Prominente werben für Organspenden | Aktuell Deutschland | DW | 30.05.2013
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Aktuell Deutschland

Prominente werben für Organspenden

Bizarre Transplantationsskandale haben es den Deutschen verleidet, ihre Organe spenden zu wollen. Jetzt mobilisiert der Gesundheitsminister bekannte Gesichter, um den Trend zu brechen.

Diesen ernsten Gesichtsausdruck des Schauspielers Klaus J. Behrendt kennen die meisten Deutschen aus seiner Rolle als "Tatort"-Fernsehkommissar. So blickt er, wenn er dort etwas ganz Schlimmes erlebt, durch das man eben mit Haltung durch muss. Diesmal, im echten Leben, zeigt er diese Miene, als er mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf dem Podium steht (Artikelbild von links: Schauspieler Behrendt, Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm, Minister Bahr und der Olympiasieger im Gewichtheben, Matthias Steiner). Es geht um eine neue PR-Kampagne für den Organspendeausweis. Tatort-Ermittler Behrendt findet es irgendwie unverständlich, dass die Deutschen ziemlich unwillig sind, wenn es darum geht, ihre Organe für kranke Menschen zu spenden. "Das ist Egoismus", sagt er mit knarrender Stimme. Die Organe seien "immens wertvoll" und dürften nicht einfach "verbrannt oder verbuddelt" werden. Behrendt fasst in die Tasche seines schwarzen Sakkos und zieht einen gelb-orangen Spenderausweis heraus. Den habe er schon seit 20 Jahren.

Transplantationsmediziner bei der Arbeit (Foto: dpa)

Nach Skandalen in der Diskussion: Transplantationsmediziner bei der Arbeit

Minister Bahr nickt Behrendt dankbar zu. "Jeden Tag sterben drei Menschen, weil Organe fehlen", sagt der FDP-Politiker, der seinen Spenderausweis schon seit zehn Jahren in der Brieftasche trägt. Er will, dass wieder positiver Schwung in die Organ-Debatte kommt. Deswegen hat sein Ministerium zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) die Kampagne "Das trägt man heute" ins Leben gerufen. Mit "das" ist der Spenderausweis gemeint, und Prominente wie Behrendt, aber auch Sportler und weitere Fernsehstars sind Beispiele für "man". Besonders glaubhaft unter ihnen ist der ehemalige Gewichtheber Matthias Steiner. Der Olympiasieger von 2008 musste nach dem Unfalltod seiner ersten Frau bestimmen, was mit ihren Organen werden sollte. "Mit Mitte 20 ist das eine Hammerfrage", erinnert sich der Ex-Sportler. Wenn sie einen Spenderausweis gehabt hätte, dann wäre ihm diese Entscheidung nicht zugefallen. "Aber es reicht mir schon, dass durch die Spende damals ein Mensch wieder sehen konnte, deswegen mache ich dafür jetzt Werbung."

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Minister Bahr: Konsequenzen aus dem Organspende-Skandal

Deutsche sind zurückhaltend

Und Werbung hat das Transplantationswesen tatsächlich nötig, denn es es steht schlecht um die Spenderbereitschaft im Lande. Zuletzt gab die Deutsche Stiftung Organtransplantation bekannt, dass im ersten Quartal 2013 im Jahresvergleich 18 Prozent weniger Organe gespendet wurden. Nach Angaben Bahrs befindet man sich damit wieder auf dem Niveau von vor zehn Jahren. Grund für die Zurückhaltung sind Berichte über kriminelle Machenschaften mit Spenderorganen in Deutschland und Enthüllungen über einen lukrativen Handel mit Nieren, Lebern und Herzen im Ausland. "Die neuen Gesetze machen einen Missbrauch unmöglich", beschwört der Gesundheitsminister und verweist auf unangemeldete Prüfungen, Transplantationsbeauftragte und gestiegene Sensibilität in den Krankenhäusern.

Organspende-Ausweis (Foto: Getty Images)

Millionenfach verschickt: Organspende-Ausweis

Dabei scheinen die Bürger nicht prinzipiell etwas dagegen zu haben, mit ihren sterblichen Resten anderen zu helfen. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA, fasst das in Zahlen: 70 Prozent hätten eine grundsätzlich positive Einstellung. "Aber die wenigsten dokumentieren ihre Bereitschaft in einem Organspendeausweis", klagt Pott.

Im vergangenen Oktober legte der Gesetzgeber fest, dass Organspenden in Deutschland an die Zustimmung des Einzelnen geknüpft bleiben - aber aktiv um diese gebeten wird. Derzeit werden Millionen von Krankenversicherten in Deutschland angeschrieben und aufgefordert, einen Spenderausweis auszufüllen. Bundesgesundheitsminister Bahr glaubt die Briefaktion auf einem guten Weg. "Uns sind nur eine Handvoll Ausweise zurückgeschickt worden."

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