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Kultur

Prost, Britannia!

Es ist vollbracht: Die Aufhebung der Jahrzehnte alten Sperrstunde in britischen Kneipen ist endgültig besiegelt. In etlichen Pubs des Königreichs gab es Freudenfeste.

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Geöffnet!

Es ist eine Tradition, so britisch wie Linksverkehr, Teatime und die Queen: Um 23 Uhr wird im Pub die Last Order ausgerufen, es werden noch schnell mehrere Pint bestellt, danach gehen die, die es noch können, nach Hause. Doch nicht mehr lange.

Letzte Runde für die "Last Order"

Die konservative Opposition ist im Parlament mit einem Antrag auf zeitweilige Aussetzung des 2003 beschlossenen Gesetzes zur Neuregelung der Gaststätten-Öffnungszeiten gescheitert. Es bleibt also dabei: Die "letzte Runde" in Großbritannien gehört der Vergangenheit an. Allerdings gilt das nur für Pubs, die eine Lizenz für längere Schankstunden bekommen.

Rund 70 Prozent aller britischen Pubs haben Anträge auf eine Ausweitung der Öffnungszeiten um mehrere Stunden gestellt. Jedoch haben bislang nur 700 Kneipenwirte um Genehmigungen für einen Ausschank rund um die Uhr nachgesucht, den die Opposition als "24-Stunden-Sauf-Lizenz" gebrandmarkt hatte.

Heilung für die "englische Krankheit"

Das Schlüsselwort zum Verständnis der "englischen Krankheit", wie Premierminister Tony Blair den massenweisen Alkoholmissbrauch nannte, heißt "binge drinking" - übersetzbar mit "Schnell-Picheln" oder "Koma-Saufen": Heerscharen jeden Alters fallen in Pubs ein und wollen bis zur Sperrstunde sternhagelvoll sein. Die Labour-Regierung hofft die Liberalisierung der Kneipenöffnungszeiten werde helfe, das "Kampftrinken" einzudämmen.

Spirituosen

Ursachen für die "englische Krankheit"

Die Folgen des Saufens kosten die englische Wirtschaft jährlich mehr als 14 Millionen Arbeitstage. Der Produktionsverlust wird auf zehn Milliarden Euro beziffert. Hinzu kommen hohe Kosten beim staatlichen Gesundheitsdienst. So sind an Wochenenden zwei Drittel der Londoner Krankenwagen im Einsatz, um Schnapsleichen einzusammeln. Obendrein klagt die Polizei, dass die Eindämmung alkoholbedingter Krawalle Kapazitäten bindet, die bei der vorbeugenden Bekämpfung des Terrorismus fehlen.

Gegen die Horden

Die Lösung sei die Aufhebung der Sperrstunde, rechneten mehr oder weniger seriöse Experten der Labour-Regierung vor. Wenn die Pubs bis in die Morgenstunden oder gar rund um die Uhr geöffnet wären, würden nicht eine Stunde vor Mitternacht den Höhepunkt mit Horden lärmender Randalierer auf den Straßen erreichen. Die Konservativen hatten hingegen argumentiert, dass die Aufhebung der Sperrstunde noch mehr der berüchtigten Alkohol-Krawalle bringen werde.

Sperrstunde fällt in Großbritannien

Das Pub "Red Lion" in London unweit der Residenz von Tony Blair.

So ganz scheint Tony Blair allerdings nicht überzeugt zu sein. Der Londoner Pub "Red Lion", der in Hörweite zu seiner Downing-Street-Residenz liegt, hatte als einer der ersten nach dem neuen Kneipengesetz die Lizenz zur Ausweitung der Schankstunden beantragt. Sie wurde mit der Begründung verweigert, die Lage des Pubs könne bei längeren Öffnungszeiten zu "Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit" führen. (sams)