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Aktuell Europa

Prominenter prokurdischer Anwalt in der Türkei getötet

Er starb unter ungeklärten Umständen - durch eine Kugel aus dem Hinterhalt. Der prokurdische Anwalt Tahir Elçi sprach gerade vor Journalisten, als er erschossen wurde. Erst im Oktober war er festgenommen worden.

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Türkei: Prokurdischer Rechtsanwalt erschossen

Im Südosten der Türkei ist ein bekannter prokurdischer Rechtsanwalt erschossen worden. Der Vorsitzende der Anwaltskammer von Diyarbakir, Tahir Elçi, sei von einer Kugel in den Kopf getroffen worden, als er eine Erklärung vor der Presse abgeben wollte, berichten Augenzeugen.

Die Nachrichtenagentur AFP meldet unter Berufung auf Krankenhausmitarbeiter, Elçi sei in einen Schusswechsel geraten, an dem die Polizei beteiligt gewesen sei. Von welcher Seite die tödlichen Schüsse abgefeuert wurden, ist unklar. Auf einem Video der Nachrichtenagentur Dogan ist zu sehen, wie Männer, die sich hinter dem Minarett einer Moschee versteckt hatten, plötzlich das Feuer auf Elçi und die neben ihm stehenden Menschen eröffnen.

"Ihr könnt uns nicht alle töten"

Die Anwaltskammer sprach von einem Anschlag. Innenminister Efkan Ala kündigte Ermittlungen an. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erwähnte die Erschießung des prominenten Juristen bei einer Rede im westtürkischen Balikesir. Erdogan sagte, auch ein Polizist sei bei dem Anschlag in Diyarbakir ums Leben gekommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA erlag später ein zweiter Polizist seinen Verletzungen. Der Zwischenfall zeige, dass die Türkei mit ihrem entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus recht habe, so Erdogan.

In Istanbul setzt die Polizei Wasserwerfer gegen Demonstranten ein, die gegen den Anschlag auf Elci protestieren (Foto: dpa)

Wasserwerfer gegen Demonstranten: Protest in Istanbul gegen den Anschlag auf Elci

In Istanbul protestierten Demonstranten gegen die Tötung des Anwalts. Die Polizei löste die Kundgebung gewaltsam auf. Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichten, ging sie mit Wasserwerfern und Tränengas gegen hunderte Menschen vor, die Elçi mit einer Schweigeminute ehrten, bevor sie unter anderem skandierten: "Ihr könnt uns nicht alle töten" und "Der Verbrecherstaat muss Rechenschaft ablegen".

Im Visier der Behörden

In Diyarbakir, wo das Verbrechen geschah, gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen der Jugendorganisation der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Polizei. Der prokurdische Anwalt Elçi war im Oktober unter dem Vorwurf der "terroristischen Propaganda" für die PKK vorübergehend festgenommen worden.

Grund war ein Fernsehauftritt, bei dem er sagte, die PKK sei keine Terrororganisation. Als er in Gewahrsam genommen wurde, erklärte Elçi, das Vorgehen der Behörden zeige, wie schlecht es um die Meinungsfreiheit in der Türkei stehe. Gegen die Festnahme hatte es Proteste auch vor dem Justizpalast in Istanbul gegeben.

jj/pg (dpa, afp, rtr)

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