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Europa

Promis über Promis – wohin man auch schaltet

Wenn die Ungarn den Fernseher anschalten, können sie ganz leicht eine Überdosis Promis abbekommen. Promis kochen, essen Käfer im Dschungel oder sitzen als Jurymitglieder in Talentsuche-Shows auf fast allen Kanälen.

Die Elisabethbrücke in Budapest, Ungarn, und das Ufer werden beleuchtet, Archivfoto 2005, Quelle: AP

Budapest: Fernsehen ist beliebt in Ungarn - vor allem die Reality- und Castingshows

Die ungarische Fernsehwelt ist eigenartig: Die Menschen können zwischen vielen privaten und öffentlich-rechtlichen Kanälen wählen, doch beinahe 80 Prozent der Zuschauer gucken zwei Privatsender. Jeden Abend locken RTL Klub und TV2 ein bis zwei Millionen Ungarn vor die Bildschirme.

Promis beim Essen und im Dschungel

Das Angebot der beiden Sender ist fast das gleiche: Um 19 Uhr kochen beispielsweise Promis auf RTL Klub um die Wette. In der Show, "Vacsoracsata" lädt jeden Abend ein Promi vier andere Promis in seine Wohnung zum Abendessen ein. Eine Stunde später gibt es fast das gleiche Bild auf TV2. Dort heißt die Sendung "Hal a tortán".

Wer noch mehr Supermodels, Popstars, Schauspieler oder Muskelmänner sehen möchte, muss nur ein wenig warten. Denn nach dem Promi-Abendessen geht es mit Promis in der Wildnis weiter. RTL Klub schickt sie in den Dschungel, TV2 in die afrikanische Savanne.

Ich bin ein Star, holt mich hier raus: Daniel Küblböck im Kakerlaken-Sarg, Archivfoto 2004, Quelle: dpa

Promi im Kakerlaken-Käfig - das erfreut nicht nur deutsche Zuschauer. Das Dschungelcamp gibt es auch in Ungarn (Archivbild 2004)

Was ist Realität, was ist Show?

Doch das sind immer noch nicht genug Promis: Man kann außerdem das Leben der Familie eines Roma-Sängers verfolgen, die rund um die Uhr beobachtet wird. Auf dem anderen Sender begleiten die Kameras ein Playboy-Supermodel, das sich in Süd-Amerika einen Latin-Lover angeln möchte. Promis sitzen außerdem in der Jury der Talentsuche-Show "Megasztár", sie quasseln morgens im Frühstücksfernsehen, es gibt jeden Abend Promi-Nachrichten und auch die Boulevard- Zeitungen berichten über sie.

Ein gefundenes Fressen für Komiker wie Stand-up-Comedian Gergely Litkai. "Ich habe das Gefühl, dass wir in einem solchen Reality-Fieber leben, dass wir nur noch Statisten in einer Reality-Show sind. Deswegen hat man uns noch am Leben gelassen", sagt Litkai. Seine Definition von „Promi“ lautet: "Ein Promi ist ein derart bekannter Mensch, dass die Zeitungen erst erklären müssen, wer er ist."

Das Promi-Märchen im ungarischen Fernsehen

Das Konzept der Promi-Shows hat schon in vielen anderen Ländern die erhofften Einschaltquoten gebracht. In Ungarn trifft es aber offenbar auf besonders gute Voraussetzungen. Laut der Budapester Medienforscherin Tímea Antalóczy mögen die Ungarn spektakuläre Shows und lieben berühmte Menschen. So auch Nóra: "Es ist amüsant, dass ich etwas vom privaten Leben der Schauspieler und Promis mitbekomme. Man kann sehen, wo sie wohnen, wie ihre Familie ist, was sie essen und ob sie auch ein normales Leben führen."

Die Produzenten der Fernsehshows machen sich diese Neigung der Zuschauer zunutze. "Die Promishows funktionieren wie Märchen. Es gibt die Guten und die Bösen, die die Konflikte suchen. Es gibt die Armen, mit denen man Mitleid empfindet", erklärt Antalóczy.

Die Fernsehmoderatoren, von links, Oli P., Ruth Moschner und Jochen Bendel posieren am Eingang des Big Brother-Dorfes, Archivbild 2005, Quelle: AP

Die Reality-Show "Big Brother" hat weltweit eingeschlagen - auch in Ungarn ein Renner (Archivbild 2005)

Ungarn braucht anspruchsvolle Sendungen

Doch nicht jeder interessiert sich für diese märchenhaften Geschichten. Zsuzsa sieht abends lieber Nachrichtensendungen und Naturfilme. Sie mag die Promi-Shows nicht: "Unsere Promis können sich einfach nicht richtig benehmen. Ich habe zum Beispiel von meinem Lieblingsschauspieler ein gewisses Bild im Kopf, wie er ist. Ich möchte nicht, dass ich enttäuscht werde", sagt sie.

Die Medienexpertin Tímea Antalóczy hofft, dass der Promi-Trend bald abklingen wird. Sie fordert anspruchsvolle Qualitätssendungen, die mit Inhalt gefüllt werden. Die Privatsender, die im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Sendern, das meiste Geld hätten, sollten auch für anständige Sendungen verantwortlich sein, sagt sie. "Ungarn braucht anspruchsvolle und professionelle Sendungen und Inhalte."

Auch wenn es momentan noch keine attraktive Alternative zu den Promishows gibt – die Wahl hat der Zuschauer trotzdem.

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