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Amerika

Prominenter Abtreibungsarzt ermordet

In den USA ist ein umstrittener Abtreibungsarzt einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. George Tiller wurde auf dem Weg zum Gottesdienst am Eingang der Lutheranischen Kirche seines Heimatorts Wichita erschossen.

Leiche wird abtransportiert (Foto: AP)

Der mutmaßliche Todesschütze entkam zunächst, er wurde aber einige Stunden später rund 300 Kilometer von Tatort entfernt festgenommen, wie die Polizei von Wichita im US-Bundesstaat Kansas mitteilte.

Nur ein Einzeltäter?

George Tiller (Foto: AP)

Ermordet: George Tiller

Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um einen Einzeltäter, die Polizei untersucht jedoch mögliche Verbindungen zu militanten Abtreibungsgegnern. Die Anti-Abtreibungsgruppe "Operation Rescue", die auf ihrer Internetseite in einer Rubrik namens "Tiller Watch" zum Vorgehen gegen den Arzt aufrief, distanzierte sich von dem Mordanschlag.

Präsident Obama entsetzt

US-Präsident Barack Obama zeigte sich schockiert über die Tat. "Ganz gleich wie groß die Differenzen der Amerikaner bei so schwierigen Themen wie Abtreibungen sein mögen, sie können nicht durch abscheuliche Gewalttaten gelöst werden", erklärte Obama.

Spezialgebiet: Spätabtreibungen

Tiller war einer der wenigen Ärzte in den Vereinigten Staaten, die noch Spätabtreibungen vornahmen. Spätabtreibungen sind in Kansas zugelassen, wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander zu dem Schluss kommen, dass die Gesundheit der Mutter bei der Geburt schweren Schaden nehmen könnte.

Tillers Klinik in Wichita / Kansas (Foto: AP)

Im Visier von Abtreibungsgegnern: George Tillers Klinik in Wichita (Bundesstaat Kansas)

Der 67-Jährige und seine Klinik waren wiederholt Zielscheibe militanter Abtreibungsgegner. 1986 wurde seine Klinik bei einem Bombenanschlag schwer beschädigt. Sieben Jahre später schoss eine Frau in seiner Klinik auf ihn; er überlebte mit Schusswunden in beiden Armen. Die Attentäterin wurde zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

Ohne Leibwächter unterwegs

Immer wieder hielten Abtreibungsgegner vor seiner Klinik Kundgebungen ab. Wegen zahlreicher Drohungen war Tillers Klinik unter anderem mit kugelsicheren Scheiben gesichert. Zudem schützte ein Sicherheitsdienst das Gebäude. Tiller selbst wurde in der Regel von einem Leibwächter begleitet - zum Gottesdienst am Sonntag war er offenbar allerdings ohne Schutzpersonal gekommen. (wa/SC/ap/afp)