1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Prozess gegen Rote Khmer-Anführer begonnen

Die Aufarbeitung der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha geht in eine entscheidende Runde. Die drei ranghöchsten noch lebenden Mitglieder des damaligen Regimes müssen sich vor Gericht verantworten.

Der Gerichtssaal in Phnom Pen (Foto: AP)

Der Gerichtssaal in Phnom Pen war zu Beginn des Prozesses gut gefüllt

Mehr als 30 Jahre nach dem Regime der Roten Khmer in Kambodscha haben die Eröffnungsplädoyers gegen drei frühere Anführer des Regimes begonnen. Ein Richter des zuständigen UN-Tribunals erklärte das Hauptverfahren am Montag (21.11.2011) in der Hauptstadt Phnom Penh offiziell für eröffnet. Der frühere Chefideologe Nuon Chea, Ex-Staatschef Khieu Samphan und Ex-Außenminister Ieng Sary sind wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen angeklagt. Sie sind die wichtigsten noch lebenden Anführer des maoistischen Pol Pot-Regimes.

Porträt des früheren Chefideologen Nuan Chea (Foto: AP)

Der frühere Chefideologe Nuan Chea

In ihrem Eröffnungsplädoyer zeichnete Staatsanwältin Chea Leang ein Horrorbild ihres Heimatlandes in den Jahren von 1975 bis 1979. Kambodscha sei ein Massenlager für Sklaven gewesen, die Verbrechen unter den Schlimmsten, die je in der modernen Geschichte begangen worden seien. "Kambodscha war ein einziges riesiges Gefängnis, in dem die Gefangenen permanent überwacht wurden", sagte sie. Die drei Angeklagten zwischen 80 und 86 Jahren waren im Gerichtssaal anwesend. Die Eröffnungsplädoyers in dem Prozess sollen vier Tage dauern.

Prozess stößt auf großes Interesse

Porträt von Ex-Staatschef Khieu Samphan (Foto: AP)

Auf der Anklagebank: Ex-Staatschef Khieu Samphan

Hunderte Kambodschaner, darunter Angehörige von Opfern des Regimes, reisten zu den Eröffnungsplädoyers nach Phnom Penh. Teile des Verfahrens sollen im Fernsehen übertragen werden. Die drei Angeklagten weisen alle Vorwürfe gegen sie zurück. Die ebenfalls angeklagte Frau des Ex-Außenministers, Ieng Thirith, war vom Gericht aufgrund einer Demenzerkrankung für prozessunfähig erklärt worden. Das Gericht hatte ihre sofortige Freilassung angeordnet. Bis zu einer Entscheidung über einen Einspruch der Anklage bleibt sie jedoch in Haft.

Porträt von Ex-Außenminister Ieng Sary

Der dritte Angeklagte: Ex-Außenminister Ieng Sary

Während der Schreckensherrschaft der maoistischen Roten Khmer kamen in den Jahren 1975 bis 1979 in Kambodscha rund zwei Millionen Menschen durch Erschöpfung, Hunger, Krankheit, Folter und Hinrichtungen ums Leben. Die Roten Khmer wollten einen radikalen Bauernstaat errichten und schafften Religion, Schulen und Währung ab.

Folterchef 'Duch' wurde bereits 2010 verurteilt

Porträt von Kaing Guek Eav, alias Duch (Foto: AP)

Der einstige Folterchef der Roten Khmer, Kaing Guek Eav alias Duch, wurde bereits 2010 verurteilt

Der Prozess ist der zweite gegen Verantwortliche der Roten Khmer, nachdem im vergangenen Jahr erstmals ein Urteil gegen ein führendes Regime-Mitglied gefällt worden war. Nach einem Geständnis wurde der einstige Folterchef Kaing Guek Eav alias "Duch" im Juli 2010 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Unter seiner Aufsicht waren in der berüchtigten Haftanstalt Tuol Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh bis zu 15.000 Menschen gefoltert und hingerichtet worden.

Autorin: Annamaria Sigrist (afp, dpa, dapd)
Redaktion: Gerd Winkelmann

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema