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Aktuell Europa

Prozess gegen Costa-Concordia-Kapitän vertagt

Anderthalb Jahre nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" muss sich Kapitän Schettino vor Gericht verantworten. Die Verhandlung im toskanischen Grosseto wurde kurz nach Beginn vertagt.

Die Bilder, die von der Katastrophe des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" um die Welt gingen, sind noch lebhaft in Erinnerung. Ein Schiff rammt einen Felsen, kentert und droht zu sinken, Passagiere in Panik, Chaos überall und viele Tote. Mitten in der Not ein Kapitän, der das sinkende Schiff verlässt.

Francesco Schettino in grauem anzug und Sonnenbrille (Foto: Reuters)

Die Schuldfrage soll geklärt werden

"Kapitän Feigling"

Knapp 18 Monate nach dem Unglück vor der italienischen Mittelmeerinsel Giglio waren am Morgen die Richter des Prozesses gegen Kapitän Francesco Schettino zusammengekommen. In der italienischen Presse war der stets braun gebrannte 52-Jährige eine Weile lang der "meistgehasste Italiener", britische Boulevardmedien beschimpften ihn als "Kapitän Feigling".

Schettino hatte - entgegen dem Ehrenkodex der Seefahrer - das sinkende Schiff verlassen, als offenbar noch mindestens 300 Passagiere an Bord waren. Angeklagt ist er wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verlassen des Schiffs und Umweltzerstörung.

Wegen des großen Interesses finden die Gerichtsverhandlungen im Theater des toskanischen Ortes Grosseto statt. 250 Nebenkläger sind zugelassen, 400 Zeugen geladen, unter ihnen jene attraktive moldawische Tänzerin, mit der Schettino am Abend des Unglücks getrunken haben soll.

Italiens Anwälte streiken

Auch der Kommandant der Küstenwache von Livorno, Gregorio De Falco, der den Kapitän in einem lautstarken Telefonat vergeblich dazu drängte, wieder an Bord zu gehen, soll aussagen. Der Prozess wird Monate dauern, wurde jedoch gleich nach der Eröffnung wieder vertagt, weil in ganz Italien die Anwälte streiken.

Sie wollen den Protest gegen Justizreformen noch bis zum 16. Juli fortsetzen. Da auch die in den Prozess involvierten Anwälte streiken, wird der Prozess um die "Costa Concordia" erst danach beginnen.

Das Luxusschiff war am späten Abend des 13. Januar 2012 zu nahe an die Insel Giglio herangefahren. Das Schiff rammte einen Felsen, der ein gewaltiges Loch in den Rumpf des 290-Meter-Kolosses reißt. Viele der rund 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder sitzen gerade in festlicher Kleidung beim Abendessen, als es einen Knall gibt und der Strom ausfällt.

Laut Zeugen spielten sich danach dramatische Szenen ab. Als Wasser eindrang, sprangen viele verzweifelt ins kalte Mittelmeer. Schwimmwesten fehlten, rund um die Rettungsboote herrschte Chaos. Tausende Schiffbrüchige landeten schließlich verstört und verfroren auf Giglio. 32 Menschen starben bei dem Unglück, darunter zwölf Deutsche. Zwei der Opfer gelten immer noch als vermisst.

Das Schiffwrack der Costa Concordia im Juli 2013 (Foto: picture-alliance/apphoto)

Die Bergung des Schiffswracks schreitet voran

Die Bergung des Wracks ist hochkompliziert und wird vermutlich einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen. Rund 500 Arbeiter, Techniker und Ingenieure sowie 30 Schiffe sind momentan im Einsatz. Anfang September soll das Wrack aufgerichtet und in einen nahe gelegenen Hafen geschleppt werden.

Von all dem ist Kapitän Schettino offenbar unberührt. Er sei "im Reinen mit seinem Gewissen", sagte er bei einer Anhörung im Mai. "Ich bin gelassen, da ich weiß, dass ich im Prozess die Fakten in Ruhe werde erklären können." Vor dem Gefängnis habe er keine Angst.

uh/li (dpa,afp)

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