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Alltagsdeutsch – Podcast

Prost Mahlzeit!

Maaahlzeit! – ein Gruß, der demjenigen entgegenschallt, der zum Mittagessen geht. Das Wort "Prosit" oder "Prost" fällt dabei unter den Tisch. Fester Bestandteil ist es dagegen beim traditionellen Gruß an Silvester.

Sprecher:

Wer sich heute mit anderen zu einer warmen Mahlzeit setzt, wünscht, wenn er höflich ist, guten Appetit. Diese Floskel kennt man in Deutschland seit rund 200 Jahren. Vorher hieß der entsprechende Tischgruß: Prosit Mahlzeit! Wie das lateinische Wort prosit verrät, stammt diese Artigkeit noch aus der alten Studentensprache. Prosit oder kurz Prost bedeutet dabei so viel wie: Wohl bekomm's! Zur Gesundheit! oder Sehr zum Segen! Prost sagen wir daher auch, wenn wir das Glas erheben und einem anderen zutrinken, ihm zuprosten. Prost Mahlzeit! hört man ebenfalls im Alltagsdeutsch, freilich nicht mehr als Höflichkeitsformel. Der Ausdruck dient heute vielmehr als ironischer Puffer, mit dem wir eine unangenehme Überraschung abzufangen versuchen.

Sprecherin:

Schuld an diesem Bedeutungswandel sind natürlich die Studenten. Teils aus Not, teils aus Übermut erfanden sie vor gut 200 Jahren einen neuen Sport. Sie zogen mittags aufs Land, warteten bis sich der Bauer und sein Gesinde zu Tisch gesetzt hatten, klopften dann ans Hoftor und riefen immer wieder mit jämmerlicher Stimme: Prosit Mahlzeit!Prosit Mahlzeit! Anfangs klappte der Trick. Die Studenten wurden meist eingeladen und kamen so kostenlos in den Genuss eines warmen Essens. Aber als sich die Sache herumgesprochen hatte, gab es bald nur noch Prügel. Statt Suppe und statt Backobst wurden Kopfnüsse und Ohrfeigen serviert. Wenn die Bettelstudenten dann hungrig und mit blauen Flecken in die Stadt zurückkehrten, erging es ihnen nach dem Sprichwort Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. "Hat es geschmeckt?", höhnten die lieben Mitmenschen. Na dann, Prost Mahlzeit!

Sprecher:

Damit war die Höflichkeitsfloskel Prosit Mahlzeit! unten durch. Das heißt, gesellschaftlich erledigt. Sie erhielt sich allerdings in einem zählebigen Rest, der in ganz Deutschland fast schon als offizieller Mittagsgruß gilt. Mahlzeit! Um es gleich hier und ein für alle Mal zu sagen: Der Zuruf Mahlzeit! ist trotz seiner bis in die Chefetage reichenden Verbreitung nicht besonders fein. Er schmeckt etwas nach Werkskantine und Arbeitswelt. Doch hindert das immer weniger Deutsche daran, zwischen elf und 15 Uhr allenthalben – selbst beim Friseur oder Zahnarzt – mit Mahlzeit! zu grüßen.

Sprecherin:

Besser am Platz ist der hungrige Gruß da schon in einer Speisegaststätte, in dem Restaurant "Zur Sudpfanne". Was ist eigentlich unter einer Sudpfanne zu verstehen? Vielleicht eine Spezialpfanne für Bratkartoffeln oder für Eierkuchen?

O-Ton Gastwirt:

"Nein, es ist auch nicht die Pfanne, die man heiß hat. Wenn man für jemanden sagt Du hast doch die Pfanne heiß. Das ist die Pfanne nicht."

Sprecher:

Prost Mahlzeit! Wir sind auf der falschen Fährte. Das hat uns der Küchenchef mit dem deftigen, das heißt immer etwas rustikalen Humor der Kölner und dem Spruch Du hast doch die Pfanne heiß klar gemacht. Diese Redensart kommt direkt vom Herd. Denn schon während der ersten Tage seiner Ausbildung wird jedem Kochlehrling eingebläut, das heißt nachdrücklich beigebracht, dass er eine Pfanne nie ohne Inhalt, zumindest nicht uneingefettet auf den heißen Herd setzen darf. Anderenfalls schmort die Pfanne durch. Ein Koch, der diesen Grundsatz missachtet, versteht sein Handwerk nicht, ist einfach zu dumm dazu. Kurzum: Er hat die Pfanne heiß. Apropos Pfanne. Wir wissen noch immer nicht, was eine Sudpfanne ist.

O-Ton Gastwirt:

"Eine Sudpfanne ist eine Pfanne, die die Bierbrauer gebrauchen, um den Sud für das Bier herzustellen. Das ist eine Kupferpfanne, mit einer auch aus Kupfer hergestellten Abdeckung. Da ist ein Kamin dran und da wird die Gerste, die man dazu braucht zum Bier erwärmt und quellen gelassen. Diese Kupferpfanne, das ist die Sudpfanne."

Sprecherin:

Wer nach dieser Erklärung vermutet, eine Gaststätte, die den Namen "Zur Sudpfanne" trägt, müsse wohl etwas mit einer Brauerei zu tun haben, liegt gar nicht so schlecht. Aber uns interessiert jetzt etwas ganz Anderes. Was gibt es in der "Sudpfanne" zu essen? Was stand heute auf der Speisekarte?

O-Ton Gastwirt:

"Ein Kotelett natur, mit Bratkartoffeln und einem gemischten Salat. Und dann hatten wir eine Scholle 'Finkenwerder Art', die wird angerichtet mit ausgelassenem Speck, mit Petersilienkartoffeln und wir hatten noch drauf ein Rumpsteak 'Café de Paris', das ist also eine würzige Sauce mit Knoblauch."

Sprecherin:

Knoblauch in Deutschland? Ich habe doch kürzlich erst bei Heinrich Heine gelesen: "Mögen Ost und West ihren Knoblauch auspressen. In Deutschland werden nur Zwiebeln gefr…, gegessen."

O-Ton Gastwirt:

"Ja, das ist vielleicht so, dass die Deutschen heute sehr gesundheitsbewusst leben und man weiß ja, dass Knoblauch, das wird auch sehr propagiert in Arzneimitteln, mehr oder weniger ist es, ist also, Blutdruck senkend, es wirkt der Adernverkalkung entgegen und deswegen essen die Deutschen heute auch Gerichte mit Knoblauch. Sie nehmen selbst dann in Kauf, dass sie beim Küssen von ihrer Frau oder Freundin dann manchmal gemaßregelt werden."

Sprecher:

Prost Mahlzeit! Da hat man den ganzen Tag schwer gearbeitet und sich gerade noch durch ein Rumpsteak 'Café de Paris' aufrecht erhalten, da empfangen einen zuhause finstere Blicke und der zärtliche Willkommensgruß wird schnöde einfach verweigert. Eine schöne Bescherung! Wirklich. Eine schöne Bescherung! Oh, Sie kennen diesen Ausdruck nicht? Dann sollten Sie wissen, dass er eine Schattenseite des Weihnachtsfestes beleuchtet. Nehmen wir einmal an, da wären zwei Kinder, Fritz und Friederike. Fritz hat sich zu Weihnachten ein Modellauto, Friederike ein Modellkleid für ihre Puppe gewünscht. Die Eltern aber halten diese Wünsche für unangemessen und lassen sich darum etwas völlig anderes einfallen. Für Fritz und Friederike ist das eine unangenehme Überraschung. Sie ziehen ein Gesicht, maulen, heulen vielleicht sogar los und bereiten den Eltern so ihrerseits eine schöne Bescherung. So ist diese Redensart entstanden. Im Alltagsdeutsch steht sie in direkter Konkurrenz zu Prost Mahlzeit!

Sprecher:

Denn die Redensart gilt ja nur für unangenehme Überraschungen. Und wie reagiert man auf angenehme? Einmal jährlich jedenfalls mit Prosit Neujahr!

Fragen zum Text

Prosit ist ein Wort, das aus dem … stammt.

1. Mittelhochdeutschen

2. Altgriechischen

3. Lateinischen


Eine Kopfnuss ist …

1. eine Nusssorte, die rund ist.

2. ein Kopf, der aussieht wie eine Nuss.

3. ein Schlag auf den Kopf.

Zum Jahreswechsel wünscht man sich: …

1. Prost Mahlzeit!

2. Prosit Silvester!

3. Prosit Neujahr!

Arbeitsauftrag

In der deutschen Sprache gibt es zahlreiche Grußformeln und Floskeln, die man bei der Begrüßung, im Schriftverkehr oder beim Essen benutzt. Führen Sie mindestens zehn auf, erklären Sie deren Bedeutung und in welchem Zusammenhang sie verwendet werden.

Autor: Franz Josef Michels

Redaktion: Beatrice Warken

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