Prozess um Kunstraub von Paris - ″Der Dieb hatte leichtes Spiel″ | Kultur | DW | 31.01.2017
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Kultur

Prozess um Kunstraub von Paris - "Der Dieb hatte leichtes Spiel"

Vor sieben Jahren stahl ein Kunstdieb fünf Meisterwerke aus einem Museum in Paris. Nun steht Vjéran Tomic vor Gericht. So ein Raub lässt sich nicht ganz verhindern, sagt Kunstversicherer Dirk Heinrich im DW-Interview.

Herr Heinrich, da steigt ein Dieb nachts durch ein Fenster ins Museum ein und klaut Kunstwerke im Wert von 100 Millionen Euro. Ist das normal?

Das ist verheerend, dass so etwas passieren kann. Aber Diebstahl wird man nicht gänzlich verhindern können. Offensichtlich war es hier so, dass der Einbrecher leichtes Spiel hatte, weil sämtliche üblichen Sicherungsvorkehrungen entweder nicht vorhanden waren oder nicht funktionierten zu dem Zeitpunkt. Offensichtlich wusste das Museum das und traf trotzdem keine zusätzliche Vorsorge. Möglicherweise wusste das auch der Täter. Vielleicht hat er einen Tipp bekommen.

Bis heute sind die Bilder nicht wieder aufgetaucht. Wären Sie der Versicherer des Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris - müssten Sie jetzt bezahlen?

Porträt Dirk Heinrich, Direktor Axa Art Kunstversicherung. Foto: Axa Art

Kunstversicherungsexperte Dirk Heinrich

Ja, wir hätten vermutlich längst gezahlt. Wir hatten auch schon vergleichbare Fälle. In einem ging es um zwei Picassos, die in der Schweiz gestohlen wurden. Dort haben wir dann relativ zügig reguliert. Nach der Regulierung haben wir weiter an der Aufklärung des Diebstahls gearbeitet, zusammen mit den Behörden, aber auch mit eigenen privaten Ermittlern. Nach drei Jahren konnten der Fall aufgeklärt und die Objekte zurückgegeben werden.

Wo landen solche Bilder für gewöhnlich – bei reichen, privaten Sammlern, die Kunstdiebstähle in Auftrag geben?

Das ist die entscheidende Frage. Ich glaube nicht, dass es diese Auftragsdiebstähle gibt. Dann müssten ja irgendwann mal, nach Jahren die Objekte wieder auftauchen, spätestens dann, wenn der Auftraggeber verstirbt und Erben da sind, die in die Gebäude hineingehen. Aber wir hatten in den letzten Jahrzehnten keinen Fall, wo man im Keller das private, geheime Museum gefunden hätte.

Außer bei Cornelius Gurlitt, der in seiner Wohnung einen Kunstschatz hortete…

Ja, aber dieser Fall war anders gelagert, da ging es nicht um Diebstahl.

Ist Ihre Versicherung schon mal erpresst worden von Kunstdieben? Ist ja immer noch billiger, einen Bruchteil des Wertes an die Diebe zu zahlen, als dem Eigentümer das ganze Kunstwerk zu erstatten…

Da ist die Position der Kunstversicherer ganz klar - nämlich keine Lösegeldzahlungen zu leisten. Das würde sich zu schnell herumsprechen.

Schützen Museen ihre Kunst ausreichend?

In dem Pariser Fall war das wohl nicht der Fall. Aber in den Ländern, für die ich sprechen kann - Deutschland, Österreich und die Schweiz - wird zunehmend mehr getan. Hier gibt es ein hohes Bewusstsein für Sicherheit. Dass ein einzelnes Museum Sicherheitslücken hat, wird man nie ausschließen können. Wir beraten da intensiv.

Versichern Museen ihre Kunstwerke ausreichend? Oder ist eher Unterversicherung die Regel?

Nein, das ist nicht die Regel. Immer öfter gibt es die Staatshaftung, in Österreich zum Beispiel. Da versichert sich nicht das einzelne Museum individuell, da haftet der Staat.

Wollte ich einen Picasso im Welt von 50 Millionen bei Ihnen versichern - was müsste ich da ausgeben?

In der Regel versichern wir nicht einzelne Kunstwerke, sondern ganze Sammlungen. Es gibt keine festen Preise. Es hängt von der individuellen Situation ab. Wo befindet sich das Objekt? Zu Hause oder in einem Lager, gesichert oder nicht? Soll es ausgeliehen werden, wollen Sie es transportieren? Daraus ergibt sich ein Risikoprofil. Ist das Objekt optimal gesichert, ist auch der Versicherungspreis niedriger.

Dirk Heinrich ist Direktor für Deutschland und Österreich bei der Axa Art Versicherung in Köln.

Das Gespräch führte Stefan Dege.

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