Proteste und Plünderungen in Honduras | Aktuell Amerika | DW | 02.12.2017
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Lateinamerika

Proteste und Plünderungen in Honduras

Fast eine Woche nach der Präsidentenwahl steht noch immer kein Sieger fest. Anhänger der Opposition wittern Wahlfälschung und gehen auf die Straße. Auf friedliche Proteste folgen schwere Ausschreitungen und Plünderungen.

Anhänger der Opposition errichteten Straßenblockaden, steckten Autoreifen in Brand und schleuderten Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Mindestens ein Mann kam bei den Protesten ums Leben. Weitere Menschen seien verletzt worden, teilten die Behörden mit. Als Reaktion auf die Unruhen verhängte die Regierung den Ausnahmezustand sowie eine Ausgangssperre zwischen 18 Uhr am Abend und 6 Uhr am Morgen. Die Maßnahme gilt zunächst für zehn Tage.

Noch einmal nachzählen

Auch fünf Tage nach der Präsidentenwahl in dem mittelamerikanischen Land liegt noch immer kein Ergebnis vor. Wegen Unregelmäßigkeiten in einigen Bezirken müssten die Stimmzettel nun noch einmal einzeln ausgezählt werden, teilte Wahlamtsleiter David Matamoros zur Begründung mit. Die Kandidaten und internationale Wahlbeobachter sollten bei der Auszählung anwesend sein. Vertreter des Oppositionsbündnisses Allianz gegen die Diktatur erschienen allerdings nicht.

Die Vereinten Nationen riefen die politischen Lager zur Zurückhaltung auf. "Die Kandidaten sollten ihre Anhänger zur Ordnung rufen und den Raum für einen demokratischen Dialog öffnen", heißt es in einer Stellungnahme der UN. Wahlamtsleiter Matamoros äußerte sich ähnlich: "Ich fordere die politischen Führer auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre Anhänger zu beruhigen."

Erst der eine, dann der andere vorn

Während die ersten Teilergebnisse zunächst auf einen Sieg des Oppositionskandidaten Salvador Nasrallas hingedeutet hatten, lag später der Amtsinhaber Juan Orlando Hernández knapp vorne. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam Hernández auf einen Anteil von genau 42,92 Prozent. Auf Herausforderer Nasralla entfielen 41,42 Prozent. Er werde dieses offizielle Ergebnis nicht anerkennen, kündigte Nasralla an. Er warf der Regierung vor, sie fälsche die Wahl. Es sei nicht ausreichend nur die Wahlzettel neu auszuzählen, bei denen es Unstimmigkeiten gegeben habe. Notwendig sei eine komplette Neuauszählung.

Mit Blick auf die Krawalle sagte Nasralla, Gewalt und Chaos würden gezielt von Provokateuren geschürt, die die Demonstrationen unterwandert hätten. Präsident Hernández rief seine Anhänger zu Besonnenheit auf. "Das ist ein demokratischer Prozess, eine Feier, und ich fordere das honduranische Volk und die Leute meiner Partei dazu auf, Ruhe zu bewahren und auf das Ergebnis des Wahlamts zu warten", sagte der Staatschef.

Bei den Krawallen in der Hauptstadt Tegucigalpa kam es auch zu zahlreichen Plünderungen. Demonstranten drangen in Geschäfte und Einkaufszentren ein und stahlen Lebensmittel, Kleidung und Elektrogeräte. Etwa 100 Plünderer wurden festgenommen.

haz/fab (dpa, afp, rtr)