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Afrika

Prostituierte aus Kenia bloggt über ihr Leben

In ihrem Blog "Nairobi Nights" schreibt eine Kenianerin über ihren Alltag als Prostituierte. Die Einblicke ins Rotlichtmilieu schockieren die kenianische Gesellschaft.

Zwei Frauen stehen und warten an einer Tankstelle. (Bild: AP Photo/Tsvangirayi Mukwazhi)

Prostituierte warten auf Kunden

Der Blog "Nairobi Nights" wurde bei den BOBs, den internationalen Weblog Awards der Deutschen Welle, in der Kategorie "Bester Blog Englisch" nominiert. Den Preis konnte die Autorin Sue letztendlich zwar nicht mit nach Hause nehmen. Sie schaffte es aber bis in die Endrunde.

Es ist der Schock-Effekt, der Sues Blog so besonders macht. Zum ersten Mal erzählt eine Prostituierte aus Ostafrika offen über ihren Alltag – und jeder kann es lesen. Sue beschreibt all das, was sie täglich auf den Straßen Nairobis erlebt. Von Kunden, die nicht zahlen wollen bis hin zu Polizisten, die Sue und ihre Kolleginnen regelmäßig festnehmen, weil Prostitution in Kenia illegal ist. Sues Blog "Nairobi Nights" thematisiert auch Probleme wie AIDS oder den Wunsch, ein Kind zu bekommen. Sue hofft, dass ihr Blog dazu beitragen kann, dass Prostituierte von der Gesellschaft mehr respektiert werden. "Das Wort 'Prostituierte' hat für mich nichts Negatives. Wir sind auch Menschen und verdienen deshalb Respekt. Wir sind, genau wie jeder andere, in dieser Gesellschaft aufgewachsen. Ich bin jemandes Schwester, ich bin jemandes Frau", so Sue.

Lustig und trotzdem intim

Ein Mädchen mit kurzem Rock sitzt auf einem Bett.

Prostitution ist in Kenia illegal

Obwohl Sue in ihrem Blog viele ernste Themen anspricht, gelingt es ihr, auch Humor in ihre Erzählungen zu bringen. In einem Beitrag erklärt sie, dass sie eines Tages ein Kind haben möchte. "Ich bin nicht an einer Ehe interessiert. Ich weiß sehr wohl, dass ich nicht treu bleiben kann. Ich kann auch nicht die ganze Nacht zuhause eingesperrt bleiben. Aber ich will ein Kind. Ja, ein Kind. Und der Vater wird auf jeden Fall ein Kunde mit den passenden Genen sein." Auf die Frage eines Lesers, der wissen möchte, was sie denn dem Kind sagen werde, wo sie den Vater kennengelernt habe, antwortet Sue: "Bei der Arbeit!"

Die Reaktionen der Leser sind ziemlich unterschiedlich. Während viele eher von ihr beeindruckt sind und manche sogar eine Heldin in ihr sehen, gibt es doch wieder andere, die sie beschimpfen und sagen, sie sei nichts weiter als eine "Hure". Sue scheint all das gelassen zu nehmen. Solche Beschimpfungen löscht sie auch nicht von ihrem Blog, auf manche geht sie sogar ein.

Eine Karte von Kenia. (Bild: DW-Grafik: Per Sander)

Verboten und verpönt

Im Gegensatz zu vielen anderen Prostituierten in Kenia ist Sue gebildet und besitzt einen Hochschulabschluss. Bei einem Versuch zu erklären, warum sie Prostituierte geworden ist, sagt Sue, dass weder Armut noch eine Teenager-Schwangerschaft die Gründe dafür seien. Warum sie sich genau für das Gewerbe entschieden hat, weiß sie selbst nicht. Nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatte und bei den ersten Bewerbungen für einen Job Absagen bekam, entschied sie sich einfach für ein Leben in Nairobis Rotlichtviertel.

Prostitution gilt in Kenia und vielen anderen afrikanischen Ländern als Sünde und ist in der Gesellschaft verpönt. Deshalb weiß Sues Familie auch nichts von ihrer Tätigkeit als Prostituierte. Ihre Eltern leben auf dem Land und glauben, dass ihre Tochter eine "anständige" Arbeit hat. Um sie in diesem Glauben zu lassen, hat sich Sue Visitenkarten ihres angeblichen Arbeitgebers, einer Firma am Flughafen, drucken lassen. Sie hofft, dass niemals einer ihrer Verwandten zu ihr als Kunde kommt.

Lob der Jury

Eine Visitenkarte mit einer Frau unter einer Laterne. (Das Bild darf nur im Rahmen einer dazugehörigen Berichterstattung benutzt werden)

Visitenkarte von Sue

Jury-Mitglied Eric Hersman weiß, warum Sues Blog viele Leser und Abonnenten hat, obwohl es um ein Tabu-Thema geht. Er erklärt, dass der Wert von Blogs darin liegt, die Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, über die viele nichts wissen oder einfach nicht nachdenken möchten. "In diesem Fall ist es die Situation von Prostituierten in den Straßen von Nairobi. Man weiß, dass es sie gibt und wo es sie gibt, aber man will nicht darüber sprechen," sagt er. Hersman, der selbst in Kenia lebt, erklärt, dass "Nairobi Nights" wegen seiner Wirkung so erfolgreich im Wettbewerb war. "Gute Blogger erzählen offen über Erlebnisse, die sie gesehen, gehört oder erlebt haben. Manchmal kann das unangenehm sein. In konservativen Gesellschaften wie in Kenia löst so ein Blog einen Schock aus."

Deswegen möchte Sue auch nicht, dass sie erkannt wird, und schreibt unter einem Pseudonym. Sie hat den Blog-Award der Deutschen Welle, der im Juni auf dem Global Media Forum überreicht wird, zwar nicht gewonnen. Sie galt aber bis zum Schluss als eine der Top-Favoriten im Wettbewerb.

Autorin: Elisabeth Shoo
Redaktion: Lina Hoffmann/Katrin Ogunsade

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