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Politik

Protest gegen Proteste

Vor allem der letzte Gipfeltag zeigt: Die globalisierungskritische Bewegung ist nur in ihrer Symbolik homogen. Über Ablauf und Inhalte von Protesten sind sich die einzelnen Organisationen oft uneins.

Greenpeace legt sich mit der Wasserschutzpolizei an (AP Photo/G8 Host Pool via AP Television News/)

Greenpeace legt sich mit der Wasserschutzpolizei an

Im Protestcamp am Rostocker Fischereihafen herrscht am Freitagmorgen (08.06.07) reges Getümmel. Die G8-Gegner bauen ihre Zelte ab, um rechtzeitig zur Abschlusskundgebung in die Innenstadt zu kommen. An einer Zeltwand steht in goldfarbener Sprühfarbe "Fuck Attack!" Es ist das Zelt der Aktion "Block G8". Attac, die größte globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation, lagert links daneben. Auf der anderen Seite des Matschweges, den die Globalisierungskritiker Via Giuliani getauft haben, verstaut Engländer James gerade seinen Rucksack. "Die Demonstranten auf diesem G8-Gipfel waren zersplittert", sagt James, der bei einer Nichtregierungsorganisation arbeitet und auch beim Gipfel im schottischen Gleneagles protestierte. "Viele im Camp haben auf Attac oder den Alternativgipfel geschimpft, anstatt sich im Dialog auf eine gemeinsame Linie zu einigen. In England machen wir Kampagnen für eine gute Sache, hier sind alle nur dagegen."

Alternativ uniform

Vor dem Attac-Zelt wartet ein Fernsehteam des Norddeutschen Rundfunks auf ein Interview. Drinnen räumt ein langhaariger Aktivist mit freiem Oberkörper Promo-Material in Kisten. Zersplitterung? Der Mann seufzt tief. "Kein Kommentar". Die Menschen strömen aus dem Lager, alternativ und doch immer wieder uniform in ihren Symbolen: man zeigt Hammer und Sichel, Che Guevara, Anarchie-A, trägt Dreadlocks und fährt einen alten VW-Bus. Man bekennt sich zu einer Organisation wie "Greenpeace", "Linkswende" oder "Junirevolte". "Die Polizei am Bahnhof Grabow führt Kontrollen durch", warnt eine Frau mit Megafon. "Wer durch will, muss seinen Rucksack öffnen." Über dem Lager erhebt sich der erste Polizeihubschrauber.

Ladenfenster in der Rostocker Innenstadt sind mit Brettern vernagelt, an jeder Ecke steht Polizei. Auf dem Neuen Markt wird Gemüse verkauft, Menschen sitzen vor Cafés. "Ist hier nicht die gemeinsame Abschlusskundgebung", fragt einer. Nicht zu allen ist durchgedrungen, dass sie in den Stadthafen verlegt wurde. Dort zeigen sich die Veranstalter solidarisch mit den Sitzblockierern. "Es geht nicht los, bevor alle da sind". Ein einsamer Sangesmann kommt auf die Bühne und interpretiert "Klassiker der Friedensbewegung" wie "Blowing in the Wind". Am Rand des Platzes haben Verkäufer von alternativem Merchandise ihre Stände aufgebaut. "Ich war 15 Jahre lang Kommunist", sagt Verkäufer Werner. "Jetzt verkaufe ich aus Überzeugung, weil es mir Spaß macht und weil es Geld bringt". Am besten gehen die bunt gestreiften Friedens-Flaggen. "Mit Che Guevara haben manche der Anarchisten ein Problem", sagt Werner.

Die Welt von morgen

Der Demonstrationszug von den Sitzblockaden wird begrüßt wie eine siegreiche Fußballmannschaft. "So sehen Sieger aus", skandiert die Menge. Die Kundgebung kann beginnen. Eine Organisation nach der anderen, rühmt auf der Bühne ihre Protestaktionen zum G8-Gipfel als Erfolg. "Das, was sich gefunden hat vor den Toren von Heiligendamm, ist die Welt von morgen." Das Schlagwort "Blockade" bringt das Publikum zum Jubeln, "Polizei" bedeutet Pfiffe. Doch als eine Erklärung verlesen wird, mit der ein inhaftierter Steinewerfer die Gewalt am vergangenen Samstag rechtfertigt, bricht die Eintracht - Beifall und Buh-Rufe halten sich die Waage. Als die Moderatorin dem Redner das Wort entzieht, buhen alle. "Lass ihn doch ausreden", ruft einer.

„Die Linke war schon immer zersplittert“, murmelt Verkäufer Werner hinterm Warenstand. Wie zur Bestätigung lobt der Pastor der Rostocker Marienkirche die Gebete von Polizisten für die Globalisierungskritiker. „Gut, dass jetzt auch geklatscht wird“, sagt er. Doch der Beifall ist verhalten. Während das Griechische Sozialforum den Gipfel resümiert, beginnt die Kundgebung auszufasern. Und noch während das Griechische Sozialforum gerade seine Gipfel-Aktivitäten resümiert, ziehen einige hundert Menschen wieder fort - zum nächsten Protest.

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