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Aktuell Nahost

Prozessauftakt wegen Fußballkrawallen in Port Said

74 Fußball-Fans waren Anfang Februar bei Krawallen im ägyptischen Port Said getötet worden. Im Prozess bestreiten die Angeklagten jede Schuld und machen das gestürzte Mubarak-Regime für die Katastrophe verantwortlich.

In Ägypten hat die Aufarbeitung der Fußball-Krawalle von Port Said begonnen. Unter starken Sicherheitsvorkehrungen wurde in Kairo der Prozess gegen 75 Beschuldigte eröffnet, die für die tödlichen Ausschreitungen gegen Fußball-Fans in Port Said am 1. Februar verantwortlich gemacht werden. 74 Menschen waren damals in einer regelrechten Hetzjagd getötet worden.

Die Gerichtsverhandlung begann mit wüsten Beschimpfungen. Angeklagte und Angehörige der Opfer hätten sich gegenseitig angeschrien, im Gerichtssaal habe blankes Chaos geherrscht, berichtete ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur dpa. Das Verfahren musste zunächst unterbrochen werden. Zahlreiche Angeklagte plädierten auf nicht schuldig und wiesen unter "Allahu Akbar" ("Gott ist groß")-Gesängen den Vorwurf des vorsätzlichen Mordes zurück. Sie bezichtigten Polizisten und Sicherheitskräfte, für die Ausschreitungen verantwortlich zu sein.

Ein Racheakt?

Bei den Ausschreitungen von Port Said hatten Fans des Gastgeber-Vereins Al-Masry die Fans des Kairoer Vereins Al-Ahly mit Brechstangen und Schusswaffen angegriffen. Angeklagt sind aber auch neun Polizisten. Ihnen wird Nachlässigkeit im Dienst vorgeworfen, sie hätten die Fans nicht gründlich nach Waffen durchsucht.

Der Prozess findet im gleichen Gebäude statt wie das Verfahren gegen den gestürzten Ex-Präsidenten Husni Mubarak. Beobachter halten es für möglich, dass die Gewalt ein Racheakt seiner Anhänger war. Denn Ultras von Al-Ahly hatten im Frühjahr 2011 auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen das Mubarak-Regime demonstriert.

det/kle (dpa, sid)