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Nahost

Proteste im Libanon gegen islamfeindlichen Film

Pünktlich zum Ende des Papstbesuches im Libanon rief der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, zu Protesten gegen den islamfeindlichen Film über den Propheten Mohammed auf.

Die Hauptverkehrsstraße, die durch die Dahiya - die mehrheitlich von Schiiten bewohnten südlichen Vororte von Beirut - führt, war an diesem Nachmittag für den Verkehr gesperrt. Auf dem Mittelstreifen wehten an den Lichtmasten grüne Fahnen mit dem Satz: "Wir kommen, oh, Prophet Gottes." Tausende von Menschen marschierten gemächlich auf der zweispurigen Straße. Viele schwenkten libanesische Flaggen, gelbe Fahnen der Hisbollah und grüne, die für die Amal Bewegung stehen - die zweite große schiitische Partei im Libanon. Auch syrische Fahnen mit dem Bild des Präsidenten Baschar Al-Assad waren zu sehen. Kinder in der Pfadfinderkleidung der Partei Gottes gingen ganz vorne mit. Die Demonstranten skandierten antiamerikanische und antiisraelische Slogans.

Hezbollah supporters wave their flag and shout slogans, during a rally denouncing an anti-Islam film that has provoked a week of unrest in Muslim countries worldwide, in the southern suburb of Beirut, Lebanon, Monday Sept. 17, 2012. Hezbollah's leader Hassan Nasrallah, not shown, who does not usually appear in public for fear of assassination, called for Monday's protests in Beirut, saying the U.S. must be held accountable for the film because it was produced in America. (Foto:Hussein Malla/AP/dapd).

Proteste gegen islamfeindliches Video in Beirut

Sie folgten dem Aufruf des Generalsekretärs der Partei Gottes, Hassan Nasrallah. Er rief die Muslime im Libanon auf, gegen den Film auf die Straße zu gehen und ihre Loyalität gegenüber dem Propheten Mohammed zu zeigen. Den ganzen Tag über strahlte der Fernsehsender Al-Manar, das Sprachrohr der schiitischen Partei Gottes, den Ausschnitt aus der Rede des Generalsekretärs aus, in dem er die Muslime im Libanon aufrief, der ganzen Welt ihre Wut zu zeigen. Wut,  die in ihren Gesichtern geschrieben steht, an ihren geballten Fäusten zu erkennen und aus ihren Schreien zu hören ist: "Die Welt soll wissen, dass dieser große Prophet Anhänger hat, die nicht schweigen gegen Beleidigung und Entwürdigung, ungeachtet der Opfer."

Film als Verschwörung

Nasrallah verglich den Film "Unschuld der Muslime" mit dem Brandanschlag auf den Felsendom Ende der 60er Jahre. Er ordnete ihn in sein Weltbild ein, wonach die USA und Israel Verschwörungen gegen die Muslime im Schilde führen. Er gibt den Vereinigten Staaten die Hauptschuld für diesen neuesten Angriff auf den Islam und seinen Propheten, wie Nasrallah sich ausdrückte.

Hezbollah leader Sheik Hassan Nasrallah, third right, is escorted by his bodyguards as he leaves after adressing a crowd of tens of thousands of supporters, during a rally denouncing an anti-Islam film that has provoked a week of unrest in Muslim countries worldwide, in the southern suburb of Beirut, Lebanon, Monday Sept. 17, 2012. Nasrallah who does not usually appear in public for fear of assassination called for Monday's protests in Beirut, saying the U.S. must be held accountable for the film because it was produced in America. (Foto:Hussein Malla/AP/dapd).

Hassan Nasrallah - seltener Auftritt in der Öffentlichkeit

Welche Bedeutung diese Großveranstaltung für die Partei Gottes hatte, zeigte sich am Ende des Marsches. Hassan Nasrallah fand sich persönlich ein und hielt von einer Tribüne aus, von Bodyguards umgeben, eine kurze Rede. Seit dem Krieg gegen Israel 2006 tritt Nasrallah aus Angst vor Anschlägen nur noch selten in der Öffentlichkeit auf. Nasrallah wiederholte im Wesentlichen den Inhalt seiner Rede vom Vortag und forderte erneut lautstark, dass die Abschnitte, die den Propheten beleidigen, nicht weiter im Internet verbreitet werden dürften. Außerdem stellte er klar, dass der Produzent zur Verantwortung gezogen werden und die Amerikaner die Verbreitung der vollen Version dieses Films verbieten müssten.

Sunnitische Sympathie

Nasrallah schlug vor, Arbeitsgruppen zu bilden, um diese Punkte in die Tat umzusetzen. Der Aufruf des Generalsekretärs der Hisbollah an die Muslime im Libanon, ihren Unmut gegen den Film deutlich zu zeigen, fand nicht nur bei den Schiiten Anklang. Auch Sunniten, die sich politisch nicht der Hisbollah zugehörig fühlen, begrüßten die Initiative. Mohammed, der Besitzer eines kleinen Tante-Emma-Ladens im mehrheitlich von Sunniten bewohnten Stadtteil Aisha Bakkar, sagt, dass er diese Demonstration unterstütze: "Es geht um die Ehre des Propheten Mohammed, und es geht um unsere Religion." Mohammed meint, dass Hassan Nasrallah Recht habe mit seinem Aufruf: "Wenn jemand im Namen des Islam spricht, dann ist es bedeutungslos, ob jemand Schiit oder Sunnit ist."

Ein Kunde im Laden pflichtet ihm bei und fügt hinzu, dass er sich friedliche Demonstrationen wünsche. Schließlich rufe der Islam zu Frieden und Liebe auf.

Ein politischer Schachzug

Mit dem Aufruf zu dieser Großdemonstration und mit der Rede des Generalsekretärs versucht die Hisbollah, die Flucht nach vorne anzutreten. Die Partei Gottes, eine der engsten Verbündeten des Assad-Regimes in Syrien, ist seit Beginn des Aufstandes im Nachbarland politisch immer mehr in die Defensive geraten. Die Schwäche und der drohende Sturz des Baath-Regimes verunsichert die Partei. Vor einigen Wochen ist ein prosyrischer Politiker, der in das politische Lager der schiitischen Partei gehört, unter dem Verdacht festgenommen worden, im Auftrag von Damaskus Anschläge im Libanon vorzubereiten. Erstaunlich kleinlaut reagierte seinerzeit die Hisbollah. Die Partei nutzt nun die Affäre um den islamfeindlichen Film, um sich als Sprecher der ganzen Muslime in Szene zu setzen und Forderungen in ihrem Namen zu stellen. Lautstark versucht Hassan Nasrallah seine frühere Popularität zurückzugewinnen, als er von vielen Arabern als das Symbol des Widerstandes gegen Israel verehrt wurde.

Für diese Woche hat die Hisbollah in anderen Landesteilen weitere Demonstrationen angekündigt. Für Freitag haben sunnitische Libanesen in Beirut zu Protesten aufgerufen.

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