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Welt

Proteste der Occupy-Bewegung eskalieren

Genau zwei Monate nach Beginn der Occupy-Proteste in New York sind die Demonstrationen am "Tag der Aktion" eskaliert. Bis zu 250 Menschen sollen verhaftet worden sein. Ist das das Ende der Anti-Kapitalismus-Bewegung?

Occupy-Aktivisten demonstrieren in Seattle (Foto: dapd)

Occupy überall: In vielen US-Städten gingen die Menschen auf die Straßen

Polizisten in Los Angeles verhaften einen Occupy-Demonstranten (Foto: dpad)

Eskalation in Los Angeles

Die Lage an der New Yorker Finanzmeile Wall Street ist eskaliert. Schuld sind dieses Mal nicht die Kurse an der Börse, sondern die Proteste der Occupy-Bewegung. Am Donnerstag (17.11.2011), genau zwei Monate nach dem Start der bislang friedlichen Belagerung der Wall Street, sollen unterschiedlichen Angaben zufolge bis zu 250 Menschen von der Polizei festgenommen worden sein. Auch in anderen US-amerikanischen Städten wurden Demonstranten bei ähnlichen Veranstaltungen verhaftet.

Am so genannten "Day of Action", dem "Tag der Aktion", wurden mehrere Demonstranten und Polizisten schwer verletzt. Einige Aktivisten sollen den Beamten eine Flüssigkeit in die Augen gespritzt haben - US-Medien sprachen von Essig. Aktivisten berichteten hingegen von einem besonders rigiden Umgang der Beamten, die diesen damit begründeten, dass die Demonstrationen nicht angemeldet gewesen seien.

Demo im Herzen New Yorks

Protestcamp der Occupy-Bewegung in Los Angeles (Foto: dapd)

Zuflucht für viele Enttäuschte: Protestcamps der Occupy-Bewegung

Die Occupy-Bewegung hatte über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zu den Massendemonstrationen aufgerufen. Sie richten sich gegen die Macht der Banken und soziale Ungerechtigkeit. Mit Parolen wie "Täglich, wöchentlich, macht die Wall Street dicht" oder "Wir sind die 99 Prozent", in Bezug auf die Mehrheit der US-Amerikaner, die nicht reich sind, machten sie ihrem Ärger Luft.

Zur New Yorker Börse, die der Gruppe als Symbol des entfesselten Kapitalismus dient, konnten sie jedoch nicht vordringen. Die Polizei hatte das Gebäude weiträumig abgesperrt. Selbst dort Angestellte mussten scharfe Kontrollen über sich ergehen lassen.

Angespannte Lage

Am Abend zog die Bewegung dann mit Lichtern und zahlreichen Plakaten über die Brooklyn Bridge. Auch in vielen anderen US-Städten, darunter in der Hauptstadt Washington und in Chicago, zogen Anhänger der Bewegung durch die Straßen. Dies sei ein kritischer Moment, sagte Paul Knick, einer der Demonstranten. Der Software-Ingenieur aus dem Bundesstaat New Jersey unterstützt die Occupy-Gruppe von Anfang an. "Es sieht so aus, als gebe es einen massiven Einsatz, um die Bewegung zu stoppen. Ich bin hier, um sicherzustellen, dass das nicht passiert."

Maskierter Occupy-Aktivist in Miami, dessen T-Shirt Bezug nimmt auf die 99 Prozent der Amerikaner, die nicht reich sind, aber dennoch stark (Foto: dapd)

Arm, aber nicht machtlos - so das Motto der Aktivisten

Nur zwei Tage zuvor hatten die New Yorker Behörden das Camp der Occupy-Bewegung im Zuccotti-Park räumen lassen. Über Nacht mussten die Aktivisten per Gerichtsbeschluss ihr Zeltlager verlassen. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hatte die Räumung beantragt. Die Aktivisten durften kurze Zeit später wieder in den Park zurückkehren, allerdings ohne Zelte und Schlafsäcke.

Wie lange noch?

Seit dem 17. September campieren viele Occupy-Anhänger in New York. Die Bewegung hat sich von dort aus rund um den Globus ausgebreitet und mittlerweile Nachahmer in vielen großen Städten gefunden, darunter auch in der deutschen Finanzmetropole Frankfurt am Main.

Occupy habe einen Nerv getroffen, sagen Soziologen wie Michael Hartmann, doch gleichzeitig sei der Einfluss auf Veränderungen ungewiss. Laut Politik-Experten handelt es sich nicht einmal um eine politische Bewegung, denn die muss ein Programm vorlegen. Occupy gilt vielmehr als ein Sammelbecken für alle, die frustriert und unzufrieden sind mit ihrer persönlichen Lage und dem gegenwärtigen Gesellschafts-, Finanz- und Wirtschaftssystem.

Wie lange die Occupy-Bewegung die unterschiedlichen Interessen vereinen kann, darüber spekulieren auch Experten. Doch Aktionen wie die Zwangsräumung des Zuccotti-Parks oder die Demonstrationen haben der Gruppe neuen Aufwind verschafft, glaubt Nicholas Kristof, Kolumnist der New York Times. Er twitterte sofort, dass dies nicht das Ende der Occupy-Bewegung sei.

Autorin: Nicole Scherschun (dpa, dapd, afp, rtr)
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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