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Aktuell Asien

Proteste in Hongkong flammen wieder auf

Die Räumung eines Protestlagers durch die Polizei heizt den Konflikt in Hongkong wieder an. Tausende Aktivisten besetzten Straßenzüge. Eine Annäherung zwischen Regierung und Demonstranten scheint nicht in Sicht.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen im belebten Hongkonger Geschäftsviertel Mong Kok. Dorthin waren am Freitagabend (Ortszeit) Tausende Demonstranten geströmt, um erneut Straßenzüge zu blockieren, die Polizisten Stunden zuvor erst geräumt hatten. Die Sicherheitskräfte setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein und nahmen mehrere Menschen fest.

Viele Aktivisten werteten den Polizeieinsatz als gezielte Provokation. Rund 200 Demonstranten organisierten zwischenzeitig einen Sitzstreik. Radikalere Anhänger der Protestbewegung kündigten für die kommenden Tage neue Besetzungen in der Innenstadt an. Das Bündnis der Demonstranten appellierte jedoch, die Polizei nicht mit weiteren Aktionen zu provozieren.

Mehr als zwei Wochen lang besetzt

Erst am Morgen hatten Sicherheitskräfte die Absperrungen der Demonstranten in Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon entfernt und die Besetzung wichtiger Verkehrsstraßen beendet. Zu größeren Zwischenfällen kam es dabei nicht. Die Occupy-Mitglieder hatten die Barrikaden in Mong Kok, dem zweitgrößten Demonstrationsort nach dem Protest vor dem Regierungsgebäude, mehr als zwei Wochen lang verteidigt. Die Belagerung war zuletzt zunehmend auf den Unwillen von Anwohnern und Geschäftsleuten gestoßen.

Proteste in Hongkong 17.10.2014

Große Wut: ein Demonstrant schreit nach der Räumung des Protestlagers in Mong Kok seinen Ärger heraus

Die Räumungen der Protestlager hatten vor einigen Tagen begonnen. Dabei gingen die Polizisten mitunter brutal gegen Demonstranten und Journalisten vor, wie Videoaufnahmen und Augenzeugenberichte belegen. Dies sorgte international für Empörung.

Gegen die rund tausend verbliebenen Demonstranten in Protestlagern auf der Insel Hongkong ging die Polizei nicht vor.

Keine Zugeständnisse für die Wahl

Ein Ende der bislang schwersten Krise seit mehr als zehn Jahren in Hongkong ist nicht in Sicht. Noch am Donnerstag war der Chef der chinesischen Sonderverwaltungszone, Leung Chun Ying, überraschend auf die Protestbewegung zugegangen und hatte ihr neue Gespräche angeboten. Viele Demonstranten stellten den Vermittlungsversuch allerdings in Frage. Denn Leung hatte ihnen keine Zugeständnisse bei ihrer zentralen Forderung in Aussicht gestellt und argumentiert, nur die Zentralregierung in Peking habe die Macht, die Rahmenbedingungen für die Wahl festzulegen.

Die Demonstranten fordern Leungs Rücktritt sowie eine freie Wahl ihres Verwaltungschefs im Jahr 2017, ohne dass Peking wie bisher geplant eine Vorauswahl der Kandidaten trifft. Das Argument des Hongkonger Verwaltungschefs nannte die Protestbewegung eine Ausrede. Die Regierung müsse sich auf ernst gemeinte Gespräche auf Augenhöhe einlassen, hieß es in einer Mitteilung der Occupy-Mitglieder.

cw/ se (dpa, afp, rtre)