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Politik & Gesellschaft

Proteste gegen Castor-Transport

Der letzte für Gorleben bestimmte Castor-Transport mit hochradioaktivem deutschem Atommüll ist auf dem Weg nach Deutschland. Atomkraftgegner hatten zunächst versucht, die Abfahrt in Frankreich zu verhindern.

Atomkraftgegner versuchen mit brennenden Barrikaden Abfahrt der Castoren zu verhindern (Foto: dpad)

Französischer Protest gegen Atommüll-Transport in Valognes

Der Zug mit dem Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague setzte sich am Mittwoch (23.11.2011) mit zweistündiger Verspätung in Valognes in Bewegung. Anders als bei früheren Transporten gab es bereits in Frankreich Proteste gegen den Transport des deutschen Atommülls, verhindern konnten die Demonstranten die Abfahrt des Zuges aber nicht. Mehreren hundert Aktivisten in Valognes gelang es allerdings, den Start des letzten Castor-Transports nach Gorleben zu verzögern. Sie ignorierten eine von den Behörden auf beiden Seiten der Bahngleise eingerichtete Sperrzone und besetzten vorübergehend die Gleise und beschädigten Signalanlagen. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften drängte die Demonstranten schließlich unter massivem Einsatz von Tränengas zurück. Mehrere Demonstranten wurden nach Medienberichten festgenommen.

Die französischen Atomkraftgegner der Organisationen "Valognes Stop Castor" und "Sortir du nucléair" warfen der Polizei vor, mit "brutaler Gewalt" gegen die Demonstranten vorgegangen zu sein. Auch Jacques Coquelin, Bürgermeister von Valognes, verurteilte das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Die Umweltorganisation Greenpeace schloss sich dieser Haltung an und bezog sich dabei ausdrücklich auf beide Seiten.

Atomkraftgegner planen Proteste an der Strecke

Castorbehälter auf der Schiene (Foto: dpa)

Castorbehälter auf der Schiene (Archivbild)

Nach ursprünglichen Planungen sollte der Transport das 1200 Kilometer entfernte Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben am Freitag oder Samstag erreichen. Der Zug sollte eigentlich am Donnerstagmittag mit den elf Castor-Behältern die Grenze nach Deutschland überqueren. Allerdings steht der Zug seit dem Vormittag in für 24 Stunden in der Nähe von Metz in Lothringen und wird nach Angaben sowohl aus deutschen als auch aus französischen Sicherheitskreisen erst am Freitag Deutschland erreichen. Welche von drei möglichen Streckenführungen der Zug nimmt, ist noch unklar. Entlang der Gleise werden zahlreiche weitere Protestaktionen erwartet.

In Deutschland sollen rund 20.000 Beamte den Transport der Castoren schützen. Sorgen bereitet den Behörden die Kampagne "Castor schottern". Wie im vergangenen Jahr hat die Gruppe dazu aufgerufen, massenhaft Steine aus dem Gleisbett der Strecke zu entfernen. 2010 war es den Atomkraftgegnern immer wieder gelungen, den Zug stundenweise zu stoppen oder Nachschubwege für Einsatzkräfte zu blockieren.

Kretschmann hält Proteste gegen Castor-Transport für überflüssig

Winfried Kretschmann (Foto: dpa)

Winfried Kretschmann, Deutschlands erster Grüner Landeschef, mahnt zur Besonnenheit

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält die bevorstehenden Demonstrationen gegen den Castor-Transport nach Gorleben für verzichtbar. "Protest macht jetzt eigentlich keinen Sinn mehr. Beschlossen ist: Deutschland steigt aus der Atomkraft aus", sagte Kretschmann der Wochenzeitung "Die Zeit". Mit dem Ausstieg sei die Endlagerfrage neu eröffnet worden, da nun bekannt sei, über wie viel Atommüll insgesamt geredet werde. "Alle Bundesländer haben zugestimmt. Deshalb muss man jetzt nicht nur protestieren, sondern auch zusehen, dass es gemacht wird", so Kretschmann.

Röttgen ruft Atomkraftgegner zu konstruktiver Beteiligung auf

Norbert Röttgen (Foto: dpa)

Norbert Röttgen fordert von Atomkraftgegnern konstruktive Zusammenarbeit

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) forderte die Gorleben-Kritiker auf, sich konstruktiv an der Diskussion über den Neustart bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll zu beteiligen. "Wer jahrelang einen grundlegenden Neuanfang bei der Suche nach einem Endlager fordert, der sollte die einmalige Chance, die es jetzt gibt, nutzen, den Kampf der vergangenen Jahrzehnte zu begraben und das Thema im Konsens zu lösen", sagte Röttgen.

Nach jahrelangem Stillstand hatten sich Bund und Länder in diesem November darauf verständigt, bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland Alternativen zum Salzstock Gorleben zu prüfen. Die weiteren Schritte für eine bundesweite Suche nach dem besten Standort für hochradioaktive Abfälle sollen von einer Arbeitsgruppe geklärt werden. 35 Jahre lang galt Gorleben als einzige Option für ein Endlager, obwohl die Zweifel an der Eignung des Salzstocks in rund 800 Metern Tiefe nie ausgeräumt werden konnten. Immer wieder gab es massive Proteste gegen Castor-Transporte in das nahe dem Salzstock gelegene oberirdische Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll.

Autorin: Ulrike Quast (dpa, dapd, rtr, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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