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Aktuell Asien

Proteste gegen Koran-Verbrennung eskalieren

Die Verbrennung von Ausgaben des Korans durch US-Soldaten hat in Afghanistan eine Demonstrationswelle ausgelöst, bei der am zweiten Tag mindestens sieben Menschen starben.

Obwohl der NATO-Oberbefehlshaber für Afghanistan, John Allen, als auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta sich umgehend für das Verhalten der Soldaten entschuldigt hatten, hielten die anti-westlichen Demonstrationen auch den zweiten Tag in Folge an. Dabei kamen nach Angaben des Innenministeriums bei Zusammenstößen in der Hauptstadt Kabul und in drei weiteren Provinzen mindestens sieben Demonstranten ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.

Koran-Exemplare "irrtümlich" verbrannt

Die Proteste hatten am Dienstag begonnen, nachdem Afghanen angekohlte Reste des Korans auf dem US-Stützpunkt Bagram, etwa 60 Kilometer von Kabul, gefunden hatten. Der Koran ist im Islam heilig. Das Buch zu beschädigen, gilt als eines der schlimmsten Vergehen. US-Kommandeur Allen sagte, dass die Exemplare des Korans "irrtümlich" in die Verbrennungsanlage geworfen worden seien.

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Weiter Empörung über Koranverbrennung

Die Internationale Schutztruppe ISAF bestätigte, dass Soldaten in Bagram Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage gebracht hätten. In einer Direktive verpflichtete Kommandeur Allen alle Soldaten dazu, bis zum 3. März an Schulungen zum angemessenen Umgang mit religiösen Schriften wie dem Koran teilzunehmen.

In Bagram ist ein Gefängnis, in dem radikal-islamische Taliban als Verdächtige gefangen gehalten werden. Angeblich hatten Wachleute geglaubt, Häftlinge nutzten den Koran aus der Bibliothek, um geheime Botschaften auszutauschen. Nach anderen Darstellungen soll es sich aber um neue Bücher gehandelt haben.

Taliban rufen zu Angriffen auf

Die Taliban teilten mit, sie unterstützten die Proteste. Die Aufständischen riefen alle "nationalistischen afghanischen Muslime" dazu auf, die ausländischen Truppen anzugreifen. Demonstranten in Kabul versuchten, in das NATO-Camp Phoenix in Kabul einzudringen. Auch ein Häuser-Komplex, in dem Ausländer leben, soll angegriffen worden sein. Augenzeugen berichteten von "Tod für Amerika"-Rufen, Steinwürfen und eingeschlagenen Fensterscheiben. Das afghanische Innenministerium teilte am Mittwochabend mit, landesweit seien die Proteste vorerst zu Ende gegangen.

Die US-Botschaft und internationale Hilfsorganisationen in Afghanistan sagten aus Sicherheitsgründen alle Reisen ab. Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Stefan Paris, sagte, es gebe bisher keine Vorkommnisse im Zuständigkeitsbereich des deutschen ISAF-Einsatzes in Afghanistan.

Karsai verlangt Untersuchung der Vorfälle

Der UN-Beauftragte für Afghanistan, Jan Kubis, traf sich mit dem afghanischen Geistlichen Maulawi Kijamuddin Kaschaaf, um sein Bedauern über das Verhalten der US-Truppen auszudrücken. Es sei ein trauriger Fehler, der die religiösen Gefühle der Menschen verletzt, sagte Kubis. Auch Afghanistans Präsident Hamid Karsai verurteilte die Koran-Verbrennung und forderte eine Untersuchung.

Bereits im April 2011 hatte die Koran-Verbrennung eines US-Predigers in Florida in Afghanistan eine Welle der Gewalt mit 23 Toten ausgelöst. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben.

je/wl (dpa, epd, dapd)

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