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Asien

Propaganda aus Pjöngjang

Führerkult und Erfolgsmeldungen - täglich sendet die "Stimme Koreas" eine Stunde lang deutschsprachiges Radioprogramm. Doch die Wirkung des nordkoreanischen Auslandssenders ist gering.

Nordkoreanische Kinder stellen mit Karten einen salutierenden Soldat dar. (Foto: dpa)

Nordkorea droht Südkorea und USA mit totalem Krieg

Das Rauschen ebbt ab. Die Nationalhymne Nordkoreas erschallt, gefolgt von einem Lied auf Heerführer Kim Jong Il. Dann beginnen die Nachrichten der "Stimme Koreas", des Auslandssenders Nordkoreas. Auf deutsch verliest ein Sprecher den Aufmacher: Anlässlich des bevorstehenden Nationalfeiertags Nordkoreas am 15. April "brachte der außerordentliche und bevöllmächtigte Botschafter der Islamischen Republik Iran dem Marschall Kim Jong Un einen Blumenkorb und einen Glückwunschbrief dar".

Loblieder auf die Kim-Dynastie und das Militär

Täglich eine Stunde lang sendet die "Stimme Koreas" in deutscher Sprache. Der Sender untersteht dem staatlichen Rundfunk- und Fernsehkomitee Nordkoreas und verbreitet die Parteilinie. Neben Lobliedern auf den Machthaber und die Kim-Dynastie strahlt der Auslandsrundfunk Nordkoreas nationale Erfolgsmeldungen und die Stimmen glückseliger Bürger aus.

Kim Jong Un beobachtet eine Übung der nordkoreanischen Armee (Foto: Reuters/KCNA)

Kim Jong Un beobachtet ein Manöver der nordkoreanischen Armee

Erst nach zweieinhalb Minuten thematisieren die Nachrichten des ehemaligen Radio Pjöngjang die Krise auf der koreanischen Halbinsel: "Bei der entstandenen Lage geht es nicht um die Möglichkeit des Ausbruchs eines Krieges in Korea, sondern um einen Zeitpunkt des Ausbruchs des Krieges. Alle Verantwortung dafür haben die amerikanische Administration im Weißen Haus und die kriegslustigen Militärs im Pentagon, die auf einen Zusammenbruch des würdevollen Gesellschaftssystems der DVRK erpicht sind", vermeldet die "Stimme Koreas" eine Stellungnahme eines Sprechers des Generalstabs der nordkoreanischen Armee. "Der Generalsstab der koreanischen Volksarmee informiert das Weiße Haus und das Pentagon offiziell darüber, dass die kontinuierliche zunehmende politische Einfältigkeit der USA und ihre atomare Drohung durch den Willen der Armee und des Volkes der DRVK und durch ihre eigenen kleiner, leichter und mannigfaltig gewordenen modernsten Nuklearschlagwaffen gnadenlos vereitelt werden", heißt es weiter.

Ein Plakat zeigt anti-US-Propaganda in Pjöngjang (Foto: dpa)

Anti-US-Propaganda in Pjöngjang

Geringer Einfluss

In Südkorea bekommt man trotz der unmittelbaren Nachbarschaft nur wenig darüber mit, was in Nordkorea passiert, sagt Sebastian Ratzer, der seit 13 Jahren in Südkorea lebt. Ratzer ist Redakteur für das deutsche Programm des südkoreanischen Auslandsrundfunks KBS World Radio, der ebenfalls täglich auf deutsch sendet. "Unsere Aufgabe ist es, über Korea zu informieren und Korea im Ausland positiv darzustellen", so Ratzer gegenüber der Deutschen Welle.

Dies ist auch ein Ziel der "Stimme Koreas". Doch die Wirkung auf das deutschsprachige Ausland ist gering. Wie viele Menschen den Sender tatsächlich hören ist schwer messbar, da über Kurzwelle gesendet wird. Doch selbst nordkoreanische Freundschaftsgesellschaften hören den Auslandsfunk nicht. Man informiere sich aus Zeitungen und über das Internet über die Lage auf der Halbinsel, ist von Mitarbeitern zweier Organisationen in Deutschland und Österreich zu hören. Warum also ein deutschsprachiger Auslandssender?

Modernitätsausweis statt Wirkung

Ein Auslandsrundfunk in verschiedenen Sprachen sei für Pjöngjang vor allem als Statussymbol wichtig, sagt Kai Hafez, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Erfurt, im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Länder wie Nordkorea wollen mit ihrem Auslandsrundfunk einen Modernitätsnachweis liefern. Man muss so etwas haben, ganz egal, ob es wirkt oder nicht". Man wolle zwar die eigene Regierungsposition in die Vielfalt der Medien aus aller Welt einbringen, außer kleinen regierungstreuen Eliten erreiche man mit "internationalen Monologen propagandistischer Beschallung" aber kaum jemanden, so Hafez.

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