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Aktuell Europa

Proteste nach Minenunglück in der Türkei

Mehr als 200 Tote, viele Vermisste: Das Grubenunglück in der Türkei ist eines der schlimmsten in der Geschichte des Landes. Ein Gewerkschaftschef spricht von "Massenmord". Die Polizei geht mit Gewalt gegen Proteste vor.

Die Zahl der Toten bei dem Grubenunglück in Soma ist nach Angaben von Energieminister Taner Yildiz auf 245 gestiegen. Etwa 120 Kumpel würden noch vermisst. Medienberichten zufolge hatte ein Defekt in der Elektrik zunächst eine Explosion und dann einen Brand in dem Kohlebergwerk verursacht. Die meisten Opfer sind laut Yildiz an Kohlenmonoxidvergiftungen gestorben. Möglicherweise werde die Zahl der Opfer die des bislang schwersten Grubenunglücks in der Türkei im Jahr 1992 übersteigen. Damals waren 263 Menschen ums Leben gekommen.

Tränengas gegen Demonstranten

In Istanbul und anderen Städten demonstrierten tausende Menschen wegen der wiederkehrenden Unfälle in türkischen Bergwerken. In Ankara gingen 3000 bis 4000 Menschen auf die Straße und riefen regierungsfeindliche Parolen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. In Soma kam es zu gewalttätigen Protesten. Wütende Demonstranten traten gegen das Auto von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und forderten den Rücktritt der Regierung. Erdogan wies jede Verantwortung der Regierung zurück: Derlei Arbeitsunfälle passierten "überall auf der Welt".

Türkische Medien berichteten, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition im Parlament zurückgewiesen, die Sicherheitsvorkehrungen an der Zeche Soma zu überprüfen. Die Bergwerksgesellschaft teilte mit, die letzten Sicherheitsüberprüfungen habe es vor zwei Monaten gegeben.

Gewerkschaftsbündnis spricht von "Massenmord"

Das linke Gewerkschaftsbündnis DISK warf der Regierung vor, die Zahl der Opfer in den ersten Stunden nach der Katastrophe kleingeredet zu haben. DISK-Chef Kani Beko kritisierte, in der Zeche seien zahlreiche Arbeiter von Subunternehmern eingesetzt gewesen. Beko sprach von einem "Massenmord" in dem Bergwerk. Der größte türkische Gewerkschaftsbund Türk-Is rief seine Mitglieder auf, am Donnerstag ihre Arbeit niederzulegen und den Opfern des Grubenunglücks zu gedenken. Bei Türk-Is sind 35 Einzelgewerkschaften organisiert.

Wegen des Unglücks rief die Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus. Ministerpräsident Erdogan und Staatspräsident Gül sagten wegen des Unglücks Auslandsreisen ab. Der nationale Fußballverband (TFF) verschob alle für den Mittwoch und Donnerstag geplanten Spiele. Mehrere Länder boten der Türkei Hilfe an. Darunter waren auch Israel und Griechenland, mit denen die Türkei angespannte Verhältnisse hat. Der Papst lud zur Fürbitte für die Opfer des Unglücks ein.

Bundesregierung zeigt sich erschüttert

Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigten sich erschüttert über das Unglück. "Mit Trauer und Bestürzung habe ich von dem tragischen Grubenunglück erfahren", schrieb Gauck in einem Kondolenztelegramm an den Präsidenten Abdullah Gül.

Kanzlerin Merkel schrieb an Premierminister Erdogan, sie habe "mit Erschütterung" die Nachrichten von dem schweren Unglück verfolgt. Sie wolle ihm und seinen Landsleuten ihr "tief empfundenes Mitgefühl" ausdrücken.

cr / det (dpa, afp, rtr)

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