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Sport

Psychokrimi am Col du Tourmalet

Im Nebel des mystischen Pyrenäen-Riesen suchte Andy Schleck die Entscheidung im Kampf um das Gelbe Trikot. Doch Alberto Contador hielt sein Hinterrad und hat nun die besseren Chancen auf den Toursieg.

Schleck (r.) jubelt neben Contador

Contador überließ Schleck den prestigeträchtigen Sieg

Es war kein Versprechen, sondern eine Kampfansage: Andy Schleck hatte vor der 17. Etappe eine Attacke am Col du Tourmalet angekündigt und ließ Taten folgen. Bereits zehn Kilometer vor dem Ziel trat der Luxemburger in einem Steilstück unwiderstehlich an und sprengte das komplette Feld. Nur einer konnte seiner Tempoverschärfung folgen: sein großer Gegner Alberto Contador.

Tiefer Blick in die Augen des Gegners

Für das Tempo sorgte diesmal fast nur Andy Schleck, Alberto Contador klebte aber an seinem Hinterrad förmlich fest. Während dahinter die weiteren Podiumskandidaten Meter um Meter auf das Spitzenduo verloren, knisterte es im Nebel des Tourmalet vor Spannung: Immer wieder blickte Schleck seinem spanischen Gegner in die Augen, versuchte dort ein Anzeichen von Schwäche zu finden. Dann schoss plötzlich Contador vorbei, attackierte im für ihn typischen Stakkatotritt. Doch Schleck parierte souverän und zeigte Contador anschließend mit einem konzentrierten Blick seinen Willen, sich nicht abhängen zu lassen.

Andy Schleck und Alberto Contador (r.) (Foto: AP)

Schleck und Contador fahren einträchtig über die Ziellinie und haben sich offensichtlich versöhnt

Auf den letzten Kilometern schien Schleck sich dann damit abgefunden zu haben, seinen Gegner nicht abschütteln zu können. Contador überließ dem luxemburgischen Klettertalent den Tagessieg, ehe sich beide anerkennend auf die Schulter klopften – ein Duell auf Augenhöhe und mit viel Respekt vor dem anderen. Der Spanier führt weiter mit nur acht Sekunden vor Schleck, dem die meisten Experten allerdings nicht mehr zutrauen, dass er das Blatt im Zeitfahren auf der vorletzten Etappe noch einmal wenden kann.

Menchov hat die besten Chancen auf Platz drei

Joaquin Rodriguez, ein ehemaliger Edel-Helfer des inzwischen gesperrten Alejandro Valverde, konnte sich von den Verfolgern absetzen und sicherte sich Rang drei. Der gestürzte Sanchez kam nur kurz danach ins Ziel und liegt nun weiter auf Rang drei 21 Sekunden vor dem Russen Denis Menchov, der allerdings als der bessere Zeitfahrer gilt.

Früh hatte sich eine siebenköpfige Gruppe vom Hauptfeld abgesetzt – erneut ohne einen Fahrer der deutschen Milram-Mannschaft. Dafür versuchte es der 1,89 Meter große Marcus Burghardt auf dieser schweren Pyrenäen-Etappe mit einem Ausreißversuch. Dahinter machte sich später auch noch der Toursieger von 2008, Carlos Sastre, auf die Verfolgung der Spitzenreiter. Doch alleine mühte sich der Spanier vergeblich, weil die Gruppe gut zusammenarbeitete und den starken Bergfahrer Sastre auf Distanz halten konnte.

Achtung: Schafsherde!

Im Peloton gab es derweil eine Schrecksekunde für den noch aussichtsreich liegenden Olympiasieger Samuel Sanchez, der auf regennasser Fahrbahn stürzte und minutenlang auf dem Asphalt liegen blieb. Doch Sanchez konnte weiterfahren und im Gegensatz zur Panne von Andy Schleck auf der 15. Etappe bremste Contador diesmal das Feld für seinen Landsmann Sanchez aus.

Nebel über dem Fahrerfeld in den Pyrenäen (Foto: AP)

Nebel waberte über die Gipfel der Pyrenäen, doch Contador behielt zu jeder Zeit den Überblick

Am Col du Soulor fiel die Temperatur auf acht Grad Celsius und Nebel erschwerte den Fahrern die Sicht. Noch gefährlicher wurde es dann plötzlich in einer Rechtskurve: Vom Hang kommend lief eine Schafsherde durch das Peloton – zum Glück für Fahrer und Tiere ohne einen Zusammenstoß. Marcus Burghardt, der zuvor am ersten Berg Col de Marie-Blanque leichte Probleme hatte, überquerte die Passhöhe des Soulor als Erster. Eine Erfahrung, die Burghardt als "sehr schmerzvoll" beschrieb, aber er sprach auch von "einer geilen Atmosphäre" am Berg.

Milram-Fahrer mussten erneut reißen lassen

Im Tal vor dem finalen Anstieg zum Tourmalet bereiteten die Helfer ihren Kapitänen den Weg, ehe es am letzten Berg dieser Tour zum großen Showdown der beiden Topfavoriten kam. Dahinter ließen die von den dreiwöchigen Strapazen Gezeichneten abreißen und quälten sich den im Schnitt 7,5 Prozent steilen Tourmalet hinauf: Neben den erkälteten Milram-Fahrern Gerdemann, Knees und Wegmann auch der italienische Giro-Sieger Ivan Basso, der ebenfalls erkrankt ist, sowie der tapfere Weltmeister Cadel Evans, der mit einem gebrochenen Ellenbogen weiterfährt.

Der Franzose Anthony Charteau sicherte sich das Bergtrikot, da sein Landsmann Christophe Moreau keine Punkte mehr holte. Mit Charteau siegte ein absoluter Außenseiter in dieser Sonderwertung, der vor allem in Ausreißergruppen fleißig Punkte sammelte.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Arnulf Boettcher

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