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Kultur

Protest gegen Zensur eines chinesischen Weblogs

Chinas Umgang mit der Meinungsfreiheit bietet erneut Anlass für harsche Kritik. Das kommunistische Regime sperrte ein Weblog, das für den Weblog-Award der Deutschen Welle nominiert worden war.

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Die zwölfköpfige internationale Jury des "Deutsche Welle International Weblog Awards 2005" verurteilt einmütig die Sperrung des Weblogs "Wang Yi's Microphone" und fordert die chinesischen Behörden auf, diese Zensur sofort zu beenden. Mit Blick auf den Weltinformationsgipfel in Tunis vom 16. bis 18. November 2005, zu dem auch eine chinesische Delegation erwartet wird, käme ein Schweigen einer Duldung gleich, so die Jury. Wang Yi's Weblog befand sich unter den letzten drei Kandidaten für den Sonderpreis von Reporter ohne Grenzen (ROG). Zu ihnen zählte auch das Weblog des tunesischen Richters Mokhtar Yahyaoui. Als Gewinner setzte sich letztlich das ägyptische Weblog "Manal and Alaa's Bit Bucket" (http://www.manalaa.net) durch.

Couragiert

Am 24. Oktober hatte die Deutsche Welle die Nominierungen für die Weblog-Auszeichnung "BOBs – Best of the Blogs" bekannt gegeben und unter anderem "Wang Yi's Microphone" (http://zhivago.tianyablog.com) für den ROG-Sonderpreis vorgeschlagen. Kurz darauf blockierte die chinesische Regionalbehörde in Hai-Nan das Weblog. Der Jurist Wang Yi kritisiert in seinem Online-Tagebuch regelmäßig die staatliche Gerichtsbarkeit. Sein couragiertes Eintreten für eine unabhän­gige Justiz in China und für die Meinungsfreiheit waren die Gründe für seine Nominierung bei den diesjährigen Deutsche Welle International Weblog Awards.

"Verdient Solidarität"

"Blogger wie Wang Yi, die so mutig und offen gegen die Zensur eintreten, verdienen die Solidarität und Unterstützung der interna­tionalen Gemeinschaft", betont Guido Baumhauer, Chefredakteur von DW-WORLD.DE, der Online-Redaktion der Deutschen Welle. Julien Pain, Jury-Mitglied und Leiter des Internet Freedom Desk von ROG, hebt hervor: "Das Vorgehen der chinesischen Behörden demonstriert, wie selbstverständlich sich die chinesische Regierung über die Meinungs­freiheit hinwegsetzt. Seit langem zensiert sie das Internet, und es ist nicht das erste Weblog, das gesperrt wurde. Dieser jüngste Vorfall belegt, wie schnell die chinesischen Behörden auf freie Meinungsäußerung im Internet mit Zensur reagieren. Es ist beängstigend."

Chinas Fehler

Das chinesische Jurymitglied Zhao Jing, der unter dem Pseudonym Michael Anti weltweit bekannt ist, hält die Entscheidung der Behörden in China für einen großen Fehler. "Weblogs spielen eine wichtige Rolle für den freien Austausch von Informationen und Meinungen. Die Tatsache, dass die chinesische Regierung diese Entwicklung blockiert und zensiert, beweist, wie weit China noch davon entfernt ist, die freie Meinungsäußerung zu akzeptieren."

Sieger aus Ägypten

Manal und Alaa

Manal and Alaa Abd El Fattah, Gewinner des Reporter-ohne-Grenzen-Preises 2005

Gewinner des ROG-Sonderpreises im "Deutsche Welle International Weblog Awards 2005" ist das ägyptische Weblog "Manal and Alaa's Bit Bucket" (www.manalaa.net). Die zwei jungen Geschwister Manal und Alaa sind eine Institution unter den regimekritischen Bloggern ihres Landes. Sie setzen sich mit Nachdruck für Meinungsfreiheit, die Wahrung der Menschen­rechte und politische Reformen in Ägypten ein. Ihr Weblog bietet außerdem anderen Initiativen und Bloggern freien Speicherplatz und praktische Hilfestellungen an. Sie leisten einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung einer kritischen und engagierten Bloggerszene in Ägypten.

Prominente Jury

Die Preisträger in den anderen Kategorien des Wettbewerbs werden – wie ursprünglich geplant – am 21. November 2005 bekannt gegeben. Insge­samt werden Weblogs in 13 Kategorien und neun Sprachen ausgezeichnet. Zu den zwölf Jurymitgliedern der Weblog Awards der Deutschen Welle zählen international renommierte Blogger und Experten: Hossein 'Hoder' Derakhshan (Iran), Lisa Stone (USA), Ammar Abdulhamid (Syrien), Loïc le Meur (Frankreich), Yegor Bykovsky (Russland), Michael Anti (China), André Lemos (Brasilien), Jose Luis Orihuela und Ignacio Escolar (Spa­nien), Konstantin Klein und Jörg Kantel (Deutschland) sowie Julien Pain (Frankreich, Reporter ohne Grenzen). (mas)

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