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Politik

Proteste und Feiern zum Abzug aus dem Gazastreifen

Nur noch wenige Stunden haben die jüdischen Siedler Zeit, um den Gazastreifen zu räumen. Ist die Frist abgelaufen, will die israelische Armee hart durchgreifen. Festnahmen gab es bereits.

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Orange: Signalfarbe gegen den Abzug

Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas kündigte ein striktes Vorgehen gegen gewalttätige Demonstranten im Gazastreifen an. "Wir werden es Gesetzesbrechern nicht erlauben, den Abzug zu stören", sagte Mofas am Dienstag (16.8.2005). Um Mitternacht läuft eine Frist ab, bis zu der jüdische Siedler freiwillig aus dem Gazastreifen in das israelische Kernland umziehen können.

Weitere Auseinandersetzungen erwartet

Unterdessen hat der Widerstand jüdischer Siedler gegen die Räumung aus dem Gazastreifen am Dienstag an Schärfe
zugenommen. Im Laufe des Tages nach die israelische Polizei nach eigenen Angaben mehr als 200 Personen fest. Im Newe Dekalim im Siedlungsblock Gusch Kativ durchbrach die Polizei am Morgen das Eingangstor zur Siedlung und verschaffte sich gewaltsam Zugang zur "Hauptstadt" des Siedlungsblocks Gusch Kativ. Eine Planierraupe walzte eine Absperrung nieder. Hunderte von Polizisten und Soldaten stürmten in die Siedlung, wo ihnen hunderte von jungen Abzugsgegner den Weg versperrten. Einige durchstachen Autoreifen und setzen einen großen Müllbehälter in Brand. Mehrere Jugendliche gingen im Gerangel zu Boden. Dann war der Weg frei für 120 Umzugswagen, die das Hab und Gut der abzugswilligen Siedler fortbringen sollten.

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Polizei im Gaza-Streifen

Offiziellen Angaben zufolge haben 66 Prozent der zuletzt rund 8500 Siedler im Gazastreifen das Entschädigungsangebot der Regierung angekommen. Eine Familie bekommt zwischen 150.000 und 400.000 Dollar. Wer sich weigert zu gehen, kann bis zu einem Drittel der Summe verlieren. "Ganz Gusch Katif trauert", sagte Gilad Meimon, der in seinem voll gepackten Fahrzeug darauf wartete, die Region für immer zu verlassen.

Hamas feiert

Nach dem israelischen Abzug sollen die geräumten Siedlungen noch einen Monat für die Palästinenser gesperrt bleiben. Mofas sagte am Dienstag bei einer Tour im Süden Israels, er hoffe, dass die Palästinenserführung sich an alle Vereinbarungen mit Israel halten werde. "Ich schlage ihnen vor, nicht zu früh zu feiern", sagte der Minister.

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Feiernde Palästinenser

Zur Feier des israelischen Abzugs waren am Dienstag tausende von Anhängern der radikalen Palästinenserorganisation Hamas im Süden des Gazastreifens zusammengekommen. Sie trafen sich in der Nähe der Militärsperre El Tufah zwischen Chan Junis und dem jüdischen Siedlungsblock Gusch Katif. Palästinensische Polizisten hinderten sie daran, weiter in Richtung Gusch Katif vorzudringen.

An der Kundgebung nahmen auch Kämpfer des bewaffneten Arms der Hamas teil. Sie trugen Nachbildungen von Raketen und schwenkten die grünen Fahnen der radikalislamischen Organisation und Palästinenserflaggen. "Sie haben unsere Häuser zerstört, jetzt lassen wir sie ihre mit ihren eigenen Händen zerstören", war auf einem Spruchband zu lesen.

Scharons Risiko

Der israelische Regierungssprecher Avi Pazner bezeichnete
vorgezogene Parlamentswahlen in Israel nach dem Abzug als "möglich". Ministerpräsident Ariel Scharon gehe mit dem Rückzug aus dem Gazastreifen ein sehr großes politisches Risiko ein, da seine eigene Likud-Partei in der Frage gespalten sei, sagte Pazner dem französischen Radiosender France-Inter. Scharons Lage sei nicht brilliant; in den kommenden Wochen und Monaten werde sich zeigen,
ob er seinen Einfluss behalte. Israel hatte am Montag nach
38-jähriger Besatzung mit der Räumung des Gazastreifens begonnen. (chr)

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