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Aktuell Deutschland

Prominente für Einheit der Christen

Fünf Jahrhunderte nach der Reformation fordern namhafte Deutsche aus Politik und Gesellschaft, die Kirchentrennung zu überwinden. Sie haben die Geduld mit ihren Kirchenleitungen verloren.

"Die Initiative durch katholische Laien ist wirklich ein neuer Sonnenaufgang", sagt Richard von Weizsäcker und stampft dazu mit seinem Gehstock auf. Der 92 Jahre alte ehemalige deutsche Bundespräsident gehört zu den Erstunterzeichnern der Initiative "Ökumene jetzt - ein Gott, ein Glaube, eine Kirche". Als langjähriger Präsident des Evangelischen Kirchentages hat Weizsäcker manche Hoffnung fahren sehen im Bemühen um Einheit mit der katholischen Kirche. Dass der Papst jüngst sogar den Protestanten die Eigenschaft als Kirche abgesprochen hat, bezeichnet er in der Zurückhaltung eines Elder Statesman als "nicht sehr ermutigend".

Einer der "Laien", also einfachen Katholiken ohne Priesterweihe, die Weizsäcker nun wieder hoffen lassen, sitzt neben ihm. Es ist Bundestagspräsident Norbert Lammert, der die Initiative "Ökumene jetzt" in Berlin vorstellt. Der Christdemokrat erinnert an das 1962 begonnene Zweite Vatikanische Konzil, mit dem der damalige Papst Johannes XXIII. das "Fenster zur Welt" aufstoßen und die katholische Kirche erneuern wollte. Johannes XXIII. habe das Konzil auch einberufen, weil er "einen neuen Anlauf zur Ökumene nötig gehalten" habe, ruft Lammert in Erinnerung. Damals habe Rom das Sekretariat zur Einheit der Christen eingerichtet.

"Ausdruck der Ungeduld"

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"Unzufrieden mit dem Zustand der Ökumene": Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Bundestages, in DW-TV

Der jetzt vorgestellte Aufruf sei "Ausdruck der Ungeduld mit den bisherigen Bemühungen", sagt der Katholik Wolfgang Thierse, Stellvertreter Lammerts im Präsidium des Bundestages. Manche in seiner Kirche würden die Ökumene nur verwalten, klagt der Sozialdemokrat. Wenn der 50. Jahrestag des Konzils und der bevorstehende 500. Jahrestag der Reformation kein Anlass für einen neuen Anlauf seien, "was dann", fragt Thierse. Das Reformations-Jubiläum wird 2017 gefeiert, auch Katholiken wollen sich daran beteiligen. Dass der Versuch Martin Luthers, die katholische Kirche zu erneuern, zur Spaltung geführt habe, sei unnötig gewesen und habe "ganz handfeste politische Ursachen" gehabt, wie Lammert feststellte.

Der Politologe und langjährige Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Hans Maier, erinnert daran, dass in Deutschland nach Konfessionskriegen erstmals in der Geschichte Religionsfrieden geschlossen wurde. In beiden Dokumenten, von 1555 und von 1648, sei "die Verpflichtung zur Wiederherstellung der Einheit ausdrücklich genannt". "Kein Volk hat eine ähnlich lange Erfahrung im Zusammenleben von Christen unterschiedlicher Konfessionen", stellt Maier fest und beantwortet damit eine Journalistenfrage, warum ausgerechnet Deutsche sich zu einer solchen Initiative berufen fühlen.

"Was wächst, wächst von unten"

Die bisherigen Bemühungen um eine Überwindung der Kirchenspaltung seien von Theologen getragen gewesen und immer wieder an denselben Stellen zum Stillstand gekommen, stellen die Initiatoren fest. Es könne aber durchaus "innerhalb der Kirche unterschiedliche Verständnisse" bestimmter Glaubensfragen geben, stellt die Grünen-Politikerin Antje Vollmer fest. Auch müsse es keine gemeinsame Form des Gottesdienstes geben. "Unterschiedliche Formen sind Reichtum. Nichts davon möchte ich schleifen", so die ehemalige Bundestags-Vizepräsidentin.

Man wolle nun ganz konkret an der Basis der Kirchengemeinden an der Überwindung der Konfessionsgrenzen arbeiten. "Von oben ist noch nie etwas gewachsen", stellt der ehemalige Leipziger evangelische Pfarrer Christian Führer dazu fest, einer der Wegbereiter der politischen Wende in der DDR. "Was wächst, wächst immer von unten."

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