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Politik

Prozessauftakt zu Madrider Anschlägen

Die verheerenden Anschläge vom 11. März 2004 in Madrid gelten als weitgehend aufgeklärt. Jetzt müssen sich die mutmaßlichen Hintermänner vor Gericht verantworten - darunter ein 16-jähriger Spanier.

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191 Menschen starben, mehr als 1500 wurden verletzt

Am 11. März 2004 kamen in Madrid 191 Menschen im morgendlichen Berufsverkehr ums Leben. Mehr als 1500 wurden verletzt. Die Attentäter hatten die zehn Bomben in vier voll besetzten Pendlerzügen gezündet. Die Sprengsätze explodierten fast zeitgleich.

Sprengstoff im Linienbus

Acht Monate nach den Terroranschlägen wird in Madrid ein erster Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher und Hintermänner abgehalten. Vom 16. bis zum 18. November 2004 muss sich zunächst der 16-jährige Spanier Gabriel Montoya, genannt El Gitanillo ("der kleine Zigeuner") vor einem Jugendgericht verantworten. Die Anklage: Transport von Sprengsätzen. Dem Minderjährigen droht im Fall seiner Verurteilung die Einweisung in eine Strafanstalt für Jugendliche. Und eine Verurteilung zur Höchststrafe von acht Jahren Gefängnis.

Galerie Anschläge in Madrid Zug Rettungsmannschaft

Nach dem Anschlag auf die Pan-Am-Maschine über dem schottischen Lockerbie 1988, stellt der Madrider Anschlag in der Geschichte der EU den Anschlag mit den meisten Todesopfern dar.

Montoya soll einen Teil des im März benutzten Sprengstoffs in einem Linienbus von Nordspanien nach Madrid gebracht haben. Der Jugendliche habe nach seiner Gefangennahme im Juni bereits gestanden, das Dynamit im Auftrag eines ebenfalls inhaftierten Ex-Bergarbeiters befördert zu haben, berichtet der staatliche spanische Rundfunk. Montoya ist einer von 19 inhaftierten Verdächtigen, denen der Prozess gemacht wird. Die Mehrzahl der Angeklagten ist marokkanischer Herkunft.

Festgenommen oder tot

Die Madrider Anschläge gelten - nach Angaben der spanischen Polizei - als weitgehend aufgeklärt. Nachdem die Regierung von Ministerpräsident José Maria Aznar zunächst die baskische Separatistenorganisation ETA für die Anschläge verantwortlich gemacht hatte, mehrten sich bald die Hinweise auf einen religiös-fanatischen Hintergrund der Täter. Inzwischen gilt als erwiesen, dass die Anschläge auf das Konto islamistischer Terroristen gehen.

Bereits am 4. April 2004 verkündete der spanische Innenminister Àngel Acebes: "Der zentrale Kern der Attentäter vom 11. März ist festgenommen oder tot." Am Abend zuvor hatten sich sieben Terroristen in einer Wohnung in der Madrider Vorstadt Leganés verschanzt und selbst in die Luft gesprengt. Unter den Selbstmördern befanden sich auch der Algerier Allekema Lamari und der Tunesier Serkane Ben Abdelmajid. Die spanische Polizei identifizierte beide als mutmaßliche Drahtzieher des Anschlags. In der Wohnung, die die Terroristen kurz nach dem 11. März bezogen hatten, fand die Polizei Sprengstoff und Zünder.

"Gehirn" der Anschläge

Bei einer EU-weit koordinierten Polizeiaktion wurde Anfang Juni 2004 in Mailand ein weiterer Hauptverdächtiger festgenommen. Der mutmaßliche Terroristenführer Rabei Osman El Sayed Ahmed sei vermutlich einer der Haupttäter, erklärte der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu. Der

Rabei Osman Al Sayed

Das selbsternannte "Gehirn" der Madrider Anschläge - Rabei Osman El Sayed Ahmed

32-jährige Ex-Offizier habe sich selbst verraten, als er sich bei Telefonaten, die der italienische Geheimdienste abhörte, als "Gehirn" der Anschläge brüstete. El Sayed Ahmed gilt als mutmaßlicher Statthalter El Kaidas in Europa und Kopf der "Islamischen Kampfgruppe Marokko". Seit den Anschlägen wurden insgesamt rund 70 Verdächtige festgenommen. Bisher noch unklar bleiben für die Behörden die internationalen Verbindungen der Attentäter und die Finanzierung der Anschläge.

Weitere Prozesse

Der 16-jährige Gabriel Montoya wird vermutlich weder Auskünfte zu den internationalen Verbindungen der Terroristen noch zur Finanzierung der Anschläge geben können. Aber sein Prozess ist erst der Auftakt zu einer Reihe weiterer Prozesse, die Stück für Stück die Wahrheit ans Licht bringen sollen. Als zentral dürfen dabei mögliche Aussagen Rabei Osman El Sayed Ahmeds gelten, der in Italien auf seine Auslieferung wartet. Spanien will ihm den Prozess wegen 191-fachen Mordes machen.

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