. Und man kann ihnen sagen, wie sie an sich selber weiter arbeiten können, das ist eigentlich die Grundidee überhaupt.

Wenn die jungen Dirigenten jetzt vor einem großen bekannten Orchester stehen, geben Sie ihnen auch mit, dass sie sich durchsetzen müssen?

Ja, aber ich mache es nur in der Form, dass ich sage, wenn du überzeugst, wird das Orchester dir folgen. Da musst du nicht autoritär sein, du musst nicht glauben, dass du mehr bist als jeder andere Musiker, sondern es ist umgekehrt. Wenn ihr gemeinsam etwas wollt und wenn du so überzeugend bist und so inspirierend, dass sie gar nicht anders können, als mit dir zu spielen, dann hast du gewonnen, das ist der einzige Weg.

Das Gespräch führte Klaus Gehrke

Redaktion: Gudrun Stegen

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