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Aktuell Europa

Proteste bei Revolutionsfeier in Prag

Massive Proteste gegen den tschechischen Präsidenten Zeman haben das internationale Gedenken an die "Samtene Revolution" von 1989 in Prag überschattet. Bundespräsident Gauck wurde von einem Ei getroffen.

Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert übertönte die Rede des tschechischen Staatspräsidenten Milos Zeman am Ort einer Studentendemonstration vom 17. November 1989. Mit "Ukraine, Ukraine"-Rufen protestierten die tausend bis zweitausend Demonstranten gegen die russland-freundliche Haltung des Links-Politikers. Sie forderten Zeman zum Rücktritt auf und hielten Slogans wie "Zeman in den Müll" hoch. "Ich habe vor Euch keine Angst, so wie ich auch 1989 keine Angst hatte", konterte der 70-jährige Zeman.

Beifall für Gauck

Als Bundespräsident Joachim Gauck das Wort ergriff, wurde es ruhiger, es gab höflichen Beifall. Er dankte Tschechen und Slowaken für ihr Engagement bei der friedlichen Wende in Mitteleuropa vor 25 Jahren. Damals habe er als Pfarrer in Rostock die Demonstranten mit einem Wort des tschechischen Bürgerrechtlers Vaclav Havel in Bewegung gebracht, sagte Gauck.

"Die Macht der Mächtigen kommt von der Ohnmacht der Ohnmächtigen", zitierte das deutsche Staatsoberhaupt den vor drei Jahren verstorbenen späteren tschechoslowakischen und tschechischen Präsidenten. Gegen Ende seiner Ansprache wurde Gauck von den Resten eines Eis getroffen. Zeman entschuldigte sich: "Tut mir leid, das Ei hat eigentlich mir gegolten."

Friedlicher Umsturz vor 25 Jahren

Die Demonstrationen und Proteste in der damaligen Tschechoslowakei im November 1989 waren ein Schlüsselereignis für den Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa. Am 16. November 1989 demonstrierten in Bratislava Tausende Menschen friedlich für Freiheit und Demokratie. Einen Tag später wurde eine große Studentenkundgebung in Prag von der Polizei niedergeknüppelt. Danach gab es Massenproteste und einen Generalstreik gegen das Regime. Nach der Überwindung des Kommunismus löste sich die Tschechoslowakei 1992 friedlich auf. Nachfolgestaaten sind Tschechien und die Slowakei. Sie gehören der NATO und der EU an.

Bundespräsident Gauck spricht in Prag (Foto: Getty Images)

Bundespräsident Gauck spricht in Prag

Vor der Fahrt nach Prag hatte Gauck gemeinsam mit den Präsidenten der Slowakei und Polens am "Tor der Freiheit" an der slowakisch-österreichischen Donau-Grenze zur Erinnerung an die gescheiterten Fluchtversuche von Ost nach West während der kommunistischen Herrschaft einen Kranz niedergelegt.

Rund 400 Menschen waren bei Fluchtversuchen aus der Tschechoslowakei in den Westen ums Leben gekommen. In einer Rede mahnte Gauck zu mehr Geschichtsbewusstsein. "Menschen, die heute verstehen wollen, was Europa ist, müssen wissen, woher wir kommen." Europa müsse sich "in Zeiten, in denen Frieden nicht mehr selbstverständlich ist," an seine Werte erinnern.

Poroschenko in Bratislava

Begonnen hatten die Feierlichkeiten am Sonntag in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Dort nahm auch der Staatschef der Ukraine, Petro Poroschenko, an einem festlichen Abendessen der Präsidenten Ungarns, Polens, Tschechiens, der Slowakei und Deutschlands teil. Dabei rief Gauck die Europäische Union zu Geschlossenheit und Solidarität in der Ukraine-Krise auf. Der Konflikt in der Ukraine unterstreiche die Bedeutung Europas als Friedensprojekt.

wl/qu (dpa, rtr)