Prozess nach ″Reina″-Terroranschlag in Istanbul eröffnet | NRS-Import | DW | 11.12.2017
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Türkei

Prozess nach "Reina"-Terroranschlag in Istanbul eröffnet

In der Silvesternacht hatte der mutmaßliche Täter den Istanbuler Nachtclub "Reina" gestürmt. 39 Menschen fanden im Kugelhagel den Tod. Die Ankläger fordern 40 Mal lebenslange Haft.

Türkei Silivri - Gerichtsprozess beginnt gegen 57 Verdächtige (picture-alliance/AP Photo/M. Guzel)

Vor dem hochgesicherten Gefängnis- und Gerichtskomplex Silivri

In Istanbul hat der Prozess zum Anschlag auf den Nachtclub "Reina" begonnen, bei dem in der vergangenen Silvesternacht 39 Menschen getötet wurden. Vor dem Gericht im Hochsicherheitsgefängnis von Silivri müssen sich der mutmaßliche Attentäter Abdulkadir M. sowie 56 mutmaßliche Komplizen verantworten. Zu dem Anschlag, der die Türkei kurz nach dem Jahreswechsel erschüttert hatte, bekannte sich wenig später die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtet, begann der Prozess im Beisein von 51 der 57 Angeklagten. Davon sind drei auf freiem Fuß, während der Rest in Untersuchungshaft sitzt. Abdulkadir M. wurde von mehreren Polizisten in den Saal geführt.

Ehefrau ist mitangeklagt

Der 34-jährige Usbeke bekannte sich gegenüber der Polizei zu der Tat. Ihm drohen wegen "Mordes" und "Versuchs zum Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung" bis zu 40 Mal lebenslänglich. Unter den Mitangeklagten ist auch seine Ehefrau Sarina Nurullajewa.

Türkei Istanbul - Reina Nachtclub Abgerissen (Getty Images/AFP/Y. Akgul)

Der Club "Reina" an der Bosporus-Brücke wurde inzwischen abgerissen - offiziell wegen Baumängeln (Archivbild)

Der Attentäter hatte kurz nach Mitternacht den noblen Nachtclub am Bosporus-Ufer gestürmt, 39 Menschen erschossen und 79 weitere verletzt. Die meisten der Opfer waren arabische Touristen, die dort Silvester feierten. Erst als dem Schützen die Munition ausging, floh er aus dem Lokal, nahm ein Taxi und tauchte unter. Erst nach zweiwöchiger Suche wurde er gefasst.

Erstes IS-Bekenntnis zu Terror in Türkei

Es war das erste Mal, dass die IS-Miliz ein Attentat in der Türkei für sich beanspruchte - auch wenn ihr wiederholt Angriffe in Istanbul zugeschrieben worden waren. So wurde sie für den Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe im Januar 2016 und einen Angriff auf den Atatürk-Flughafen im Juni 2016 verantwortlich gemacht.

Dass sich Abdulkadir M. - anders als andere IS-Attentäter - weder bei dem Attentat noch bei seiner Festnahme in die Luft sprengte, führte zu Spekulationen, dass er die Tat für Geld verübt haben könnte. Ungewöhnlich war auch, dass er sich mit Frau und Kind in der Türkei aufhielt. Nach der Tat holte er bei seiner Frau zunächst seinen kleinen Sohn ab, bevor er untertauchte.

Taksim-Platz im Visier

Der Beschuldigte gab im Verhör an, den Anschlag auf Anweisung eines hohen russischen IS-Mitglieds namens Islam Atabajew alias "Abu Dschihad" begangen zu haben. Ein anderer Drahtzieher wurde nach US-Angaben in Syrien getötet. Abdulkadir M. wollte nach eigener Aussage zunächst den Taksim-Platz angreifen, entschied sich aber in letzter Minute wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen dagegen.

Der Nachtclub "Reina" wurde nach dem Anschlag geschlossen und im Mai auf Anweisung der Stadtverwaltung wegen Verstößen gegen Bauvorschriften abgerissen.

jj/sti (dpa, afp)