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Asien

Prozessauftakt zu Massaker von Maguindanao

Es war das schlimmste politische Massaker in der Geschichte der Philippinen: 57 Menschen wurden im November 2009 bei einer Clan-Fehde niedergemetzelt. Nun hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher begonnen.

Andal Ampatuan Junior am Tag seiner Festnahme am 27. November 2009 (Foto: AP)

Angeklagt als Drahtzieher: Andal Ampatuan Junior

Seit Mittwoch (08.09.2010) muss Andal Ampatuan Junior, der Sohn des Gouverneurs der südphilippinischen Provinz Maguindanao, auf der Anklagebank in der Hauptstadt Manila Platz nehmen. Ampatuan wird vorgeworfen, die Ermordung von 57 Menschen Ende November 2009 angestiftet und selbst daran mitgewirkt zu haben. Insgesamt wurden nach der Tat 196 Verdächtige angeklagt. Darunter sind fünf weitere Mitglieder des Ampatuan-Clans, einer im Süden der Philippinen sehr einflussreichen Familie.

Ein Polizist zeigt auf das Massengrab, in dem die Opfer des Massakers von Maguindanao verscharrt wurden (Foto: AP)

Die Opfer von Maguindanao wurden in einem Massengrab verscharrt

Bei den Opfern der Bluttat handelte es sich um Angehörige des Vizebürgermeisters der Gemeinde Buluan, Esmael Mangudadatu, sowie Dutzende Journalisten und einige Menschenrechtsanwälte. Mangudadatus Tross war damals auf dem Weg zu einem Wahlbüro gewesen, um die Kandidatur des Politikers für die Gouverneurswahl im Mai 2010 einzureichen. Dies wollte der Clan des amtierenden Gouverneurs Andal Ampatuan Senior offenbar verhindern. Unter den Toten waren auch Mangudadatus Frau und seine schwangere Schwester.

"Wir töten sie einfach, wenn sie herkommen"

Die philippinische Justiz wirft Andal Ampatuan Junior vor, den Autokonvoi der Gruppe mit etwa hundert Bewaffneten überfallen zu haben. Die Opfer, die teils schwer misshandelt und regelrecht hingerichtet worden waren, wurden in einem offenbar bereits zuvor ausgehobenen Massengrab verscharrt. Die Beschuldigten bestreiten, irgendetwas mit dem Massaker zu tun zu haben.

Ganz anderes besagt dagegen die erste Zeugenaussage zum Prozessauftakt. Ein ehemliager Angestellter des Hauptangeklagten, sagte am Mittwoch vor dem Gericht im Süden Manilas aus, dass der Ampatuan-Clan sechs Tage vor der Tat ein Treffen abgehalten hätte. Darin habe man darüber beraten, wie die politischen Rivalen gestoppt werden können. "Schau, Vater, das ist einfach. Wir töten sie, wenn sie hierherkommen", habe der Sohn des Clan-Chefs damals gesagt, so der Zeuge Lakmudin Saliao.

Demonstration von Journalisten in Manila am 9. Dezember 2009 für eine Aufklärung von Maguindanao (Foto: AP)

Beim "Marsch für Gerechtigkeit" im Dezember 2009 verlangen Demonstranten die Aufklärung von 'Maguindanao'

Politisch pikanter Prozess

Das Massaker von Maguindanao hatte auch den philippinischen Präsidentschaftswahlkampf in diesem Frühjahr überschattet. Der Ampatuan-Clans galt als Verbündeter der bis Juni amtierenden Präsidentin Gloria Arroyo. Die Ex-Präsidentin hatte in mehreren Unruheregionen im Süden der mehrheitlich christlich geprägten Philippinen Pakte mit muslimischen Clans geschlossen. Presseberichten zufolge fordern die Anwälte der Verteidigung im Maguindanao-Prozess, Arroyo in den Zeugenstand zu berufen.

Autor: Sven Töniges (afp/epd)

Redaktion: Esther Broders

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