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Aktuell Deutschland

Proteste gegen neuen Mauerfall

Trotz der heftigen Proteste: Ein Investor hat Teilstücke der ehemaligen Berliner Mauer entfernen lassen. Er will neben der berühmten East-Side-Gallery ein Hochhaus bauen. Anwohner wollen weiter demonstrieren.

Polizei an der East-Side-Gallery (Foto: dpa)

Polizei an der East-Side-Gallery

"Das ist ein Mahnmal!" Olivia ist empört. Die Berliner Studentin steht vor der East-Side-Gallery, dem längsten erhaltenden Abschnitt der Berliner Mauer, die früher die Stadt in Ost und West getrennt hat. Nach der Wende wurde die Mauer eingerissen, hier wurde sie erhalten und von berühmten und weniger berühmten Künstlern bemalt. Doch jetzt klafft hinter Olivia eine Lücke in der Mauer: Um fünf Uhr morgens haben Bauarbeiter vier Segmente entfernt. Denn hinter der Mauer soll ein Hochhaus errichtet werden, das durch ein Tor verschlossene Loch ist die Baustelleneinfahrt.

"Wenn man das Mahnmal mit solchen Luxustürmen verschandelt, dann verliert das total an Wert - und auch an Bedeutung." Olivia hat über Facebook von den Arbeiten erfahren und sich sofort auf den Weg gemacht, um zu protestieren. Schon seit Anfang März demonstrieren Anwohner gegen das Bauvorhaben, Olivia war von Anfang an dabei, sagt sie. Zunächst schienen die Demonstrationen Erfolg zu haben: Der Investor stoppte die Bauarbeiten und signalisierte Gesprächsbereitschaft. Doch nachdem Gespräche mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit ohne konkretes Ergebnis geblieben waren, soll nun gebaut werden.

Arbeiter an der East-Side -Gallery (Foto: dpa)

Eine neue Lücke in der Berliner Mauer

Weitere Demonstrationen

Entlang der Mauer stehen Polizei-Autos, 250 Beamten waren nach Angaben eines Polizeisprechers bei den Abrissarbeiten im Einsatz. Die ersten Wagen werden abgezogen, doch "je nach Lage" werden einige bleiben. Denn die Polizei rechne mit mehr Protesten. Noch ist es aber ruhig an der Mauer. Einzelne Demonstranten, über Twitter und Facebook alarmiert, finden sich an der Mauer ein - daneben einige Touristen, die über das Polizeiaufgebot erstaunt sind. Sie hätten gerade erst von der Aktion erfahren, erzählen französische Schüler, die auf Klassenfahrt sind. "Das ist ein Teil von Berlin, von seiner Geschichte. Das wäre doch schade, wenn man das für Gebäude zerstören wird." Sie schreiben ihre Namen noch kurz auf die Mauer, direkt neben dem Loch und ziehen dann weiter.

Demonstranten an der East-Side-Gallery (Foto: REUTERS)

Demonstranten fürchten, dass Berlins Geschichte verloren geht

Auch drei chinesische Touristen geben sich enttäuscht über die Bauarbeiten: "Dann können die Touristen doch die Geschichte gar nicht mehr sehen." Zwei Tage sind sie in Berlin, zur East-Side-Gallery sind sie gleich nach dem Brandenburger Tor gegangen. Hunderttausende Touristen besuchen jedes Jahr den Mauerabschnitt.

Die herausgetrennten Mauerteile sollen später wieder eingesetzt werden, wie der Investor am Mittwoch (27.03.2013) bekanntgab. Doch das reicht den Demonstranten wie Rolf Schümer von der Berliner Piratenpartei nicht. Er kündigte weitere Demonstrationen an. Am Donnerstag wolle er vor dem Berliner Roten Rathaus protestieren. Auch Olivia will bleiben - trotz der eisigen Kälte. Sie glaubt, dass dies erst der Anfang ist. "Wenn die einmal so ein Hochhaus dahinbauen, wie schnell geht dass dann, das auf einmal fünf da stehen?"

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