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Politik

Proteste gegen japanisches Schulbuch

Ein Geschichtsbuch für die japanische Mittelstufe hat Pekings größte Kundgebung seit sechs Jahren ausgelöst: Zehntausende demonstrierten, weil ihrer Meinung nach die militaristische Vergangenheit Japans beschönigt wird.

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Chinesischer Widerspruch


Das Geschichts-Lehrbuch hatte schon einmal für Proteste gesorgt und ist jetzt in einer überarbeiteten Neuauflage erschienen: Kritiker hatten bereits 2001 bei der Erstausgabe des Buches bemängelt, dass das Buch den Überfall der Japaner auf China im Zweiten Weltkrieg und Kriegsverbrechen wie den Missbrauch zehntausender Frauen als Sexsklavinnen verharmlost.

Kritisiert wird vor allem, dass in dem Buch niemals der Begriff "Invasion" für die Besetzung weiter Teile Asiens durch die japanische Armee genannt wird. Im zweiten chinesisch-japanischen Krieg 1937 bis 1949 besetzte Japan die Küstenregionen Chinas und machte sich zahlreicher Kriegsverbrechen schuldig. Das Massaker von Nangking, bei dem japanische Soldaten im Jahr 1937 rund 300.000 Menschen töteten, erwähnt das Buch lediglich als "Zwischenfall". Zudem würde ignoriert, dass sich japanische Soldaten Frauen als Sex-Sklavinnen gehalten haben.

Handel mit dem Feind

Nach Angaben des japanischen Erziehungsministeriums wurden die Autoren für die neue Ausgabe angehalten, beschönigende Darstellungen der Kolonisation Koreas durch Japan und des Nanking-Massakers zu ändern. Allerdings seien diese Teile nicht wesentlich verändert worden und manches sei sogar noch verfälschter dargestellt als zuvor, erklärten 15 japanische Bürgerrechtsgruppen. Trotz der Differenzen über die Vergangenheit unterhalten Japan und China seit Jahren enge Wirtschaftsbeziehungen. Im vergangenen Jahr war Japan der wichtigste Handelspartner der Volksrepublik.

Auch Südkorea ist empört

In Südkorea sorgte vor allem die in dem Buch unterstützte These für Empörung, die Dokdo-Inseln (Japanisch: Takeshima) im japanischen Meer gehörten zu Japan. Seoul und Tokio erheben beide Anspruch auf die Inselgruppe. Südkorea war von 1910 bis 1945 japanische Kolonie. Nach Ansicht vieler Südkoreaner hat Japan die Kolonialpolitik bisher nicht aufrichtig genug bereut. Die Beziehungen zwischen Japan und China sind noch immer durch den Krieg von 1937 bis 1945 belastet.

"Mit einer solchen Haltung kann Japan nicht erstrangiges Mitglied der internationalen Gemeinschaft werden", sagte der südkoreanische Ministerpräsident Lee Hae Chan in Anspielung auf Tokios Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Die südkoreanische Regierung sei sehr besorgt darüber, wie zukünftige Generationen angesichts dieser falschen Geschichtserziehung zusammenarbeiten könnten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul. Südkorea habe Japan mehrmals zu Änderungen der Texte aufgefordert.

Überarbeitung gefordert

Das umstrittene Geschichtsbuch soll ab April 2006 zum Einsatz kommen; es richtet sich an Schüler zwischen 13 und 15 Jahren. China und auch Südkorea haben gegen das Buch formalen Protest eingelegt. In dem Buch werde "Richtig und Falsch durcheinander gebracht, Schwarz und Weiß verwechselt." Das Schulbuch müsse überarbeitet werden, um der jungen Generation die "korrekte historische Perspektive" nahe zu bringen, forderte der chinesische Außenamtsmitarbeiter Qiao Zhonghuai. (arn)

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