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Kultur

Provokation aus Tradition

Das französische Satireblatt sorgt seit Jahren mit religionskritischen Karikaturen für Skandale. Diesmal machte das Blatt mit dem Titel "Die Vorhersagen des Magiers Houellebecq" auf. Ist das der Grund für den Anschlag?

Den neuen Romans des Autors halten viele für anti-muslimisch, ein gefundenes Fressen für "Charlie Hebdo". Die Satirezeitschrift hat immer wieder mit provokanten Titelbildern und Comics für Aufruhr in der französischen Öffentlichkeit gesorgt. Dafür war sie mehrfach Ziel von Anschlägen. Der Chefredakteur stand unter Polizeischutz. Sie erscheint in einer Auflage von 75.000 Exemplaren und ist am ehesten vergleichbar mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic". Der Name soll an die amerikanische Comicfigur Charlie Brown von den Peanuts erinnern. Die Redaktion mit rund 20 Redaktionsmitgliedern hat 2006 auch die umstrittenen Mohammed-Karikaturen in Frankreich veröffentlicht.

Frankreich Paris Charlie Hebdo OHNE KARIKATUR

Chefredakteur Charbonnier in der Pariser Redaktion.

Die Redaktion des Satiremagazins nahm den Ärger mit religionskritischen Karikaturen immer bewusst in Kauf. Zuletzt sorgt die brisante Veröffentlichung des Comicbuchs "Das Lebens Mohammeds" für Aufregung in Frankreich. "Charlie Hebdo" ist bekannt für bewusst gesetzte Provokationen - allerdings auch, wie Kritiker dem Magazin vorwerfen, um kurzfristig die Auflage der Zeitschrift zu erhöhen. Zwischen 1981 und 1992 wurde das Satiremagazin mangels Lesern eingestellt.

Gegründet wurde "Charlie Hebdo" 1970 in der Nachfolge des satirischen Monatshefts "Hara-Kiri", das damals den Untertitel "Böse und gemeine Zeitung" auf der Titelseite trug. Hara-Kiri war mehrfach wegen seiner provokanten Inhalte verboten worden. Stéphane Charbonnier hatte sich als Autor des satirischen Comics "Das Leben des Mohammed" massiven Ärger und Proteste von muslimischer Seite eingehandelt. Damals war die Internetseite des Satiremagazins tagelang von Hackern gestört und die Redaktion massiv bedroht worden.

Frankreich Presse Brandanschag gegen Charlie Hebdo in Paris Flash-Galerie

Stéphane Charbonier nach dem Anschlag 2011 vor den verwüsteten Redaktionsräumen

Schon 2011 waren die Redaktionsräume bei einem Brandanschlag zerstört worden. Unbekannte hatten einen Benzinbombenanschlag auf das Gebäude verübt. An dem Tag war eine satirische Mohammed-Karikatur auf dem aktuellen Titel erschienen. Seitdem stand Herausgeber und Chefredakteur Charbonnier unter Personenschutz.

Aber das Blatt blieb weiter bei seinem Kurs. Die Redaktion und auch ihr Chefredakteur haben sich immer wieder gegen den publizistischen Anspruch, "politisch korrekt" zu bleiben, verwahrt. Ihr Anspruch als Satiremagazin sei eben die gezielte Provokation, um Leser damit wach zu rütteln und Themen öffentlich anders zu platzieren. Die Redaktion musste sich regelmäßig vor Gericht für ihre satirischen Inhalte verantworten. Klagen gab es unter anderem auch nach einer bitterbösen Papst-Sonderausgabe.

Der Anschlag auf die Redaktion, bei dem laut Agenturen auch der Chefredakteur Stéphane Charbonnier ums Lebens kam, hat auch von Seiten der Politik zu weltweiten Anteilsbekundungen und zu einer Welle spontaner Reaktionen im Netz geführt.

Auf Twitter ist der Hashtag #CharlieHebdo an die Spitze geschnellt. User aus aller Welt zeigen ihr Entsetzen und Mitgefühl. Viele Nutzer haben ihr Profilbild verändert: Unter "Je suis Charlie" erklären sie sich solidarisch mit der Zeitung und drücken ihr Mitgefühl für die Opfer des Anschlags aus:

@NicoladiaZ twittert: "Ich bin Charlie" für das Recht auf Satire, gegen Feigheit und bin solidarisch mit Charlie Hebdo."

Auch aus Frankreich schreibt @PoilBen: "Die Freiheit gerät ins Wanken, aber sie fällt nicht!"

Aus Indien kommt ein Tweet von Jay Neo:"Ich dachte, das Wort sei mächtiger als das Schwert. Wie dumm von mir!"

Beatriz Diaz aus Spanien versucht, die Gemüter zu beruhigen: "Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht der gesamte Islam so ist. Da sind Extremisten am Werk, die eine Religion beschmutzen, die genau so respektabel ist wie alle anderen auch."

Auch aus Deutschland kommt eine Welle der Solidarität:

Und aus den Niederlanden schickt Piet Herweijer einen einzigen Satz ins Netz, der vielen aus der Seele sprechen wird: "Mein Gott, was für eine Welt."

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